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Cameron Carpenter tritt im Kuppelsaal auf

Radio-Symphonieorchester Wien Cameron Carpenter tritt im Kuppelsaal auf

Cameron Carpenter und Cornelius Meister sind  mit dem Radio-Symphonieorchester Wien im Kuppelsaal aufgetreten - und haben dabei für eine kleine Sensation gesorgt.

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Grell: Cameron Carpenter am Orgeltisch.

Quelle: Kutter

So mag es sich auf den Jahrmärkten vergangener Zeiten angefühlt haben, wenn die Gaukler einen jener gewaltigen Musikautomaten mit sich führten, von denen man schon raunen gehört hatte. Oder im Dom der fernen Stadt, wo die Orgel auf hoher Empore so gewaltig rauscht, dass einem Hören und Sehen vergeht. Wenn Cameron Carpenter in die Tasten greift, geschieht jedenfalls auch im Hier und Jetzt Unerhörtes. Mit seinem wunderlichen Instrument – einer Art transportabler Kirchenorgel mit fünf Manualen und gewaltigen Mengen an Lautsprechern statt der üblichen Pfeifen – produziert er Klänge, die ganz anders sind als das, was man hier sonst hört.

Im Konzertsaal, wo die Dinge seit Jahrhunderten in gewohnten Bahnen verlaufen, ist allein das eine kleine Sensation. Carpenter spielt größer, greller, gewaltiger als jeder andere Instrumentalist. Als Zuhörer kann man da nur staunen. Doch im gut gefüllten Kuppelsaal, wo der Amerikaner nun mit dem Radio-Symphonieorchester Wien und dem Dirigenten Cornelius Meister zu Gast war, bleibt es nicht beim Staunen über die auffällige, angeblich eine Million Euro teuere Tonerzeugungsmaschine.

Cameron Carpenter und Cornelius Meister sind mit dem Radio-Symphonieorchester Wien im Kuppelsaal aufgetreten.

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Denn Carpenter begnügt sich nicht damit, die bemerkenswerten Möglichkeiten seiner selbst konstruierten Reiseorgel zu demonstrieren. In seiner Bearbeitung der (original für Klavier gedachten) „Paganini-Variationen“ von Sergei Rachmaninow nutzt er das Instrument vielmehr, um die Musik zu durchleuchten. Man hört plötzlich etwa an überraschend sperrigen Harmonien, dass Rachmaninow ein Komponist des 20. Jahrhunderts ist. Und man ahnt, dass seine Sehnsucht nach der gerade verlorenen Romantik auch schmerzhaft gewesen sein muss.

Bei Carpenter kann man das sogar ganz körperlich spüren, wenn er, sobald die Musik einmal richtig ins Schwärmen gerät, Lautsprecher mit nach vorn gerichteten Schalltrichtern aus Messing dazuschaltet und so für einen Moment eine Lautstärke jenseits der Schmerzgrenze erreicht.

Der vor allem im Bass sehr imposante Klang der Orgel läuft auch sonst manchmal dem Orchester den Rang ab, doch die Wiener erweisen sich davon unbeeindruckt als perfekte Begleiter. Unter der Leitung ihres aus Hannover stammenden Chefdirigenten demonstrieren sie auch in Dvoráks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ und seiner Tondichtung „Die Mittagshexe“ vor allem in vielen raffinierten Übergängen eine beachtliche Orchesterkultur. Von berauschenden Klängen, wie Carpenter sie liebt, halten sich die Musiker aber fern. Die populären Stücke tönen so etwas weniger mitreißend, als es denkbar wäre. Zum Glück reicht der Applaus trotzdem für zwei Zugaben: einen „Slawischen Tanz“ und eine wunderbar schräge Polka als überraschend zeitgemäßen Gruß aus der großen Musikstadt Wien.

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