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Kultur Das Bayerische Junior Ballett München eröffnet die Oster-Tanz-Tage  
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00:20 31.03.2018
Das Bayerische Junior Ballett München tanzt „Bilder einer Ausstellung“ Quelle: CharlesTandy
Hannover

 Der rote Gesteinsbrocken vorn an der Bühnenrampe zieht alle Blicke auf sich. Dann beginnt er sich sehr langsam zu bewegen. „Bilder einer Ausstellung“, Mussorgskys Musik von 1874, entfacht am ersten der Oster-Tanz-Tage in den Köpfen der Zuschauer zwar auch die Bilder, die Mussorgskys Malerfreund Viktor Hartmann malte und dem der russische Komponist im Jahr nach dessen Tod huldigt, mehr noch aber lässt die Musik nicht zuletzt dank Susanne Stehles Kostümen an andere Beispiele aus der Kunstgeschichte denken: Picassos Harlekin, Boteros Fullsize-Damen, Pollocks Punkte, ein Jeff Koons’scher Osterhase, sie alle finden einen expressiven Bewegungsraum in dieser Choreografie, die Ivan Liška, der Leiter des Bayerischen Junior Balletts München, zusammen mit dem Ballettmeister des Bayerischen Staatsballetts Norbert Graf und dem früheren Tänzer und Ballettmeister von William Forsythe Aymen Harper entwickelt hat.

Mussorgskys Klavierpartitur klingt eher ansatzweise an, der große Rest fügt sich aus exotischen Anverwandlungen mit Harfe, Marimba und Emerson Lake & Palmer. Überraschend, musikalisch wie tänzerisch, sind auch die anderen drei Choreografien, mit denen das Münchner Ensemble antritt. Dürfen für die bizarren „Bilder einer Ausstellung“ alle zwölf Tänzer mit ihrem Talent wuchern, so genügen für Nacho Duatos „Jardi Tancat“ drei Paare. Mit ihrem tiefen, beklemmenden Bücken, mit ihrem explosiv nach hinten gebeugten Oberkörper machen die sechs Tänzer diesen „Jardi Tancat“, diesen Geschlossenen Garten, sichtbar. Ein Gefängnis für den Geist, der sich nach Ausbruch sehnt, inmitten katalanischer Märchenlieder, die Maria del Mar Bonet singt.  

Zwei extrem gegensätzliche Tanzstücke folgen nach der Pause. Zunächst „Der Zar will schlafen“. Aus der Musik von Prokofiews Suite „Leutnant Kijé“ von 1934 kristallisieren die beiden tschechischen Choreografen Ondrej Vinklát und Stepàn Pechar eine drollige Satire über einen zackigen Kavallerieleutnant. Im Traum piesacken den Befehlshaber rotzfreche Kobolde. Schnarchen im Spagat, das ist ein unvergessliches Bild.

 Als Rausschmeißer folgen drei Preludes von George Gershwin, deren Synkopen und Rumbarhythmen kein geringerer als Richard Siegal, der vielfach ausgezeichneten „Bakery“-Gründer“, von drei Männern und einer Frau tänzerisch zerlegen lässt. 

 Traditionell darf bei den Oster-Tanz-Tagen das Publikumsgespräch nach der festlichen Aufführung nicht fehlen. Diesmal mit Ivan Liška, den Ballettchef Jörg Mannes zu dieser 2010 gegründeten Junior Company befragt. Ja, dieses „Sprungbrett“ sei ungemein wichtig, denn „man kann beim Training alles richtig machen und versagt doch auf der Bühne“. Zur Begrüßung hatte Liška das Publikum in der ausverkauften Staatsoper aber schon auf seiner Seite, als er nämlich Hannover als „Pilgerziel“ deklarierte – für all die Talente, die Ende Juni wieder zum Internationalen Choreographenwettbewerb anreisen.

Heute bei den Oster-Tanz-Tagen: „Nijinski“ von Marco Goecke, der 2019 hannoverscher Ballettdirektor wird (im Schauspielhaus); am Karfreitag ist Sasha Waltz’ Choreografie „Körper“ im Opernhaus zu sehen.

Von Alexandra Glanz

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