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Luft nach oben?

Neue Sängerhochburg in der Christuskirche Luft nach oben?

Es tut sich etwas in der Christuskirche. Zwei Jahre nach der Erweiterung des Sakralraums in der Nordstadt zu einem spektakulären Konzert- und Probenort macht sich nun ein neuer Vorstand daran, das hier residierende Internationale Kinder- und Jugendchorzentrum mit Inhalt zu erfüllen.

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„Keiner kann von sich selbst sagen, dass er alles kann“: Kirchenmusikdirektor Lothar Mohn, Musikhochschulpräsidentin Susanne Rode-Breymann, Mädchenchorleiterin Gudrun Schröfel, Vorsitzender Hans Bäßler und Knabenchorleiter Jörg Breiding (von links) vom Vorstand des Chorzentrums in der Christuskirche.

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. „Der Körper ist da“, sagt Susanne Rode-Breymann über den fast abgeschlossenen Umbau, „jetzt muss auch das Blut hineingepumpt werden.“ Dass die Präsidentin der hannoverschen Musikhochschule überhaupt zu dem im Dezember vergangenen Jahres gewählten Gremium gehört, ist schon ein Zeichen für die Ambitionen, mit denen die Verantwortlichen jetzt zu Werke gehen. Einige der wichtigsten Akteure des hannoverschen Musiklebens wollen gemeinsam dafür sorgen, dass das Chorzentrum mehr wird als nur ein Gebäude: Es soll mit zahlreichen Aktivitäten in der Christuskirche und an anderen Orten gewährleisten, dass die Stadt mit ihren zahlreichen Sängern sich auch überregional wahrnehmbar als Chorstadt etabliert. Die Konzentration auf Kinder- und Jugendchöre soll Hannover dabei von anderen Chorstädten wie Düsseldorf, Stuttgart oder Leipzig unterscheiden. „Kinder und Jugendchöre gelten meist als Vorläufer zu ,richtigen’ Chören“, sagt Vorstandsmitglied und Mädchenchorleiterin Gudrun Schröfel. In Hannover sei das umgekehrt. Ausgehend vom „Alleinstellungsmerkmal Jugendchor“ wolle man aber „Chöre aller Couleur“ einladen.

Schon 2008 gab es erste Pläne für das Chorzentrum. Gehört hat man davon seither aber fast nichts. Ein Grund dafür waren die akuten Raumprobleme des Mädchenchores, der seinen bisherigen Probenort im Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium nicht weiter nutzen konnte. Der Umbau der Christuskirche diente daher zunächst dazu, diesem einen Chor ein neues, der Qualität des Ensembles angemessenes Domizil zu bieten.

Auch wenn dieses Ziel bislang erst fast erreicht ist – noch immer fehlen die dringend benötigten Elemente zur Verbesserung der Akustik –, bündeln nun Mädchen- und Knabenchor, die Musikhochschule, der niedersächsische Chorverband und die Musiker der Landeskirche ihre Kräfte, um die Chorszene insgesamt zu stärken. Der neue Vorstandsvorsitzende Hans Bäßler versteht den „ambitionierten Chorgesang“ nämlich als „wesentlichen Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt“ – und hat daher einen Antrag bei der Stadt eingereicht, die bisherige institutionelle Förderung von jährlich 20.000 Euro erheblich zu erhöhen. Außerdem versucht der Vorstand, weitere Mittel für einzelne Projekte einzuwerben.

Susanne Rode-Breymann sieht gute Chancen auf zusätzliches Engagement der Stadt: „Es gibt keinen vergleichbaren Bereich, in dem man so ideal eine Bürgerbeteiligung herstellen kann“, sagt sie. Im Chorbereich lasse sich die Hochkultur wunderbar in die Breite transportieren. „Wo, wenn nicht hier, will sich die Stadt denn als Unesco City of Music einbringen?“, fragt die Hochschulpräsidentin.

Sollte der Antrag Erfolg haben, möchte das Chorzentrum künftig unter anderem im Zweijahresrhythmus ein internationales Festival für Kinder- und Jugendchöre ausrichten. Außerdem soll ein neues Konzertformat entwickelt werden, in dem sich die Chöre der Stadt regelmäßig in der Kirche präsentieren können. Die moderierte Reihe soll außerdem mit kurzen wissenschaftlichen Vorträgen ergänzt werden.

Für die Sänger und Chorleiter der Stadt will das Zentrum regelmäßige Meisterklassen mit internationalen Dozenten veranstalten. „Keiner kann von sich selbst sagen, dass er alles kann“, so Bäßler. Bei allem berechtigten Selbstbewusstsein sei qualitativ bei allen Chören immer noch Luft nach oben. Gleichzeitig sollen die beteiligten Ensembles Patenschaften für einzelne hannoversche Schulen übernehmen. Um das Repertoire für die Zusammenarbeit von Schulchören mit semiprofessionellen Chören zu erweitern, will das Zentrum schließlich Auftragskompositionen für diese spezielle Besetzung vergeben. „In Skandinavien ist so etwas üblich“, sagt Bäßler. Dort habe es zu der in Deutschland allgemein bewunderten Blüte der Chorszene geführt.

Am Sonntag, 19. Juni, präsentieren Solistinnen aus dem Mädchenchor Hannover ihr Programm „Auf Flügeln des Gesanges“ in der Christuskirche. Beginn ist um 17 Uhr im Chorsaal, der Eintritt ist frei.

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