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Nachrichten Kultur Commedia Future feiert in der Eisfabrik
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12:46 27.04.2012
Die Brüder Wolfang (links) und Peter Piontek formten die Commedia Futura zu einem modernen Theater. Quelle: Martin Steiner
Hannover

Man kann sich die erste Generation dieser Theatergruppe ganz gut vorstellen. Anfang der achtziger Jahre treffen sich Tänzer, bildende Künstler und Schauspieler in einer alten Hutfabrik an der Langen Laube und proben auf nur 150 Quadratmetern mal eben für ein neuartiges Theater, das konventionelle Rahmen sprengen will. Das technische Equipment borgen sie sich von Freunden, Bühnenbilder basteln sie in privaten Wohnungen, man hangelt sich von Projekt zu Projekt. Und doch entsteht aus dem Chaos etwas Neues. Die Mischung aus Körpertheater, Tanz und Performance in Produktionen wie „Das Geheimnis“, oder „Das Traumkissen“ irritiert und begeistert zugleich. Die Lust am Spiel legt Energien frei, die die Gruppe schließlich weit über Hannover hinaus bekannt machen. Am Montag feiert Commedia Futura 30-jähriges Bestehen.

„Eine Truppe“, nennt deren Gründer Wolfgang A. Piontek heute die damaligen Visionäre, und er hat dabei ein Lächeln auf den Lippen. In den Anfängen habe es sich um „eine anarchistische, produktive Zelle“ gehandelt, die mal im Pavillon, dann im Musiktheater Bad und seit 1987 auf dem Gelände der Eisfabrik in der Südstadt agiert habe, sagt Piontek. Heute sitzt er zwischen gut sortierten Aktenordnern in einem hellen Büro. „Wir waren eine wilde Mischung von Leuten, die basisdemokratisch diskutierten, ob die Bewegungselemente oder die Sprechrollen der Schauspieler im Vordergrund stehen“, erinnert er sich. Zwischen Hühnerstall und Fahrradwerkstatt verwirklichten sie dennoch ihren Traum: ein eigenes Theater. „Wir spielten mit enormem Einsatz. Wir lebten Mythen und Kindheitsträume“, sagt Piontek. „Erst später sagte man uns, dass wir da postmodernes Theater machen, Cross-over. Das war uns selbst gar nicht so klar.“

Commedia Futura und die Eisfabrik stehen heute für moderne Theaterkultur. Mit Felix Landerer ist einer der international besten Choreografen dabei. Mehr als 50 Eigenproduktionen sind entstanden. Nur die Geldsorgen aus den frühen Tagen sind geblieben. „Als ich 1991 dazukam, bin ich auf kein gewöhnliches Ensemble gestoßen“, erinnert sich der damalige Journalist  und heutige Dramaturg Peter Piontek, der Bruder von Wolfgang Piontek. „Das war ein Haufen von Menschen, die Stoffe spielten, von denen sie selbst ergriffen waren. Diese Unmittelbarkeit hat mich gepackt.“ Nur um die Finanzierung habe man sich damals nur bedingt gekümmert. Zudem meldete sich das Bauamt und forderte Fluchtwege, Feuerlöscher, Verantwortung für die gesamte Eisfabrik. Die Brüder reagierten und schafften aus eigener Kraft einen professionellen Veranstaltungsbetrieb – und kämpfen dennoch bis heute um jede Förderung.

„Wir bekommen etwa 47.000 Euro im Jahr, im Vergleich mit anderen freien Theatern in Deutschland ist das nicht viel“, sagt Wolfgang Piontek, der die Zukunft des Theaters gefährdet sieht, wenn Stadt und Land nicht reagieren. „Die Eisfabrik ist einer der attraktivsten Theaterorte in Niedersachsen, eine Hochburg des Tanzes, eine bunte Enklave samt Musikstudios und Ateliers in der Südstadt“, sagt Peter Piontek. Sie habe es verdient, dass sie zum 30-jährigen Bestehen endlich auch finanziell jene Würdigung erfahre, die sie sich künstlerisch längst erarbeitet habe.

Aber zunächst möchten die beiden Brüder feiern: 30 Jahre Commedia Futura, 25 Jahre Eisfabrik. Am Montag, 30. April, sind alle Wegbegleiter und Theaterinteressierte zum „Tanz in den Mai“-Fest mit Musik von DJ Ferry Ghods ab 22.30 Uhr eingeladen. Der Eintritt kostet 5 Euro.

Jan Sedelies

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