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Das Sprengel Museum präsentiert Petra Kaltenmorgen

In gesteigerter Pracht Das Sprengel Museum präsentiert Petra Kaltenmorgen

Magentafarben neigt sich eine einzelne Zinnie von links in den Bildraum. Metallisch-grün schimmern darunter die Laubblätter der Akelei. Vor dem tiefen Schwarz des Hintergrunds, isoliert von ihrer natürlichen Umgebung, strahlen die Pflanzen in gesteigerter Pracht.

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Mit besonderem Blick auf die Dinge des Alltags: Petra Kaltenmorgen in ihrer Ausstellung. Foto: Behrens

Quelle: Christian Behrens

Hannover. Ihre spätsommerliche Schönheit verweist mit welkenden Blattspitzen schon auf den Herbst. Wie die flämischen Blumenstillleben des Barock erzählt Petra Kaltenmorgens Fotoserie „Gifts and Gaps“ (Geschenke und Abgründe, 2011) mit Zinnien, Geranien, Goldlack und Studentenblumen vom Geschenk des Lebens und seiner Vergänglichkeit.

Dabei rückt das Vanitas-Motiv auch deshalb in den Fokus der Betrachtung, weil die Bildmitte jeweils vom Schwarz dominiert wird, in das die Gewächse nur vom Rand her hineinreichen. Sie sind Zeugen einer Wirklichkeit, die längst vergangen ist. Zwischen dem aufgezeichneten und dem gegenwärtigen Augenblick, da wir eine Fotografie betrachten, so hat es der Kunstkritiker John Berger formuliert, gähne ein Abgrund. Die Fotografie ist ein melancholisches Medium - für Petra Kaltenmorgen gilt das allemal.

Von der Vergänglichkeit: Kaltermorgen

Von der Vergänglichkeit: Kaltermorgen

Quelle: Petra Kaltermorgen

Leuchtende Präsenz

Das Sprengel Museum würdigt das Werk der in Hannover lebenden Künstlerin jetzt mit einer Ausstellung, deren Fotoserien und Installationen aus den vergangenen zehn Jahren sich auf sechs Räume verteilen. In ihnen zeigt sich Petra Kaltenmorgens besonderer Blick auf die Dinge des Alltags, die sie unserer vertrauten Wahrnehmung entrückt und verwandelt.

Aus der Entfernung etwa muten die Perlenbänder und Kolliers, die Kaltenmorgen für die Reihe „Ketten“ (2006) auf schwarzen Grund hat gleiten lassen, wie Kreaturen an, so als schaue man auf Vielzeller durch ein Elektronenmikroskop. Ihr blasses Silbergrau verleiht dem billigen Modeschmuck die Aura einer Kostbarkeit.

Ähnlich verhält es sich mit den Gegenständen der Serie „Materia“ (2010). Spielkarten, Münzen, die Hälfte eines aufgeschnittenen Globus, selbst zerkaute Kaugummis gelangen im Rostrot einer Umgebung, deren räumliche Bedingungen verrätselt bleiben, zu leuchtender Präsenz. An anderer Stelle sind es die Rückseiten bestickter Leinwände, die formatfüllend wie eine abstrakte Komposition wirken.

Die Magie der Wildblumen

Kaltenmorgen, Jahrgang 1964, hat in den neunziger Jahren Freie Kunst an der Fachhochschule Hannover studiert und zunächst Objekte gebaut, bevor sie die Fotografie für sich entdeckte. Sie war Meisterschülerin bei Heinrich Riebesehl. Ihre auf Dibond kaschierten Fotoabzüge mit glänzenden Oberflächen, die ohne Rahmen auskommen, haben selbst Objektcharakter.

Doch die Wechselbeziehung von Gegenständen wird auch in Installationen ausgelotet. „Somewhere“ (2012) besteht aus bunten Sonnenbrillengläsern, über denen eine Banane hängt. Wie eine Mondsichel, deren Licht auf glänzende Steine fällt, ruft das Arrangement spielerisch Motive der Romantik auf.

Das Magische nächtlicher Stimmungen aber ist kaum eindrücklicher zu erleben als in der Fotoserie „Slow Waltz“ (2015). Wildblumen stehen hier in gläsernen Vasen. Im Dämmerlicht, in dem die Farbigkeit der Blüten uneindeutig bleibt, umtanzen bunte Laserlichter die Sträuße.Natürlichkeit und Künstlichkeit sind meisterlich verquickt, das Prosaische und das Poetische ausbalanciert.

Ausstellung: „Petra Kaltenmorgen. Stand der Dinge“. Bis 16. Juli im Sprengel Museum Hannover, Kurt-Schwitters-Platz. Eröffnung heute um 18.30 Uhr. Zeitgleich erscheint eine Monographie zum Werk der Künstlerin, herausgegeben von der Stiftung Niedersachsen: Petra Kaltenmorgen. Kunst der Gegenwart aus Niedersachsen, Text: René Zechlin. 19,80 Euro.

Von Kristina Tieke

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