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Kultur Christian Decker arbeitet im Schauspielhaus
Nachrichten Kultur Christian Decker arbeitet im Schauspielhaus
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00:19 03.09.2017
Von Uwe Janssen
Musiker im Schauspiel – auf und hinter der Bühne: Christian Decker. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

„Ich habe es nicht drauf angelegt“, sagt Christian Decker. Und: „Ich wollte nicht völlig in die Theaterszene rein.“ Es scheinen ideale Voraussetzungen zu sein, zum musikalischen Leiter des Staatsschauspiels Hannover zu werden. Das ist seit Beginn dieser Spielzeit der Mann, den die meisten Menschen als Bassist von Fury in the Slaughterhouse kennen und ein paar weniger als Musikproduzenten. Als Theatermusiker am Schauspiel mischt er auch schon einige Zeit mit, allerdings war er bislang nur für eine Produktion je Spielzeit verantwortlich.

Den Intendanten überzeugt

Doch die Eindrücke müssen Indendant Lars-Ole Walburg überzeugt haben. „Vielleicht waren es auch die guten Verbindungen, die ich zum Ensemble aufgebaut habe“, mutmaßt Decker. Als Regisseur Florian Fiedler das Haus Richtung Oberhausen verließ und den musikalischen Leiter Martin Engelbach mitnahm, war plötzlich er der neue Mann für die Musik, und er wird es erst mal zwei Jahre bleiben. So lange läuft sein Vertrag, es ist die erste Festanstellung seines Lebens.

Seit Ende seines Musikstudiums 1996 steht der heute 45-Jährige mit Fury auf der Bühne, nebenher hat er in seinem Timetools-Studio in der Nordstadt Musik produziert, unter anderem auch mit Ensemblemitgliedern des Schauspielhauses. Bei Marquess, der Popband seines Bruders Dominik, steht er bei Live-auftritten am Bass. Theater kam dann dazu, für Decker war es immer eine kreative Möglichkeit, „Geld dazuzuverdienen, auf eine stilvolle Art Musik zu machen und mal über den Tellerrand zu schauen. So habe ich mir das gedacht.“ Und dann kam der Vertrag.

"Manchmal sind es auch Einschränkungen, die Kreativität erzeugen"

In diesem Vertrag stehen nun die Tätigkeitsfelder Musiker, musikalischer Leiter, Komponist. Das kann zu ganz unterschiedlichen Ansätzen führen. Mal als Musiker auf der Bühne, mal nur als Songlieferant. Mal mit klaren musikalischen Vorgaben wie bei Marc-Uwe Klings „Känguru-Chroniken“, mal frei in der Gestaltung wie bei „Eine Stadt will nach oben“, das heute Premiere hat.

Das kreative Spielfeld ist groß, was in seinen Augen oft, aber nicht immer hilfreich ist. „Manchmal sind es auch Einschränkungen, die Kreativität erzeugen.“ Was mitunter dazu führe, dass Schauspieler zum Instrument greifen müssten. Von den sängerischen Talenten im Ensemble ist Decker angetan. Da seien „extrem musikalische Menschen“ dabei. Ohnehin treffe er auf Menschen, die „richtig Lust haben, coole Sachen zu machen“.

Für sichtbare Wertschätzung

Selbst auf der Bühne zu stehen, ist für den in Hunderten Fury-Shows erprobten Livemusiker erwartungsgemäß kein Problem. Aber für ihn ist die Präsenz, das Sichtbarsein, mehr: „Es ist eine Art von Wertschätzung, die man erfährt. Ich hätte ein Problem damit, wenn mein Arbeitsbereich unsichtbar wäre.“

Was ihm am Theater im Gegensatz zur Popmusik gefällt, ist die gewissenhafte Vorbereitung, mit, wie er es nennt, „bezahlten Proben“. Das sei in der Popmusik ein Luxus, den sich kaum Bands leisten könnten. „Da bereitet man sich zu Hause vor, um dann möglichst effektiv zu sein.“ Am Theater gehöre das Proben eben zur Tätigkeitsbeschreibung, ein angenehmer Zustand, auch für einen musikalischen Leiter.

Kein Büro im Schauspielhaus

Zunächst wird Decker zweigleisig fahren, denn auch mit Fury geht es in diesem Jahr noch weiter. Die Band hat gerade das Unplugged-Album „Little big world“ veröffentlicht und wird die Songs unter anderem am 1. und 2. November im Kuppelsaal vorstellen.

In vier oder fünf Produktionen der neuen Spielzeit wird Decker die musikalische Feder führen, mehr schaffe man nicht. Den Rest machen externe Künstler. Ansonsten wird er permanenter Ansprechpartner im Schauspielhaus sein. Ein Büro hat er dort nicht. „Aber ich hab’ jetzt ‘n Fach.“

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