Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Chris Norman rockt das Theater am Aegi

Ex-Smokie-Sänger Chris Norman rockt das Theater am Aegi

Chris Norman hebt bei seinem Auftritt in Hannover die Schranken der Zeit auf: Im Theater am Aegi begeistert er das Publikum mit seiner lässig-professionellen Gitarrenhandhabung, der nach 40 Jahren beinahe unveränderten Stimme - und Selbstironie. 

Voriger Artikel
NDR-Musiker spielen für Flüchtlinge
Nächster Artikel
Plastikmüll für Braunschweig

Chris Norman in Hannover.

Quelle: Insa Cathérine Hagemann

Hannover. Gleich das allererste Stück, „Waiting“ vom neuen Album „Crossover“, macht deutlich, wo wir hier sind: in einem Rockkonzert. Die Akustikklampfe zu Beginn dient nur der Vorfreude, dann geht es ab: laut, fetzig, mit ungeheurem Druck, bei einem im übrigen geradezu brillanten Sound. Und wer auch immer im Saal gedacht hatte, er könnte sein Herz an diesem Abend dem Schrittmacher überlassen, weiß ganz schnell, dass die Taktgeber vorn auf der Bühne stehen. Zumindest für die nächsten knapp zweieinhalb Stunden, denn so lange dauert das Konzert von Chris Norman am Freitag im ausverkauften Aegi.

Chris Norman? War das nicht dieser Schnulzenheini von … Wie hießen sie noch gleich? Irgendwas mit Alice.

Ja ja. Alles Quatsch. Klar, Chris Norman ist der, der damals mit Smokie und „Living next Door to Alice“ einen Welthit hatte. Das Lied war noch nicht mal von ihnen, aber mit Normans Scherbenstimme wurde es 1976 zu dem, was es nun ist: ein Gefühlskonglomerat, in dem Klassenfeten, das Aufbegehren gegen die Eltern und der ganze Schmerz über die Ungerechtigkeit der Welt zusammengeschmolzen sind. Und, klar: Die Band hat auch solchen Schrott wie „Mexican Girl“ aufgenommen und „Hasta la vista“ auf „Then I kissed her“ gereimt, wofür sie geprügelt gehört.

Der ehemalige Smokie-Sänger Chris Norman hat im Theater am Aegi gerockt. 

Zur Bildergalerie

Aber wenn man das alles, sogar mit dem Dieter-Bohlen-Geschmiere namens „Midnight Lady“, heute von Chris Norman und seiner Band (von der man vor allem Gitarrist Geoff Carline hervorheben muss) hört, ist es einfach nur Rockmusik. Wie alles, was Norman nach Smokie gemacht hat, also fast alles. Sauber, geradeaus, und - das ist vielleicht das Geheimnis - mit Augenzwinkern.

Denn was Chris Norman außer einer lässig-professionellen Gitarrenhandhabung und seiner nach 40 Jahren beinahe unveränderten Stimme noch beherrscht, ist: Selbstironie. Er trägt Weiß von Kopf bis Fuß, als hätten wir 1979, und macht sich über seine weißen Hosen lustig. Er nimmt Rockstarposen ein (Faust gereckt, Gitarre wie Maschinengewehr), aber er persifliert es gleichzeitig. Und grinst. Und freut sich. Und die Leute, viele in Normans Alter, also deutlich über 60, wollen alles: die Smokie-Schnulzen, den Rock aus der Zeit danach, den Spaß. Und das bekommen sie. Zum Teufel mit der Bestuhlung, der halbe Saal steht nach zehn Minuten. Gut, dass man sich zwischendurch setzen kann. Aber irgendwann tanzen nahezu alle in den Reihen und den Gängen. Arthrosen? Welche Arthrosen?

„It has just begun“, hat Norman in seinem ersten Song gesungen. Richtig. „Hannover fantastisch Publikum“, sagt er am Schluss. Auch richtig.

Von Volker Hagedorn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Milow spielt im Capitol