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Das Cello steht kopf

Musik-21-Festival Das Cello steht kopf

Klaviergewitter, Geräuschtöne und die Bässe von draußen: Das Musik-21-Festival mit Pierre-Laurent Aimard sorgt für pures Hörvergnügen. Auch die Resonanz des Publikums ist rundherum erfreulich.

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Generalprobe: Pierre-Laurent Aimard im Kleinen Sendesaal.

Quelle: Hagemann

Hannover. Kurz vor Schluss gewitterte es kräftig in den abgrundtiefen Lagen des hinteren Konzertflügels, dann folgte ein versöhnlicher Nachklang des vorderen Instruments. Anschaulicher als mit diesem Ausklang des zweiten Heftes der „Structures“ von Pierre Boulez hätte das „Klang-Körper“-Motto des dreitägigen Musik-21-Festivals kaum gezeichnet werden können.

Pierre-Laurent Aimard und Tamara Stefanovich formten im kleinen NDR-Sendesaal die Akkorde als eine Art Klavierplastik. So vehement gespielt wie von der im Anschlag ein wenig weicher agierenden Pianistin und ihrem auf kühle Klarheit eingeschworenen Klavierpartner garantierte das Klavierwerk von Boulez pures Hörvergnügen.

Vor dem Finale umrundete eine Kindergruppe der Grundschule Stammestraße das Publikum mit Kassettenrekordern. Klangkünstler Pit Noack hatte die Drittklässler ermuntert, zu zischen, schnalzen, summen, quieken und zu lachen. Hildesheimer Studenten inszenierten zudem Auszüge aus John Cages „Song Books“: Clownerien wie ein auf den Kopf gestelltes Violoncello oder eine durchs Foyer gleitende Rollschuhläuferin waren inbegriffen.

Die Klangkörper sollten gehört und gesehen werden –  gerade dann, wenn die sensible Geigerin Josje ter Haar und ihre nicht minder feinfühlige Violoncello-Partnerin Esther Saladin mit dem Schlagzeuger Adam Weisman Carola Bauckholts zerbrechliche „Geräuschtöne“ spielten. Danach klang Ondrej Adámeks Quintett „Silent Touches“ mit den verschmelzenden Linien von Stimme (Peter Schöne) und Instrumenten wie eine Zusammenfassung.

Luftströmungen formen Landschaften

Als Kontrapunkt zur diesem mehrschichtigen Spektakel musizierte das Kairos-Quartett im verdunkelten Joseph-Joachim-Saal der Stiftung Niedersachsen das dritte Streichquartett von Georg Friedrich Haas. Die Musiker konnten allerdings ahnen, dass sich von draußen eindringende wummernde Bässe einer Party wie Brei unter die konturenscharfen Quartettklänge legen würden.

Vor dem rabenschwarzen Notturno wurde das Publikum auf Intensität eingeschworen. Im Kunstverein sirrte, schwirrte und schwang ein von Matthias Kaul stetig angetipptes und wieder gedämpftes Triangel. Gleich zwei Querflötenkörper schuf Astrid Schmeling, wobei in Neele Hülckers uraufgeführter Installation „Bauvorhaben“ für Flöte und Videoprojektion die Blicke aus dem Inneren der Flöte zu Baugerüsten mit allerlei Rohren wanderten – die Luftströmungen in ihnen formten vielfältige Landschaften.

Die Aufführungen zeigten wieder einmal, dass dieses seit 2008 alljährlich vom Netzwerk „Musik 21 Niedersachsen“ durchgeführte und zwischen Landeshauptstadt und niedersächsischen Städten pendelnde Festival gut angekommen ist. Die Resonanz des Publikums ist rundherum erfreulich. Besseres kann sich Stephan Meier als künstlerischer Leiter kaum wünschen.

Von Ludolf Baucke

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