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"Ich bin Hannoveraner"

Dirigent Cornelius Meister "Ich bin Hannoveraner"

"Ich bin Hannoveraner und fühle mich auch so. Mit der Stadt verbinde ich ungezählte schöne Erinnerungen", der Chefdirigent des ORF-Radio-Symphonieorchesters Wien Cornelius Meister spricht über seinen Abschied aus Wien und sein Konzert im Kuppelsaal.

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 Der Dirigent Cornelius Meister kommt aus Hannover.

Quelle: Marco Borggreve

Herr Meister, am Montag dirigieren Sie nach langer Zeit wieder ein Konzert in Ihrer Geburtsstadt. Freuen Sie sich auf das Heimspiel? Oder fühlt sich das gar nicht mehr so an?

Ich bin Hannoveraner und fühle mich auch so. Mit der Stadt verbinde ich ungezählte schöne Erinnerungen: Das Kaiser-Wilhelm-und-Ratsgymnasium, die Musikhochschule, das Junge Sinfonieorchester, der Richard-Wagner-Verband - es gibt hier ganz viele Verbindungen, die mir wichtig sind.

Jetzt treten Sie allerdings an einem Ort auf, der bei Musikern lange keinen guten Ruf hatte. Haben Sie schon von der Umgestaltung des Kuppelsaals gehört?

Ich bin gespannt auf den neuen Saal, den ich selbst noch nicht kenne. Von meiner Mutter, die ja in Hannover lebt, habe ich aber schon einiges gehört. Wenn ich als Dirigent mit einem Orchester auf Tournee gehe, ist es ohnehin eine der wichtigsten Voraussetzungen, flexibel auf die unterschiedlichen Säle zu reagieren. In dieser Hinsicht ist das Radio-Symphonieorchester Wien besonders erfahren, weil wir in der Stadt zwei Abonnementzyklen spielen: einen im berühmten Musikvereinssaal und den anderen im Konzerthaus. Aber natürlich ist es auf unseren Tourneen das Wichtigste bei den Anspielproben vor den Konzerten, unser Musizieren auf die Akustik des jeweiligen Saals einzustellen.

Cornelius Meister

Cornelius Meister wurde 1980 in Hannover geboren. Er hat unter anderem bei Martin Brauß und Eiji Oue an der Musikhochschule Hannover und in Salzburg studiert und war von 2005 bis 2012 Generalmusikdirektor in Heidelberg. Seit 2010 ist er Chefdirigent und künstlerischer Leiter des ORF-Radio-Symphonieorchesters Wien, mit dem er am Montag, 2. Mai, in Hannover gastiert. Auf dem Programm im Kuppelsaal stehen unter anderem Antonin Dvořáks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ und Sergej Rachmaninows „Paganini-Variationen“ mit Cameron Carpenter als Solisten. Beginn um 19.30 Uhr, Karten unter Telefon (05 11) 36 38 17.

In Hannover wird ein ungewöhnlicher Solist mit von der Partie sein: Der Organist Cameron Carpenter spielt in Rachmaninows „Paganini-Variationen“ den Part, der eigentlich für einen Pianisten gedacht ist. Was erwartet uns da?

Ich mag es ausgesprochen gern, mit verschiedenen Künstlerpersönlichkeiten zu arbeiten. In Wien werde ich in dieser Hinsicht verwöhnt, da fast alle wichtigen Solisten dort mit großer Freude regelmäßig auftreten. Unter ihnen ist Cameron Carpenter schon dadurch außergewöhnlich, dass er Orgel spielt: ein Instrument, das bei Orchestern ja leider solistisch nicht die Rolle spielt, die ihm eigentlich zusteht. Mit seiner Kreativität und Fantasie steht er aber auf einer Stufe mit den großen Solisten anderer Instrumente.

Sie sprechen die guten Bedingungen an, die sie in der Musikstadt Wien haben. Nun haben Sie aber gerade angekündigt, dass sie Ihre Chefposition dort 2018 aufgeben werden. Warum?

