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Kultur Christian Quadflieg und das Ensemble Oktoplus in der NDR-Matinee
Nachrichten Kultur Christian Quadflieg und das Ensemble Oktoplus in der NDR-Matinee
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19:44 13.06.2010
Von Rainer Wagner
Oktoplus plus Lesung: Christian Quadflieg rezitiert Goethe. Quelle: Karin Blüher

Es drehte sich (fast) alles um die Liebe. Nur ausgerechnet die Sympathie zwischen den beiden Hauptfiguren der sonntäglichen NDR-Matinee war ungleich verteilt. Während der junge Komponist Franz Schubert den Dichter Goethe verehrte und fleißig vertonte, ignorierte der von seinem Weimarer Olymp aus den jungen Tonsetzer. Er wollte weder Zueignung noch Zuneigung.

Christian Quadflieg verschwieg das nicht, als er im (ausverkauften, aber doch nicht voll besetzten) Kleinen Sendesaal des Landesfunkhauses Texte von Johann Wolfgang von Goethe zwischen die sechs Sätze von Franz Schuberts Oktett schob. Zwingend ist das nicht unbedingt, aber der Schauspieler Quadflieg beruft sich dabei auf die Sprachmelodie(n). Und hatte bei seiner Programmauswahl wohl auch Schuberts Neigung zum ausladenderen Zeitmaß im Hinterkopf. Er packte ein bisschen viel in seine „Best of“-Klassiker-Mischung (die aber auch Raritäten bereithielt). Nur wirkt Lyrik oft als Solitär nachhaltiger. Es ist wie beim Dessertteller: Viel ist schnell zu viel.

Quadflieg ähnelt mit zunehmendem Alter seinem Vater Will Quadflieg in Physiognomie und Statur immer mehr, ist als Sprech- und Sprachmelodiker aber als Bariton doch höher angelegt als der (wenn die Erinnerung nicht trügt) tiefenfundiertere Vater – der zudem die Konsonanten konsequenter zu Zäsuren nutzte. Christian Quadflieg lässt es lieber fließen. Und schwebte so durch den Garten der Gefühle, die von ihm beschworene „Landschaft mit Worten“.

Dem setzte das Ensemble Oktoplus durchaus markante Schubert-Klänge entgegen. Unter dem Namen Oktoplus treten Mitglieder der NDR Radiophilharmonie in wechselnder Besetzung auf: Der gemischte Achter, den Franz Schubert hier fordert, ist noch längst nicht die Obergrenze der Ensemblegröße.

Fast eine Stunde dauert dieses ambitionierte Stück. Und Schubert hat klug darauf geachtet, auch Instrumente, die sonst gerne Füll- und Mittelstimmen liefern, mit kleinen Soli zu versorgen. Da darf dann auch der Kontrabass (Rüdiger Ludwig) Behändigkeit vorführen, hat das Fagott (Malte Refardt) im Menuetto seine Kür. Dass die Klarinette (eloquent: Till Renner) herausgehoben wird, liegt daran, dass Schuberts Auftraggeber einst dieses Instrument bediente. Für Samt sorgt die Hornstimme (Stefanie Kopetschke), für die Seide das Streichquartett rund um Primaria Julia-Maria Kretz.

Das hatte Farbe und Format, vereinte Spielfreude und Witz. Und die Einleitung des Schlusssatzes geriet zu einem Minidrama, das auch nach reichlich zwei Stunden Matineedauer noch für Spannung sorgte.

Herzlicher Beifall für Musiker und Mimen.

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