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Kultur Das Landesmuseum präsentiert seine Pläne für 2018
Nachrichten Kultur Das Landesmuseum präsentiert seine Pläne für 2018
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00:16 15.01.2018
Erhellend: Leuchthering aus der Präparatesammlung des Kieler Geomar-Instituts. Quelle: Landesmuseum Hannover
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Hannover

 „Wir sind sehr an einer internationalen Aufstellung des Landesmuseums interessiert“, sagt Katja Lembke – und in ihrer Bilanz des vergangenen Jahres nennt die Chefin des Hauses schon Symptome für ein Gelingen dieses Vorhabens, das sie auch künftig weiterverfolgen will. 

Mit guten Gründen, sagt Lembke bei ihrem Rückblick auf 2017, den sie der Vorschau auf das neue Jahr voranstellt, habe nicht nur die noch laufende Ausstellung „Silberglanz“ des Landesmuseums über die Kunst des Alters überregionale Wahrnehmung gefunden, weil sie sich eben einem Thema widme, dem in Zeiten demografischen Wandels wachsende Aktualität zukomme. Schon die vorangegangene Kolonialgeschichtsschau „Heikles Erbe“ habe zurecht bundesweit Resonanz gefunden. „Schließlich ist das Landesmuseum Vorreiter bei der Erforschung der Kolonialbestände in der eigenen Sammlung“, sagt die Direktorin bei der Präsentation der Museumspläne für 2018 – und folgert: „Das Landesmuseum Hannover hat sich zu einem großen kulturellen Faktor in der Bundesrepublik entwickelt.“ Und diese gewachsene Bedeutung schlage sich auch in einem steigenden Publikumszuspruch nieder – immerhin 115.000 Besucher wurden 2017 verzeichnet, etwas mehr als im Vorjahr (113.000). 

Im laufenden Jahr soll das Museum, passend zum Anspruch seiner Direktorin, auf Forschungsebene weiter vernetzt werden und einen Ausstellungsreigen bieten, der von ausgreifenden Ausflügen in die Kunsthistorie über Naturbilder bis zu Tiefseeexpeditionen in mehrerem Sinne und teils auch im Wortsinn Licht ins Dunkel bringt: 

Die Tiefsee: Als erste neue Ausstellung folgt auf das Ende der „Silberglanz“-Schau in den Kunstwelten (am 18. Februar) am 2. März in den Naturwelten diese Präsentation von „Leben im Dunkeln“. „Nur etwa fünf Prozent der Meereswelten, die 60 Prozent der Erdoberfläche ausmachen, sind schon erforscht“, sagt Kuratorin Andrea Spautz. „Da sind also noch echte Entdeckungen zu machen.“ Gezeigt werden unter anderem Exponate, die das Geomar-Helmholtz-Zentrum in Kiel dem Landesmuseum Hannover als Schenkungen hat zukommen lassen – Gläser mit Präparaten von gut 20 Tiefseefischen, darunter so bizarre Wesen wie der Viperfisch, der großmäulige Pelikanaal oder auch der seine Beute mit Licht anlockende Laternenfisch. Und wie erhellt man Phänomene, die sich in lichtloser Tiefe ereignen? Neben dem Geomar hat das Museum als Partner die Fachhochschule Hannover gewonnen, die 3-D-Animationen des Tiefseelebens erarbeitet, und per 3-D-Drucker werden auch überlebensgroße Fischmodelle für die „Tiefsee“-Ausstellung erstellt, die als Teil der Naturwelten dauerhaft im Haus bleiben soll.

Romantische Blicke: Studierende und Lehrende des kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Göttingen haben aus dem mehr als 20.000 Blätter umfassenden Kupferstichkabinett diese Ausstellung von 50 Zeichnungen des 19. Jahrhunderts zusammengestellt. Die Kooperation mit den Göttinger Nachwuchskunsthistorikern soll nach den Worten von Katja Lembke „frischen Wind in die Landesgalerie“ bringen (25. März bis 24. Juni). 

Schatzhüterin. 200 Jahre Klosterkammer: Dem Jubiläum der 1818 noch von König Georg IV. gegründeten Klosterkammer, die ehemals kirchlichen Besitz verwaltet und Kirchen und Klöster unterhält, ist diese Ausstellung gewidmet, die mit ihren Exponaten bis ins Mittelalter zurückgreift. „Wir haben dafür mehr als 200 Exponate gewinnen können“, sagt Lembke. „Darunter sind Leihgaben aus Frankreich und Großbritannien - und ein Porträt von Georg IV. hat uns der Vatikan ausgeliehen.“ (20. April bis 12. August)

Glanzlichter: Auch 2018 setzt das Landesmuseum seine Reihe spektakulärer Naturfotografie-Ausstellungen fort, in der die Bilder des Fotowettbewerbs unter diesem Titel präsentiert werden (3. Juli bis 12. August).

Max Slevogt. Eine Retrospektive zum 150. Geburtstag: Er ist zusammen mit Max Liebermann und Lovis Corinth als das „Dreigestirn des deutschen Impressionismus“ in die Kunstgeschichte eingegangen, den dreien hat das Landesmuseum 2014 eine große Ausstellung gewidmet, doch Max Slevogt allein ist dort nach den Worten von Thomas Andratschke, dem Leiter der Landesgalerie, zuletzt 1952 ausführlich gewürdigt worden. Gründlicher denn je dürfte diese Würdigung 2018 ausfallen, denn im Jahr seines 150. Geburtstags will das Landesmuseum von diesem Künstler gleich 150 Werke zeigen. „Da werden nicht nur realistische Arbeiten und religiöse Allegorien zu sehen seini, sondern auch Frauenbilder und Geschlechterkampf“, sagt Andratschke, „also sozusagen Sex and Crime.“ Das Museum schöpft dabei aus seiner reichen Sammlung an deutschen Impressionisten – gut 500 Arbeiten von Liebermann, Corinth und Slevogt zählen nach den Worten des Landesgalerieleiters zum Bestand des Hauses. Und die Ausstellung ist nur eine von drei Slevogt-Schauen, die außer in Hannover auch in Saarbrücken und Mainz geplant sind. „Wir machen uns da aber keine Konkurrenz“, versichert Andratschke. „Wir ergänzen uns.“

Neben solcher nationalen Abstimmung greift das Landesmuseum aber auch international aus. Am 9. März startet in der Villa Bourbon in Luxemburg eine Paula-Modersohn-Becker-Schau – eine Ausstellung, die nach den Worten von Museumschefin Lembke komplett von Hannover bestückt und kuratiert wird. Kooperationen gibt es außerdem mit dem Institutionen in Ägypten und in Tansania. Mit dem dortigen National Museum von Tansania in Daressalam ist eine Kolonialgeschichtsfotoschau zur ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika geplant. Und im Ägyptischen Museum in Kairo soll es eine Ausstellung geben, in der etwa Resultate von Forschungen in der mittelägyptischen Grabungsstätte Tuna el-Gebel präsentiert werden. Dazu wird es allerdings nach den Worten von Katja Lembke wohl erst 2019 kommen. Womit die internationale Vernetzung auch im nächsten Jahr schon gewährleistet ist. 

Von Daniel Alexander Schacht

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