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00:22 14.06.2018
Das Junge Sinfonieorchester Hannover mit Dirigent Tobias Rokahr und Solistin Johanna Krödel. Quelle: Claus-Ulrich Heinke
Hannover

100 Minuten Musik mit 100 Orchesterleuten, 60 Kindern im Chor und dazu noch eine Solistin – das Ganze geleitet von einem hoch kompetenten Dirigenten. Dieses musikalische Großereignis konnte man im großen Sendesaal des NDR erleben. Das Junge Sinfonieorchester Hannover hatte sich für sein Sommerkonzert an die 3. Sinfonie von Gustav Mahler gewagt – und gewonnen.

Mit diesem Werk, das alle bis dahin geltenden symphonischen Konventionen sprengte, wollte Mahler die Entwicklung des Kosmos in Klänge fassen. Die Aufführung des JSO zeugte von einer detaillierten Probenarbeit. So konnte sich das in allen Stimmregistern beachtliche Leistungspotenzial entfalten. Vom ersten bis zum letzten Ton hielt der auswendig und präzise dirigierende Tobias Rokahr nicht nur das junge Riesenensemble in ungeteilter Konzentration. Seine Interpretationskraft übertrug sich auch aufs Publikum. Selbst in den Pausen zwischen den Sätzen herrschte atemlose Stille im Saal.

Eine Klasse für sich waren die 35 Minuten des ersten Satzes. Mit sicherem Sinn für Mahlers philosophische Gedanken legte der Dirigent die Klangschichten der komplexen Partitur frei, die den Einzug des Lebens in die starren Leere der Urmaterie schildert. So wurde diese gigantische Marschmusik ein tief berührendes künstlerisches Erlebnis. Spielfreude, satte Klangentfaltung, Genauigkeit im Detail und Verständnis für den Humor und die Symbolkraft der musikalischen Bilder von Blumen und Tieren machten die beiden folgenden Sätze zum Hörvergnügen.

Das Erscheinen des Menschen findet Gestalt in der Einfügung des Altsolos „O Mensch! Gib acht!“. Johanna Krödel spürte dieser traumverlorenen Nachtszene aus Friedrich NietzschesZarathustra“ in ihrer schwebenden Ambivalenz zwischen Resignation und Hoffnung mit weich geführter Stimme und feinem Ausdruck nach.

Schließlich durften die 60 Kinder mit ihren frech und frei gesungenen „Bimm bamm“ das Lied „Es sungen drei Engel“ aus „Des Knaben Wunderhorn“ einleitet. Da Mahler in diesem Satz die Geigen verstummen lässt, wanderten die jungen Streicherdamen beherzt hinauf zum Chorpodest und lieferten dort eine reife Frauenchor-Leistung ab. Chappeau!

Das letzte große Adagio ließ Rokahr zu einem bewegenden Gesang voll inneren Friedens aufblühen. Mahlers Gedanken wurden musikalische Gestalt: „... ich könnte den Satz auch nennen ,Was mir Gott erzählt’. Und zwar eben in dem Sinne, als ja Gott nur als ,die Liebe’ gefasst werden kann.“

Nach ergriffenen Schweigen erhob sich das Publikum geschlossen binnen weniger Sekunden, und die konzentrierte Spannung entlud sich in jubelndem Beifall.

Von Claus-Ulrich Heinke

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