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Kultur Soloauftritte vergeigt – und trotzdem ein großer Abend
Nachrichten Kultur Soloauftritte vergeigt – und trotzdem ein großer Abend
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00:25 27.02.2018
Daniel Hope und das Züricher Kammerorchester im Funkhaus. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

 Es gibt viele Gründe, den Geiger Daniel Hope zu lieben. Er ist ein kluger Musiker, der mehr als die meisten seiner Kollegen darauf achtet, ungewöhnliche und schlüssige Programme zusammenstellen. Er kann Musik und ihre Hintergründe erklären, ist eloquent und charmant und hat niemals Scheu, sein Publikum anzusprechen: So kommt man ihm schnell näher als anderen Solisten. Zudem ist Hopes Biografie umstellt von legendären Figuren: Bei dem Jahrhundertgeiger Yehudi Menuhin ist der heute 44-jährige gleichsam aufgewachsen, und sein erstes großes Engagement hatte er 2002 als Geiger des altehrwürdigen Beaux Arts Trios an der Seite des Pianisten Menahem Pressler. Hope ist inzwischen Geigensolist und Kammermusiker, Festivalmacher, Orchesterleiter, Autor und Moderator. Er macht und kann sehr viel – da ist es kein Wunder, wenn manchmal etwas gründlich schief geht.

Bei seinem Pro-Musica-Auftritt im seit Langem ausverkauften Funkhaus konnte man nun die Licht- und Schattenseiten des Geigers kennenlernen. Gemeinsam mit dem Züricher Kammerorchester, das er seit 2016 als Musikdirektor leitet, hat er sich entsprechend dem Titel seines neuen Albums auf eine „Reise zu Mozart“ gemacht: Neben dessen Violinkonzerten sind auch ältere Komponisten im Programm vertreten, die Mozart vermutlich beeinflusst haben. In Hannover beginnt diese Reise in der Oper – bei Christoph Willibald Gluck und seinem „Tanz der Furien“, der laut Hope mit seiner ungestümen rhythmischen Kraft seinerzeit Furore gemacht hat: Die Damen, so der Geiger, seien damals reihenweise in Ohnmacht gefallen. 

In Hannover kommt es dazu nicht, aber die Stimmung im Publikum ist von Beginn an gut und steigert sich von Stück zu Stück. Am Ende stehen fast alle im Saal von den Sitzen auf und applaudieren begeistert. Bei der vierten Zugabe des inzwischen gut zweieinhalbstündigen Konzertes passiert dann etwas Besonderes: Hope stimmt ganz alleine das „Wiegenlied“ von Johannes Brahms an, das er gleich darauf variieren will – aber da haben die Zuhörer im Saal schon unaufgefordert angefangen, das Lied leise und innig mitzusingen: „Guten Abend, gut’ Nacht“ – ein Gänsehautmoment für alle vor und auf der Bühne.

Im regulären Programm konnte Hope vor allem als Konzertmeister des Züricher Kammerorchesters überzeugen. Mozarts mit viel Esprit angegangene 29. Sinfonie tönt wunderbar leicht, und auch sein oft unter Langweiligkeitsverdacht stehendes F-Dur Divertimento wird hier zum funkelnden Kleinod. 

Umso größer ist der Kontrast, wenn Hope als Solist auftritt: In Haydns G-Dur-Konzert und im zugegebenen Sommerregen aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ kann man einige nicht ganz getroffene Töne und unscharfe Läufe fast noch überhören. Mozart aber kennt keine Gnade. In seinen Werke treten schon kleine Schwächen eines Solisten unerbittlich klar zu Tage. Und Hope ist an diesem Abend mit dessen G-dur-Konzert hoffnungslos überfordert: So unsauber und fehlerhaft dürfte das Stück sonst kaum öffentlich zu erleben sein.

Natürlich hören das auch die vielen Klassikkenner im Funkhaus. Dass sie sich aber kaum daran stoßen, gibt zuverlässiger Auskunft über Daniel Hope als dessen schwankende technische Fähigkeiten. Der Geiger hat einen starken musikalische Willen und eine unwiderstehliche Bühnenpräsenz. Mit diesen Eigenschaften gelingt ihm, was eigentlich unmöglich ist: Er macht aus einem vergeigten Auftritt einen großen Abend.

Am 18. März ist die Geigerin Hilary Hahn zu Gast bei Pro Musica. Gemeinsam mit den Houston Symphony Orchestra unter Leitung von Andrès Orozco-Estrada spielt sie Werke von Leonard Bernstein. Außerdem steht Dvoráks 7. Sinfonie auf dem Programm. Karten unter Telefon: (05 11) 12 12 33 33.

Von Stefan Arndt

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