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"Frauen machen es sich oft selbst schwer"

Carolin Kebekus im Interview "Frauen machen es sich oft selbst schwer"

Carolin Kebekus kommt nach Hannover. Ihre Show "Alpha Pussy" in der Swiss-Life-Hall ist ausverkauft. Im Interview spricht die Kabarettistin über ihr Erfolgsrezept und die Fragen, warum manche Männer vor starken Frauen Angst haben und weshalb es sich Frauen im Kabarett oft selbst schwer machen.

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Carolin Kebekus kommt mit ihrer Show "Alpha Pussy" in die Swiss-Life-Hall.

Quelle: Axl Klein

Hannover. Frau Kebekus, am Sonnabend, 22. April, sind Sie mit ihrer neuen Show „Alpha Pussy“ in Hannover zu Gast. Was erwartet die Zuschauer?

Es ist ein klassisches Stand-up-Programm. Es gibt mich, ein Mikro, und ich erkläre meine Sicht auf die Welt - und bewege mich dabei natürlich sehr, sehr weit unter der Gürtellinie. Also wenn jemand ein Problem mit vulgärer Sprache hat, dann wird’s schwierig für ihn.

Zur Person

Carolin Kebekus (36) begann ihre Karriere als Praktikantin bei der RTL-Comedysendung „Freitag Nacht News“. Mittlerweile hat die Kölner Kabarettistin mit der Liebe zur vulgären Sprache ihre eigene Sendung in der ARD. Die Show von Carolin Kebekus am Sonnabend, 22. April, in der Swiss-Life-Hall ist ausverkauft. Für ihren Auftritt am 21. September in der Münsterlandhalle in Münster gibt es noch Karten, ebenso wie für die Auftritte am 10. November in der Sporthalle Hamburg und am 17. November in der Lokhalle Göttingen.
Im Fernsehen ist Carolin Kebekus das nächste Mal am 25. Mai zu sehen. Dann wird die nächste Ausgabe von ihrer Show „PussyTerror TV“ im Ersten ausgestrahlt.     

Vulgäre Sprache und derbe Sprüche sind ja Ihr Markenzeichen - ist das aus Marketinggründen so, oder reden Sie immer so?

Das hab ich mir nicht aneignen müssen für meine Karriere, das ist tatsächlich einfach so. Ich habe großes Glück, dass mein Publikum meinen Humor teilt und ich einfach das machen kann, was ich selber lustig finde. Wenn ich was machen müsste, was ich selber scheiße finde, nur damit Leute kommen, wäre das furchtbar.

Woran liegt es denn Ihrer Meinung nach, dass diese Art von Humor so gut ankommt?

Als ich angefangen habe, Stand-up zu machen, weiß ich noch, dass das Publikum oft voreingenommen war, wenn es hieß, da kommt jetzt eine Frau. Da sind tatsächlich manche aufgestanden, um sich Bier zu holen, weil sie gedacht haben, jetzt kommen die typischen Frauenwitze - übers Einparken und so. Ich musste also alle sofort wachrütteln. Mittlerweile müsste ich das nicht mehr, weil jeder, der zu meiner Show kommt, weiß, auf was er sich einlässt. Ich bin halt ein lauter und vulgärer Mensch.

Denken Sie denn, dass Frauen es generell im Comedy-Bereich schwerer haben als Männer und zu drastischen Mitteln greifen müssen?

Ich glaube, eigentlich ist das gar nicht so, aber Frauen machen sich das selber oft schwer. Wir sind viel selbstkritischer, können schwerer mit Kritik umgehen, weil wir immer wollen, dass uns alle lieb haben und toll finden. Selbst wenn ein Typ vollkommen versagt, kommt er von der Bühne und sagt: „Boah, die hab’ ich aber richtig zum Kochen gebracht, diese Hütte.“ Die lassen sich von Tiefschlägen nicht so leicht aus der Rolle bringen.

Ist da denn Besserung in Sicht?

Auf jeden Fall. Ich kriege ja schon mit, dass es immer mehr Frauen im Stand-up gibt. Wenn man sich so Shows wie „Nightwash“ oder „Quatsch Comedy Club“ anschaut, dann hat man jetzt fast jedes Mal mindestens eine Frau dabei, das ist schon ein Unterschied zu früher.

Aber es gab ja sicherlich auch für Sie schon Vorbilder, oder?

Natürlich. Gaby Köster ist für mich die Erste, die als Komikerin auf die Bühne kam und sich nicht als Putzfrau verkleidet hat oder sich klein gemacht hat. Die war einfach anders, hat meine Sprache gesprochen. Aber auch Anke Engelke. Mein Gott, das war wie eine Offenbarung. Da habe ich gemerkt, dass das ein richtiger Beruf ist, dass ich das auch machen kann.

Sie haben angesprochen, dass Frauen sich im Comedy-Geschäft oft klein machen. Sie hingegen sprechen Themen wie Feminismus und Gleichberechtigung offen an.

Weil es mich interessiert und berührt. Dafür werde ich aber auch oft beschimpft und kriege unheimlich viel Hass. Aber das triggert mich dann irgendwie - ich find’s interessant, das zu hinterfragen. Warum macht denn eine unabhängige, starke Frau manchen Männern immer noch so Angst? Auch sehr interessant ist, dass die Leute, die bei Facebook Hasskommentare schreiben, oft Rechte sind und Anti-Feministen. Menschen mit rechtem Gedankengut sind ganz oft auch Frauenhasser. Das geht irgendwie Hand in Hand. Die denken irgendwie, ihre Privilegien werden ihnen aberkannt, wenn die Frauen jetzt dasselbe dürfen.

Sie kritisieren auch immer wieder den Schönheitswahn - können Sie sich dem Druck, der auf Frauen ausgeübt wird, denn entziehen?

Dem kann man sich nicht entziehen. Überall kriegt man Körperideale vorgesetzt. Man kann sich dessen bewusst sein, aber es beeinflusst einen trotzdem. Und die Ideale verändern sich ja immer. Ich hab’ das Gefühl, man muss uns Frauen immer so bei der Stange halten, damit wir immer denken, irgendwas ist noch an meinem Körper optimierbar, ich kann immer noch besser werden. Da steckt einfach eine riesige Industrie hinter, die damit Geld verdient, dass wir uns unwohl in unseren Körpern fühlen.

Gibt es da gerade einen neuen Trend?

Ich hab bei Instagram gesehen, dass, wenn man so steht und sich die Füße berühren, sich sonst am Bein nichts berühren darf. Zwischen den Oberschenkeln muss eine Lücke sein, sonst ist man fett - und ich bin dann nach dem Maßstab anscheinend fett.

Abgesehen von Lücken zwischen den Oberschenkeln, was beschäftigt Sie momentan am meisten?

Ich mache ja kein politisches Kabarett, aber trotzdem merke ich, dass die Welt anscheinend im Umbruch ist. Wir leben in permanenter Terrorangst. Aber auch die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln, wo Hunderte Frauen angetatscht wurden, beschäftigt mich noch und die Gesetzeslücken, die man danach gesehen hat.

Kann denn Comedy etwas ändern?

Man kann das auf jeden Fall mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Es ist ja oft so, dass man die Dinge auf das Wesentliche runterbricht, wenn man sie lustig beleuchtet. Manche Themen verlieren ihren Schrecken, andere sind aber auch einfacher zu greifen, weil sie simpler dargestellt werden. Ich bin niemand, der mit einer großen Botschaft in die Welt geht.

Das Interview führte Lisa Malecha

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