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Kultur „Danach ist man glücklich“
Nachrichten Kultur „Danach ist man glücklich“
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00:00 31.03.2017
Henning Hartmann Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Herr Hartmann, Sie haben eine Video-Blitzeinführung zu „Die Brüder Karamasow“ gemacht; eine knappe Inhaltsangabe zum Stück fällt Ihnen jetzt bestimmt leicht, oder?

Nicht wirklich. Sich kurz zu fassen braucht immer besonders viel Vorbereitungszeit, finde ich. An dem Text und Konzept für die Blitzeinführung saß ich mehrere Stunden. Bei Dostojewski tut sich ein riesiger Kosmos auf. Es ist ein wuchernder, komplexer, reichhaltiger Stoff.

Wagen Sie trotzdem einen Versuch? Was sind für Sie zentrale Themen des Stückes?

Die äußere Handlung von Dostojewskis großem Roman ist eine Kriminalgeschichte um die drei Brüder Dmitrij, Alexej und Iwan und den Mord an ihrem tyrannischen Vater. Doch für diese Handlung bräuchte man keine tausend Romanseiten. Interessant ist die geistige Ebene, die dazukommt, die Fragen nach Gott und Moral: Gibt es einen Gott oder nicht? Und wenn es ihn nicht gibt, wie kann man dann moralisch sein? Wenn man keine absolute Größe wie Gott mehr hat, auf welcher Grundlage soll man dann gut und moralisch handeln? Was ist überhaupt Moral? Ich finde, das sind nicht nur gute, sondern auch hochaktuelle Fragen.

Wie ist es für Sie als Schauspieler, in dieser fünfstündige Produktion mitzuspielen?

Wir spielen „Die Brüder Karamasow“ alle wahnsinnig gerne und freuen uns jedes Mal darauf, wenn es wieder ansteht. Gleichzeitig ist es natürlich ein extrem anstrengender Abend für uns. Das ist vielleicht so ähnlich wie ein Fußballspiel mit Verlängerung: Danach ist man total kaputt, aber glücklich.

Das Ensemble hat also Spaß an der Produktion. Und die Zuschauer? Warum sollte man sich diesen Theaterabend ansehen?

Dieser Abend ist eine theatralische Maßlosigkeit, die Freude macht! Man ist als Zuschauer zwar stark gefordert, gewinnt aber dadurch gleichzeitig ein ganz anderes Erleben. Man muss diesen Theaterabend einfach erlebt haben: Er ist maßlos, zu lang, zu laut, zu hell, zu dunkel, aber - man kann es nicht anders sagen - einfach geil.

Welche ist Ihre persönliche Lieblingsszene an dem Abend?

Eine Szene, die in Dostojewskis Roman so explizit gar nicht vorkommt: Ich als Lebemann Dmitrij hole aus praktischen Gründen den Jesus vom Kreuz, und Günther Harder als mein sehr gläubiger Bruder Alexej flippt total aus. Er versucht, den Jesus wieder ans Kreuz zu kriegen. Dann entspinnen sich zum einen eine herrliche Improvisation zwischen uns beiden und zum anderen ein inhaltlicher Diskurs darum, warum Jesus eigentlich am Kreuz hängen muss. Das ist für mich eine sehr reizvolle Szene, sowohl spielerisch als auch inhaltlich.

Diese Szene spielt mit christlichen Symbolen, und während die einen darüber lachen können, fühlen sich andere vielleicht unwohl damit. Der Slogan „Schöner kreuzigen!“ ist ähnlich kontrovers, und es gab dazu Beschwerdebriefe. Wie stehen Sie zu diesem Titel?

Ich kann durchaus verstehen, wenn man dem Titel kritisch gegenübersteht. Natürlich ist es ein Hingucker, der neugierig macht. Aber ich respektiere auch, wenn man davon irritiert ist oder sich daran stört. Es ging mir selbst anfangs ähnlich.

Interview: Janina Martens

 

Die Lange Karamasow- Osternacht

Am Ostersonnabend, 15. April, beginnt sie um 18 Uhr mit einem Begrüßungsdrink. In der Pause gibt es ein russisches Büffet und Wodka-Tasting. Nach der Vorstellung wird ein Osterfeuer im Theaterhof entzündet. Danach steigt in der Cumberlandschen Galerie eine echte Russendisco mit dem Datscha Kollektiv. Karten 35 Euro, erm. 25 Euro, Studierende 15 Euro.

Henning Hartmann, geboren 1979 in Darmstadt und seit der Saison 2010/11 festes Ensemblemitglied am Schauspiel Hannover, verkörpert in „Die Brüder Karamasow“ den ältesten Bruder und Lebemann Dmitrij. Für alle, denen Dostojewskis Roman zu lang und Wikipedia-Zusammenfassungen zu langweilig sind, hat er eine zweiminütige, unterhaltsame Video-Einführung ins Stück entwickelt.

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