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Kultur Carina Plath ist neue Kuratorin im Sprengel Museum
Nachrichten Kultur Carina Plath ist neue Kuratorin im Sprengel Museum
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20:10 23.03.2010
Von Johanna Di Blasi
Max Beckmann auf der Wand – und Expressionismus auf der Bluse: Carina Plath, die neue Kuratorin im Sprengel Museum, passt gut ins Bild. Quelle: Martin Steiner

Sie nennt es „einen Skandal“, dass beim Landtagsbau in Hannover die Geschichte und der Denkmalschutz übergangen werden sollen. „Bis hin zu den Lampen“ habe der Architekt Dieter Oesterlen damals alles sorgfältig auf­einander abgestimmt. Carina Plath nimmt kein Blatt vor den Mund. Als energische Leiterin des Westfälischen Kunstvereins Münster hat sich die Frau mit dem burschikosen Kurzhaarschnitt einen Namen gemacht. Und mit Energie geht die Mutter zweier Kinder ihr neues Amt in Hannover an: Plath ist seit Anfang des Monats neue Kuratorin für Malerei und Skulptur im Sprengel Museum. Ihr Mann, Olaf Peters, ist Professor für Kunstgeschichte in Halle an der Saale. Die Familie hat den Wohnsitz bereits nach Hannover verlegt.

Die 1966 in Münster geborene Kunsthistorikerin ist die Nachfolgerin von ­Susanne Meyer-Büser. Diese war nach der erfolgreichen Schau „Marc, Macke und Delaunay“ ins Rheinland gegangen, wo sie nun in Düsseldorf in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen tätig ist. Carina Plath wird in Hannover nicht nur die umfassenden Sammlungsbestände mit Schwerpunkten unter anderem bei Kurt Schwitters, Paul Klee oder Pablo Picasso neu ordnen und Sonderausstellungen organisieren. Die Kunsthistorikerin, die in Münster, Bologna und München studierte, wird vor allem auch bei der architektonischen Gestaltung der Sammlungsräume im bevorstehenden Neubau ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Seite an Seite mit Museumsdirektor Ulrich Krempel und den Architekten wird sie gestalterisch wirken.

Bauerfahrung bringt die Kunsthistorikerin aus Münster mit, wo das Berliner Büro „Staab Architekten“ (beteiligte sich auch am Wettbewerb für das Sprengel Museum) das Landesmuseum samt den Räumen des Kunstvereins umgestaltet. Dort wurde allerdings, anders als beim Sprengel Museum, ein Trakt niedergerissen. Ihre beim renommierten Kunsthistoriker Beat Wyss eingereichte Dissertation war ebenfalls dem Thema Räume gewidmet, und zwar radikal offenen Räumen. Es ging um die Environment-Kunst der Kalifornierin Maria Nordman, einer Kollegin des Licht- und Landschaftskünstlers James Turrell.

Mit dem aus dem Architektenwettbewerb des Sprengel Museums Ende Februar siegreich hervorgegangenen Entwurf des Züricher Büros Meili + Peter zeigt sich Plath einverstanden. Sie findet es gut, dass dem bestehenden, komplizierten Bau ein schlichter Kontrapunkt entgegengesetzt wird. „Eigentlich ist es eine Kiste, aber mit tanzenden Räumen, einer klassischen Enfilade, unterschiedlichen Raumatmosphären.“

Plath möchte darauf achten, dass die neuen Räume eine, wie sie es nennt, „bestimmte physische Präsenz“ erhalten. Architekten arbeiten heute mit dem CAD-Verfahren (Computer-Aided Design), ihre rechnergestützten Entwürfe muten häufig etwas virtuell an. Genau solche betont künstlichen Räume aber dürften nicht entstehen, sagt Plath. Weder unwirklich noch hermetisch wünscht sich Plath die neuen Kunsträume. Das wechselnde Lichtspiel der Tageszeiten soll beispielsweise erfahrbar sein. „Es geht darum, diese hochkarätige Sammlung buchstäblich ans Licht zu bringen“, sagt die Kunsthistorikerin mit Emphase.

Bei den modernen Klassikern haben es ihr seit ihrer Studienzeit, als sie mit Kommilitonen zu Schwitters’ MERZ-Bau und El Lissitzkys „Abstraktem Kabinett“ nach Hannover pilgerte, die Konstruktivisten und Dadaisten angetan. Aber auch die Neue Sachlichkeit, wiewohl häufig behandelt, möchte sie in neuem Licht zeigen.

Als eine von sechs verantwortlichen Kuratoren wird Carina Plath 2012 in Hannover auch die zweite Ausgabe von „Made in Germany“ gestalten, wo wieder ein breiter Überblick über das aktuelle Kunstschaffen in Deutschland gegeben werden soll. „Wir wollen uns bemühen, außer Berlin auch noch andere Produktionsstandorte in den Blick zu bekommen.“

Mit Großprojekten hat Plath Erfahrung. Sie hat 2007 gemeinsam mit Kasper König vom Museum Ludwig in Köln und mit Brigitte Franzen die „skulptur projekte münster“ geleitet. In ihren Ausstellungen im Westfälischen Kunstverein hat sie sich anspruchsvollen Themen wie dem modernen Nomadentum, der Globalisierung oder dem Arbeitsbegriff gewidmet. In einer Schau mit dem großen osteuropäischen Künstler Pawel Althamer ist sie 2002 sogar eine Kooperation mit der Justizvollzugsanstalt Münster eingegangen. Häftlinge waren bei der Eröffnung im Kunstverein anwesend, auf eigenen Wunsch inkognito. Zusätzliche Wachmaßnahmen waren nicht nötig, denn, so Carina Plath mit vieldeutigem Schmunzeln: „Museen sind unsere Gefängnisse.“

Auch in Hannover möchte sie sich nach Kooperationen umsehen. Es muss nicht gleich ein Gefängnis sein. Schon eine engere Zusammenarbeit mit dem nur einen Steinwurf entfernten Niedersächsischen Landesmuseum wäre eine Bereicherung. Auch das Landesmuseum besitzt moderne Meisterwerke. Die beiden Häuser könnten gemeinsam Ausstellungen erarbeiten.

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