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00:26 12.09.2014
Menschliche Muckibude: Szene aus „Not Punk, Pololo“. Quelle: AMMERPOHL THOMAS
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Nach einer Viertelstunde hat man es raus. Irgendwann fängt das Bühnenlicht an zu flackern, dann wird es dunkel, hell, noch einmal dunkel, und dann scheint eine ganze Batterie von Scheinwerfern so gleißend direkt ins Publikum, dass man nicht nur geblendet, sondern auch gewärmt wird. Alle zehn Minuten geht das so, die Lichtregie hat auf Autopilot gestellt und Feierabend gemacht. Was auf der Bühne passiert - dem Licht ist es egal. Aber was da auf der Bühne der Orangerie Herrenhausen passiert, scheint sowieso nicht passend beleuchtbar zu sein. Und schon ist man mitten im Stück „Not Punk, Pololo“ des Duos Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen. Es ist chaotisch, wild, schräg. Und es ist laut, wenn auch nicht so laut, wie zu befürchten war. Dass am Eingang Ohren-stöpsel ausgegeben werden, kommt beim Tanztheater ja nicht so oft vor.

Eigentlich hat das Stück gar nicht so viel mit Tanz zu tun. Es sind auch Tänzer auf der Bühne, sie bewegen sich oft eher intuitiv als einer strengen Choreografie folgend. Aber es sind auch Schauspieler und Musiker dabei. Ein Teil des Abends ist von ivorischer Straßenkultur beeinflusst - der Pololo-Bewegung, die sich nach dem ivorischen Verbrecher John Pololo benannt hat - laut, hart, körperlich, aggressiv. Die Musiker, auf einer fahrbaren Kleinbühne mit Spiegelhintergrund, mischen Weltmusik mit elektronischem Gefiepe, Techno und Gitarrenkrach. Dazu werden Texte zur Popkultur rezitiert und Parolen gerufen. Ted Gaier von den Goldenen Zitronen zupft tiefe Basstöne.

Der Liedermacher Hans Unstern, der sich sonst kritisch mit der Heteronormativität des Musikgeschäfts auseinandersetzt, spielt auf einem harfenähnlichen Saiteninstrument. Ein stiller Moment, man empfindet ihn schon deshalb als schön.Diese Stück will mit Konventionen und Erwartungen brechen, manchmal klappt das auch. Vielen steht die Frage auf der Stirn: Ist das jetzt genial oder Kunstkacke? Einige Zuschauer gehen. Ihre Plätze verlassen viele Besucher, weil das Ensemble sie auf die Bühne holt und den im Saal verbliebenen Gästen den Blick auf das Geschehen durch Plastikwände versperrt. Als wieder freie Sicht ist, können sich die Publikumsgruppen über die gewohnheitsbrechende Performance hinweg gegenseitig beobachten. So von Metaebene zu Metaebene.

Nach 90 Minuten ist Schluss. Die Akteure schwitzen. Viele Zuschauer jubeln. Andere schütteln den Kopf. Draußen ist Ruhe. Auch ohne Ohrenstöpsel.

Heute um 20 Uhr: The Vertigo Dance Company mit „Vertigo 20“ in der Orangerie. Infos: (05 11) 16 84 12 22.

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