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Kultur Richard Egarr und die Radiophilharmonie
Nachrichten Kultur Richard Egarr und die Radiophilharmonie
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00:20 13.06.2018
Die NDR Radiophilharmonie mit den Solisten Kathrin Rabus, Kerstin Ingwersen, Uwe Grothaus und Nikolai Schneider in der Orangerie Herrenhausen. Quelle: Micha Neugebauer
Hannover

Man mag sich - Richard Egarr und die NDR Radiophilharmonie. Doch wie war das vor gut drei Jahren? Da starteten der britische Dirigent und das Orchester im Ring Barock eher mühsam die Aufführung der vier Orchestersuiten von Bach. Diesmal jedoch ging es gleich energiegeladen mitten hinein in die Klangwelt von Bachs 1.Brandenburgischen Konzert F-Dur. Die Hörner bliesen virtuos zur Jagd, die Oboen jubilierten und die Streicher durften bisweilen in der Polonaise so kräftig hinlangen, als gelte es Pauken zu ersetzen.

Richard Egarr (Chef der in Cambridge ansässigen Academy of Ancient Music) zeigte, wofür er oft gerühmt wird: Er ist Motivator, Anstifter und immer auch Mittäter. Wenn er etwa vom Cembalo aus dirigiert, hält es ihn kaum auf dem Hocker. Er zeigt sich als Mann mit Lust auf musikalische Abenteuer. Begeisternd und fast begierig nimmt er seine Musiker mit auf musikalische Erkundungen, egal ob als Cembalist, Dirigent oder schließlich auch als Choreograf. „Folgt mir“, zeigt Egarr mit Vergnügen an, bevor er sich vor dem Publikum verbeugt, also verbeugt sich das ganze Orchester.

Der Brite kann seinen Musikern, wie in Haydns Sinfonia concertante B-Dur, aber auch Vortritt und Spielräume lassen. Entsprechend konnten Kerstin Ingwersen (Oboe), Uwe Grothaus (Fagott), Kathrin Rabus (Violine) und Nicolai Schneider (Violoncello) nicht nur als Solisten einzeln brillieren sondern ihre Soloparts auch gemeinsam zelebrieren. Die vier Solisten der Radiophilharmonie wurden zum Glücksfall: so technisch perfekt, transparent und charmant gespielt, hört man die „Concertante“ selten. Nur die Solokadenzen hatten einen Haken. Leider gingen sie jeweils irgendwann zu Ende – doch jedes Mal hätte das Hörvergnügen auch länger dauern dürfen.

Zum Trost gab es aber noch Henry Purcells Suite aus „King Arthur“ und Mozarts Sinfonie Nr.33 B-Dur KV 319. Das war jeweils spannend und gespickt mit Effekten: energiegeladen, zart, humorvoll, transparent und prachtvoll. Und das Publikum? Das lechzte im warmen Galeriegebäude nach zwei Stunden Musik keineswegs nur nach frischer Luft und Abkühlung – die lautstarke Begeisterung zeigte, dass man eigentlich noch nicht genug hatte.

Von Günter Helms

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