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Kultur „Chaostage –Der Ausverkauf geht weiter“ auf der Cumberlandschen Bühne 
Nachrichten Kultur „Chaostage –Der Ausverkauf geht weiter“ auf der Cumberlandschen Bühne 
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00:15 10.12.2017
Schauspieler spielen Punks „Chaostage“ auf der Cumberlandschen Bühne  Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

 Die Wirklichkeit hat einen weißen Bart. Die Wirklichkeit trägt eine bunte, schlauchartige Kopfbedeckung. Die Wirklichkeit verzichtet auf einen Theatersitz und setzt sich einfach auf die Kante des Podiums. Die Wirklichkeit applaudiert nicht. 

Auf der Cumberlandschen Bühne hatte ein Stück über die Chaostage Hannover Premiere: „Chaostage –Der Ausverkauf geht weiter“, ein Theaterprojekt von Ulrike Günther. Bei der Premiere saß Karl Nagel im Publikum. Der gehörte zu den Initiatoren der hannoverschen Chaostage. Ein Urpunk. Ein Zeitzeuge. Einer der Väter der Bewegung. Karl Nagel, 57 Jahre alt, weißer Bart, buntes Kopftuch, ist kein Mitspieler. Aber er spielt mit. In einer Szene, in der es um Karl Nagel geht, spricht der Schauspieler Janko Kahle den ehemaligen (?) Punk direkt an, der vorn auf der Kante eines der drei Podien sitzt, die die Spielfläche einrahmen. Und dann passiert das, was bei der Begegnung mit Punks öfter mal passiert: Es gibt Streit.  Karl Nagel moniert, dass das ja nun nicht gerade Punk sei, wenn jemand auf der Bühne mit Ohrenschützern Schlagzeug spielen würde. Er beklagt sich, dass der Schauspieler eine Festanstellung haben und dabei über Punk schwadronieren würde und greift ihm in den Schritt. 

Davon steht nichts in der Textvorlage. Und davon wird sich nichts in einer der Folgeveranstaltungen wiederholen. Es ist nicht Theater, es ist wirklich. Wie erfrischend es ist, wenn die Wirklichkeit ins Theaterspiel einbricht! Außerdem passt  das natürlich sehr gut zum Punk, der ja auch so etwas wie der Einbruch des Wirklichen in eine halbwegs geordnete Welt war. 

Ohne den Auftritt von Karl Nagel (der insofern auch einigermaßen bitter ist, weil es dabei immer nur darum geht, wer wieviel verdient und was gerade erlaubt ist) wäre die Punk-Revue eine Sammlung biographischer Kleinigkeiten: Die Darsteller (Maximilian Grünewald, Janko Kahle, Wolf List, Anke Stedingk und Tim Golla am Schlagzeug) erzählen, wie sie zum Punk gekommen sind und was der Punk in ihrem Leben bedeutet hat. Das Persönliche schützt davor, dass das Projekt eine Heldenerzählung als glorreichen alten Zeiten wird. 

Am Ende gibt es freundlichen Applaus für die Darsteller und das Team. Nur Karl Nagel applaudiert nicht. Er ist als Theaterkritiker hier (Hallo Kollege!), denn er soll dem Deutschlandfunk in einem Interview erzählen, was er von dem hannoverschen Theaterpunkprojekt hält. Applaudiert er nicht, weil auch einige Kritikerkollegen gemeinhin auf das Spenden von Applaus verzichten?

Nein, sagt er, damit habe seine Applausverweigerung nichts zu tun: „Ich mache einfach nicht so gern mit bei dem, was alle tun.“

War schon toll, der Punk.

Von Ronald Meyer-Arlt

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