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Kultur Ehrung für den Meister des Stilbruchs
Nachrichten Kultur Ehrung für den Meister des Stilbruchs
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02:15 22.01.2016
Werke des Malers und Performance-Künstlers Christian Riebe. Quelle: Galerie Falkenberg
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Hannover.

„Liberté, Verité, Justice“ steht auf dem Gemälde, der sozialutopische Dreiklang von Freiheit, Wahrheit, Gerechtigkeit - wie gemacht, um bei der Sozialdemokratie auf Wohlgefallen zu stoßen? Tatsächlich wird dieses Werk mit dem merkwürdigen Titel „Aus der autonomen Zone“ an diesem Abend im Sprengel-Museum gezeigt, weil hier sein Schöpfer den SPD-Kunstpreis erhält. Doch nichts liegt Christian Riebe ferner, als eingängige Botschaften zu proklamieren. Er ist vielmehr ein Meister des intelligenten Stilbruchs, der die Brüche und Widersprüche der Wirklichkeit in seinen Werken auf surreale Weise zusammenfügt.

Nach Begrüßungsworten von SPD-Fraktionsvize Petra Tiemann und von Reinhard Spieler, dem Direktor des Sprengel-Museums, würdigt Kunstprofessor Siegfried Neuenhausen den Preisträger als "Grenzgänger zwischen Kunst und Leben" sowie als Künstler "mit einem Hang zum opulenten dadaesken Gesamtkunstwerk".

Tatsächlich zählen zu den künstlerischen Ausdrucksformen des 52-Jährigen, der den zum 27. Mal vergebenen Kunstpreis erhält, neben der Malerei auch Performance und (Selbst-)Inszenierung. Schon 1994 hat er im Sprengel-Museum eine "Revue anarchiste" aufgeführt. Und über Kunstkreise hinaus hat er in Hannover Aufmerksamkeit erlangt, als er vor zehn Jahren auf Litauens früheren Expo-Pavillon den Schriftzug „Hannover muss vollständig zerstört werden“ auftrug. Riebe versteht sich überdies als Teil jener Künstlervereinigung namens „Local Fist“, die eine „postkapitalistische Alltagskultur“ propagiert.

Performancecharakter verleiht Riebe auch dem Abend der Preisverleihung. "Quälen Sie sich nicht mit Deutungen - denn diese Arbeiten sind mit großer Mühe so konstruiert, dass sie keine Deutungen zulassen", sagt Riebe im Anschluss an Neuenhausen - und  fügt trotzdem hinzu: "Kunst soll den Alltag nicht erklären oder optimieren, sondern ihn bekämpften." Wie für diesen Kampf begibt er sodann sich an den E-Bass der Performance-Gruppe „Kleine Schwester“. Die bietet sodann eine merkwürdige Musikmelange – quer zu gängigen Stilen, Themen und Traditionen. Also fast so etwas wie das akustische Pendant zur surreal anmutenden Malerei des Kunstpreisträgers.

In  „Aus der autonomen Zone“ etwa nimmt Riebe die Vision von Charles Fourier, dem utopischen Sozialisten des 19. Jahrhunderts auf, zeigt darüber Lampen, Schlote und eine Brücke des Industriezeitalters und dazwischen eine Figur mit dem roten Dreieck, das die Kommunisten im KZ tragen mussten – ein Abgesang auf alle Fortschrittshoffnungen und damit doch eine Botschaft? „Wenn Sie belieben“, sagt Riebe und fügt sibyllinisch lächelnd hinzu: „Ich bin ein großer Fan der Beliebigkeit, denn die verschafft uns kreativen Spielraum.“

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Werke des Malers und Performance-Künstlers Christian Riebe.

Von Daniel Alexander Schacht

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