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15:24 30.07.2015
Erst vor einer Woche hat Ai Weiwei seinen Pass wiederbekommen. Quelle: dpa
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Peking/Berlin

Auf seiner ersten Auslandsreise seit seiner Festnahme vor vier Jahren besucht der berühmte chinesische Künstler Ai Weiwei Deutschland. Erste Station sollte am Donnerstag München sein. Danach will der 57-Jährige seinen Sohn in Berlin besuchen. Sein Abflug von Peking war begleitet von Wirbel über die Entscheidung der britischen Regierung, dem regimekritischen Künstler ausgerechnet wegen seiner politisch motivierten Inhaftierung 2011 eine kriminelle Vergangenheit zu unterstellen und ihm ein langfristiges Visum zu verweigern.

Nach einem Aufenthalt in München wolle Ai Weiwei in den nächsten Tagen nach Berlin weiterreisen, teilte die Galerie Neugerriemschneider in Berlin auf dpa-Anfrage mit. Wann, stehe noch nicht fest. "Jedenfalls nicht am Donnerstag." In Berlin lebt sein sechsjähriger Sohn mit seiner Mutter. Vor knapp einem Jahr hatte Ai Weiwei beide aus Angst um ihre Sicherheit in die deutsche Hauptstadt geschickt.

Erst vor einer Woche hatte Ai Weiwei seinen Pass wiederbekommen. "Alles verlief reibungslos", sagte ein chinesischer Freund zu den Formalitäten beim Abflug in Peking der Deutschen Presse-Agentur. 2011 war der kritische Künstler, der auch als "soziales Gewissen" Chinas gilt, bei der Ausreise am Flughafen festgenommen worden, womit seine 81-tägige Inhaftierung begann. Seit seiner Festnahme damals hatten ihm die chinesischen Behörden den Pass vorenthalten.

Großbritannien lehnt Visumantrag ab

Wegen dieser Festnahme verweigerte Großbritannien ihm jetzt ein sechsmonatiges Geschäftsvisum und erlaubt ihm nur einen dreiwöchigen Aufenthalt. In dem Ablehnungsschreiben, das Ai Weiwei auf dem Fotodienst Instagram veröffentlichte, wird ihm vorgeworfen, im Visumantrag falsche Angaben über seine bisherige Straffälligkeit gemacht zu haben. "Es ist öffentlich bekannt, dass Sie früher eine kriminelle Verurteilung in China erhalten haben", heißt es darin.

Chinas berühmtester zeitgenössischer Künstler hob hingegen in einer Reaktion hervor, "niemals wegen eines Verbrechens angeklagt oder verurteilt worden" zu sein. Nach seiner Festnahme ließen sich Vorwürfe wegen Anstiftung zu subversiven Aktivitäten nicht beweisen. So wurden der Firma "Fake Design", die sein Studio betreibt, Wirtschaftsvergehen vorgeworfen. Es gab aber keinen Prozess. Auch ist der 57-Jährige nicht Inhaber der Firma, sondern seine Frau. Nach knapp drei Monaten Haft kam er wieder auf freien Fuß.

Nach eigenen Angaben versuchte Ai Weiwei, den Sachverhalt in Telefonaten mit der britischen Botschaft und den Einreisebehörden zu klären. "Aber die Vertreter bestanden darauf, dass ihre Quellen korrekt seien, und lehnten es ab, eine Fehlentscheidung einzuräumen", hieß es in seiner Mitteilung. Der Künstler wollte zur Eröffnung seiner Ausstellung in der Royal Academy of Arts vom 19. September bis 13. Dezember nach London reisen. Ob er jetzt an der Veranstaltung teilnehmen wird, wurde in der Stellungnahme infrage gestellt.

dpa

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