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Das Vorher-Nachher-Tattoo
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Diptychon Das Vorher-Nachher-Tattoo

Es sieht aus wie ein Vorher-Nachher-Bild: Auf dem linken Bild des Diptychons von Jens Fehlisch ist ein junger Mann mit glatter, unversehrter Haut zu sehen, auf dem rechten Bild sieht man dieselbe Person stark tätowiert mit etlichen Piercings und grotesk geweiteten Ohrläppchen.

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Vorher – nachher. Aber in welcher Reihenfolge? Fotoarbeit von Jens Fehlisch.

Quelle: Jens-Fehlisch

Hannover. In der Gegenüberstellung wirken die Tätowierungen wie ein brutaler Angriff auf einen jungen Körper, wie die Tat eines Wahnsinnigen.

Doch so einfach ist es nicht. Dennis Soorholtz, der junge Mann mit dem bunten, von einem Dolch durchstoßenen Herzen auf der Brust, hat sich nicht für das Kunstwerk tätowieren lassen; er war bereits tätowiert, als die Fotos angefertigt worden sind. Das Bild, das ihn ohne Tätowierungen zeigt, ist ein Kunstbild: Es wurde mit viel Schminke und elektronischer Bildbearbeitung hergestellt. Auch wenn man die Vorgeschichte kennt, bleibt die Wirkkraft des Diptychons enorm. Das Werk erzählt von Freiheit und davon, wie sie schwinden kann, wenn man sie für sich in Anspruch nimmt. Es erzählt vom Wunsch, die Welt zu verändern - und davon, dass vielen dazu nur die schmale Fläche des eigenen Körpers bleibt. Es erzählt davon, wie es ist, ein anderer sein zu wollen, und davon, wie die Erfüllung dieses Wunsches wiederum zu einem Gefängnis werden kann.

Das Werk ist eine von zwei Fotoarbeiten, die bei der neuen Ausgabe des Ausstellungsformats „Aus hannoverschen Ateliers“ in der Eisfabrik zu sehen ist. Knapp 30 Künstler sind von einer Jury ausgewählt worden, viel Malerei ist in der Eisfabrik zu sehen, einige Skulpturen und auch zwei Videokunstwerke. Viel Originelles ist dabei: etwa Stephan Kleinebergs „Leergut“-Installation - kunstvoll hölzern bemalte MDF-Platten, die wie alte Kisten wirken. Oder Pepa Salas Vilars großformatiges Bild von Kindern am Strand mit verrutschten Größenverhältnissen. Oder das flammend rote Kleid vor lindgrüner Wand von Gina Gass. Oder Dagmar Brands fahle Ansichten der Oker.

Besonders verblüffend aber ist eine Arbeit des japanischen Künstlers Shige Fujishiro, der keiner der hannoverschen Ateliergemeinschaften angehört, sondern allein in seinem Wohn-Atelier arbeitet. Für seine Kunstwerke nutzt er winzige Glasperlen. In der Eisfabrik präsentiert er eine Wandinstallation: eine Art Nagelbrett, voll mit Modeschmuck und Geweihen. „Spuren von Tränen“ ist der vielleicht etwas zu rührselige Titel dieses merkwürdig zwischen fein und rustikal oszillierenden Glasperlenspiels. Wie alle anderen Kunstwerke der Schau ist auch Fujishiros Installation käuflich zu erwerben: 5000 Euro soll die Wandkunst kosten.

Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, was in hannoverschen Ateliers geleistet wird und wie vielfältig die Kunstszene der Stadt ist. Und junge Künstler wie Shige Fujishiro und Jens Fehlisch belegen mit ihren aufregenden Arbeiten, dass die viel beklagte Überalterung der hannoverschen Kunstszene doch nicht so weit vorangeschritten ist, wie mancher meint.

„Neues aus hannoverschen Ateliers III“, bis 24. Februar in der Eisfabrik.

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HAZ-Redakteur/in Ronald Meyer-Arlt

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