Ich hatte in den vergangenen Jahren das Glück, dass mich sowohl Konzertorchester als auch Opernhäuser zu wichtigen Debüts eingeladen haben: 2015 war ich zum ersten Mal an der Scala, davor an Covent Garden in London, und ab 2018 werde ich zusätzlich an der Metropolitan Opera in New York dirigieren und dort jede Spielzeit einen langen Zeitraum verbringen. Zur selben Zeit werde ich mehr als acht Jahre lang in Wien gewesen sein: länger als jeder andere Dirigent in der Geschichte des Orchesters. Inzwischen läuft dort alles nicht nur musikalisch, sondern auch finanziell und organisatorisch sehr gut: Ich kann also guten Gewissens den Stab weitergeben.

Wollen Sie als freier Dirigent arbeiten, oder gibt es die eine Chefposition, die Sie locken würde? Und denken Sie dabei eher an London und New York, oder würden Sie auch zurück nach Hannover kommen? Da wird 2019 ja auch eine Stelle an der Oper frei.

Als Dirigent ohne feste Position durch die Welt zu ziehen hat natürlich Vorteile: Man hat einfach mehr Zeit, die man nutzen kann. In den vergangenen Jahren musste ich viele Angebote ablehnen, die schön gewesen wären. Eine feste Position bei einem Sinfonieorchester oder bei einem Opernhaus könnte aber auch sehr interessant sein. Das hängt in erster Linie von den persönlichen Konstellationen ab: Natürlich müssen Orchester und Dirigent zueinander passen. Auch das Team um den Intendanten, die Verwaltung und die politische Unterstützung müssen stimmen. Meine Familie muss sich wohlfühlen. Wenn das alles mal wieder so der Fall sein sollte, wie ich es in Heidelberg und Wien erlebt habe, wo ich jeweils sehr glücklich war und bin, kann ich mir gut vorstellen, eine feste Stelle anzunehmen, ob in Deutschland oder anderswo.

Wie redet man Sie eigentlich an, wenn Sie zum Beispiel an der Mailänder Scala dirigieren: Maestro Meister?

Ja, tatsächlich ist das so. Allerdings ist für viele Italiener gar nicht der Nachname das Lustige, sondern mein Vorname. Cornelius ist im heutigen Italienisch ausgesprochen ungewöhnlich, wenngleich dort jeder spürt, dass dies ein Name ist, der mit der italienischen Geschichte zu tun hat. Wenn nun ein Germane mit einem lateinischen Namen vorbeikommt, scheint das für italienische Musiker noch komischer zu sein, als dass der Maestro Meister heißt.

An der Scala haben Sie eine Oper von Giorgio Battistelli uraufgeführt. In der kommenden Spielzeit wird an der Staatsoper Hannover sein neuestes Werk zum ersten Mal zu hören sein. Was kommt da auf uns zu?

Battistelli ist ein ausgesprochen erfahrener Komponist, der beinahe so viele Opern komponiert hat wie Rossini. In Italien ist er der wohl wichtigste und bekannteste lebende Opernkomponist. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er wirklich daran interessiert ist, mit den Interpreten zusammenzuarbeiten. Während der Proben hat er viel geändert, weil er den Eindruck hatte, dass dieses oder jenes für den Sänger vielleicht anders noch besser passen könnte. Er ist das Gegenteil eines Komponisten, der ein fertiges Werk vorlegt und verlangt, dass man es notengetreu aufzuführen habe.

Bringt das einen Dirigenten nicht an den Rand des Nervenzusammenbruchs? Oder ist man ganz froh, wenn der Komponist klare Anweisungen gibt?

Unsere Zusammenarbeit habe ich in bester Erinnerung. Er hat oft gefragt, was ich über eine Passage denke, ob eine Stelle so oder doch besser anders gespielt werden soll. Da habe ich immer gedacht, ich kleiner Interpret darf mir doch nicht anmaßen, mitzukomponieren. Wenn wir an Anton Bruckner oder andere Komponisten denken: Wie froh wären wir heute, wenn nicht wohlmeinende Interpreten und Freunde an den Stücken mitgeschrieben hätten. Hannover kann sich auf jeden Fall auf ein neues Stück dieses Komponisten freuen: In Mailand ist es sowohl beim Publikum als auch bei den Mitwirkenden sehr gut angekommen.

Interview: Stefan Arndt

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