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Das Wilhelm-Busch-Museum stellt "Nachtmahr" aus

Der Weg ins Unterbewusste Das Wilhelm-Busch-Museum stellt "Nachtmahr" aus

Das Schöne und das Schreckliche sind sich hier ganz nah. Das Wilhelm-Busch-Museum zeigt neben dem Gemälde "Nachtmahr" von Johann Heinrich Füssli auch Neues aus dem Nachlass von F.K. Waechter. 

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Neuer Einblick: „Die wahnsinnige Kate“ haben starkes Echo in der Karikatur hinterlassen. 

Quelle: Michael Wallmüller

Hannover. Auf Johann Heinrich Füsslis Gemälde „Nachtmahr“ von 1790 liegt eine junge Frau in dünnem weißen Gewand schlafend auf einem Bett. Auf ihrem Bauch hockt hämisch eine finstere Kreatur, im Hintergrund ist der furchteinflößende Kopf eines offenbar blinden Pferdes zu erkennen. Es ist eine unheimliche, bedrückende Szene - wohl gerade, weil der Maler nicht einfach dem titelgebenden Albtraum Ausdruck verliehen hat; auch zeigt er keine übliche Ansicht eines Schlafzimmers. Füssli balanciert in seinem Bild vielmehr auf der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit.

Im Wilhelm-Busch-Museum wird der "Nachtmahr" von Johann Heinrich Füssli und Neues aus dem Nachlass von F.K. Waechter ausgestellt. 

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Der Schweizer Maler, der zunächst als evangelischer Pastor ausgebildet wurde und in seiner britischen Wahlheimat bald als „Wild Swiss“ eher berüchtigt als berühmt war, kann mit dem „Nachtmahr“ beim Betrachter eine Mischung von Schauer und Begehren auslösen, er bahnt einen Weg ins Unterbewusstsein, führt in die Abgründe der menschlichen Psyche.

Kein Wunder, dass der „Nachtmahr“ bei der ersten Präsentation selbst in der damals als vergleichsweise offen geltenen Londoner Royal Academy für einen handfesten Skandal sorgte. Nun ist das berühmte Bild erstmals in Hannover zu sehen: Als Leihgabe des Frankfurter Goethe-Museums steht es im Zentrum einer neuen Schau im Wilhelm-Busch-Museum.

Vom Traum zum Wahnsinn

Die Ausstellung „Füsslis Nachtmahr - vom Sublimen zum Lächerlichen“ spürt der erheblichen Wirkungsgeschichte des Bildes nach. Vor allem bei Karikaturisten, die es durch schnell verbreitete Stiche kannten, fand Füsslis Motiv ein lebhaftes Echo: Im Busch-Museum sind viele Zeichnungen vom Beginn des 19. Jahrhunderts zu sehen, in denen vor allem britische Politiker von unangenehmen Gedanken an Wahlen oder ihre Wähler gequält werden.

Dann weitet die vom Berliner Kunsthistoriker Werner Busch kuratierte Schau den Blick vom Traum zum Wahnsinn. Zwei weitere Füssli-Gemälde bieten Gelegenheit zu weiteren karikaturistischen Bezügen etwa zum vom Wahn umwehten Napoleon. Füsslis „Tod der Cordelia“ und „Die wahnsinnige Kate“ sind eindrucksvolle Beispiele für die damals neuartige psychologische Motivwahl des Malers. Sein Stil bleibt dabei betont altmeisterlich: Die Figuren treten bei ihm stets sehr plastisch und dramatisch aus einem dunklen Hintergrund hervor.

Aus der Künstlerwerkstatt

Gleichzeitig mit der bemerkenswerten Füssli-Schau gibt das Busch-Museum auch Einblicke in den jüngsten Zuwachs seiner Sammlung. Zum 80. Geburtstag des Künstlers hat die Familie von F. K. Waechter dem Haus Notizbücher, Skizzen und Kladden des Künstlers geschenkt. Der Nachlass des 2005 gestorbenen Zeichners der Neuen Frankfurter Schule war bereits 2008 nach Hannover gekommen und ein Jahr später in der Ausstellung „Zeichenkunst“ zu sehen. Unter dem Titel „Zeichenlust“ zeigt das Museum nun Stücke, die der Familie des Künstlers zunächst zu privat erschienen, um sie aus der Hand zu geben.

Neben 82 Skizzenbüchern und Zeichenheften, Notizbüchern, Kladden und Mappen mit rund 400 Zeichnungen sind auch mehrere Gemälde und Collagen sowie wichtige Teile der Handbibliothek Waechters neu nach Hannover gekommen.

Die Ausstellung blättert diesen Schatz behutsam auf: wortwörtlich mit Einblicken in viele der mit ­Waechters entschieden geführten Strich gefüllten Seiten, der Zeichnung und Schrift gleichermaßen zum Kunstwerk adeln kann. Aber auch mit ausgearbeiteten Bildern, Karikaturen und Objekten. Entwürfe und Skizzen für später ausgeführte Werke stehen neben beiläufig aufgenommenen Eindrücken und Reflexionen. Nackte Hintern und Brüste finden sich dabei ebenso wie feinsinnige Selbstporträts und Auseinandersetzungen mit den Künstlern der Vergangenheit, die Waechter geholfen haben mögen, seine eigene Position zu finden. „Zeichenlust“ erinnert daran, wie weitgefächert und gut die war.

„Füsslis Nachtmahr“ und „Zeichenlust“: Bis zum 15. Oktober im Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch.

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