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Schrill, aufgedreht und lustig

"Romeo und Julia" in Hildesheim Schrill, aufgedreht und lustig

Das Theater für Niedersachsen zeigt „Romeo und Julia". Die 1595/96 geschriebene Tragödie wird von dem Ensemble sehr modern präsentiert – und erinnert durch viele Gags zeitweise eher an eine Komödie.

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Benvolio (von oben) und Mercutio wollen Romeo mit Drogen aufheitern.

Quelle: Quast

Hildesheim . Laut dröhnt Techno- und Rockmusik aus den Boxen, Romeos Freund Mercutio kommt in so knappen Hotpants auf die Bühne, dass sein knallgelber Stringtanga immer wieder aufblitzt, auf der Bühne beginnt eine wilde Party mit Drogenexzess. Gero Vierhuffs Inszenierung von „Romeo und Julia“, das jetzt vom  Theater für Niedersachsen aufgeführt wurde, ist aufgedreht, schrill und ungewöhnlich.

Schrill, aufgedreht und lustig: Das Theater für Niedersachsen zeigt „Romeo und Julia“.

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Im Mittelpunkt des Stücks stehen Julia Capulet (Julia Gebhardt) und Romeo Montague (Marek Egert), die sich eigentlich nicht lieben dürfen, weil ihre Familien seit Generationen verfeindet sind. Dennoch lässt sich das junge Liebespaar heimlich trauen. Kurz nach der Hochzeit tötet Romeo allerdings Tybalt, einem Vetter Julias, und wird verbannt. In seinem Exil erfährt er vom angeblichen Tod Julias, die in Wahrheit nur einen Schlaftrunk genommen hat, um einer von ihren Eltern organisierten Ehe zu entkommen. Romeo eilt zum Grab seiner Frau, wo er sich das Leben nimmt. Als Julia schließlich aus ihrem Schlaf erwacht und ihren toten Mann neben sich vorfindet, begeht sie Selbstmord.

Die 1595/96 geschriebene Tragödie wird von dem Ensemble sehr modern präsentiert – und erinnert durch viele Gags zeitweise eher an eine Komödie. Alles wirkt übertrieben und überdreht: Für gute Reime klatschen sich die Schauspieler schon mal ab und Julia macht sich einen Scherz daraus „Stagedive“ zu schreien, während sie auf das Ende der Bühne zurennt und so tut, als würde sie auf das Publikum springen. Immer wieder versuchen die Schauspieler zu provozieren – sei es mit ihrer obszönen Sprache oder damit, dass Tybalt auf die Leiche von Mercutio uriniert. Vor allem in den ruhigeren Liebesszen wünscht man sich manchmal doch etwas mehr Ruhe und Normalität auf der Bühne.

Als Romeo vom Tod seiner Julia erfährt, tritt Marek Egert sogar aus seiner Rolle heraus. „Das ist doch scheiße, ich bin raus, Dennis“, sagt er zu Dennis Habermehl, der seinen Vetter Benvolio spielt , und springt zum Anfang des Dramas zurück – bevor er dann nach einigem Protest doch zum Grab von Julia geht und das Stück zu Ende bringt.

Das Publikum im Stadttheater Hildesheim zeigt sich nach der Premiere gespalten: Während die einen die Inszenierung loben und als innovativ bezeichnen, sind andere irritiert. „Naja“ lautet das Urteil einer Zuschauerin, „sehr gewöhnungsbedürftig“ kommentiert eine andere. 

„Romeo und Julia.“Aufführungen außer in Hildesheim am Dienstag, 16. Februar, auch in Wunstorf, am Freitag, 26. Februar, in Burgdorf und am 9. April, in Garbsen.

Von Lisa Malecha

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