Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Dänen lügen nicht

Tina Dico im Pavillon Dänen lügen nicht

Die dänische Sängerin hat am Freitagabend ihr neues Album "Whispers" (Geflüster) vor 600 Fans im Pavillon vorgestellt. Und ein paar heimliche Hits aus zehn Jahren. Eine Konzertkritik von HAZ-Redakteur Volker Wiedersheim.

Voriger Artikel
Was der Unesco-Titel für Hannover bedeutet
Nächster Artikel
Tocotronic in Bestform

Alleinunterhalterin mit viel Equipment: Tina Dico im Pavillon.

Quelle: Michael Wallmüller

Hannover. Wer flüstert, lügt. Sagt der Volksmund. Aber das ist glatt gelogen, wenn Tina Dico der Maßstab ist. Die dänische Sängerin hat am Freitagabend ihr neues Album "Whispers" (Geflüster) im Pavillon vorgestellt. Und ein paar heimliche Hits aus zehn Jahren. Etwa "Someone You Love", "One", "Drifting" zählen zur ersten Kategorie, "Count to Ten", "Sacre Coeur", "True North" sind heimliche und echte Hits aus dem Kofferraum ihrer Biografie.

Songs voller Wahrheiten. Eisberg-Wahrheiten über die Liebe und das Meer. Jede davon hat einen offensichtlichen Teil und einen weiteren, manchmal kolossal bedrohlichen, der tief unter die Wasseroberfläche reicht. Ein Soundtrack für emotionale Tiefseetaucher. Keine überraschung: Dänin Dico zieht oft um, Arhus, Kobenhagen, London, jetzt ist sie in Island zu Hause, Reykjavik, nah am Strand, vor dem Fenster: Eisberge. Hinterm Haus: Vulkane und Geysire. In manchen Liedern klingt das durch, man muss nur genau zuhören.

Und Hannover hört bei Dicos erstem Besuch in der Stadt sehr genau zu. Man will ja keinen Ton verpassen. So still, geradezu intim kann's mit 600 Gästen im ausverkauften Pavillon sein. Atem anhalten in den leisen Passagen. Wenn's groovt, wird mit den Fingern geschnippt. Das Klatschen wird aufgespart für die Momente, in denen die Elfe mit der Gitarre und der Riesenstimme, die da allein auf der Bühne sitzt, auch noch eine Basedrum tritt. Und für den Schluss. Beim Song "No Time to Sleep" verlässt Dico die Bühne und dreht ohne Mikrofon singend eine Runde durch den Saal. Je leiser, desto wahrhaftiger.

Otto Waalkes hatte recht: Dänen lügen nicht. Selbst wenn sie flüstern.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Milow spielt im Capitol