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Kultur Ausstellung zeigt Tiere in der Karikatur
Nachrichten Kultur Ausstellung zeigt Tiere in der Karikatur
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00:17 12.02.2018
Busch Tiere Wolf Quelle: Busch Tiere Wolf
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Hannover

 „Wie hässlich!“, hat Frankreichs großer Karikaturist Honoré Daumier 1836 unter einer Zeichnung notiert, auf der Affen und Menschen einander betrachten – wobei durchaus offen bleibt, wer da über wen urteilt. Es geht eben kaum um menschlich schöne Züge, wenn Erzähler zu Tiermetaphern greifen. Gleich ob in den antiken Fabeln von Äsop oder in den Zeichnungen späterer Zeiten: Stets dienten Tiervergleich eher dazu, die hässlichen Züge der Menschennatur zu zeigen, zu verspotten und zu geißeln. 

Die großen Meister

Das lässt sich jetzt besonders umfassend studieren – in einer Ausstellung des Wilhelm-Busch-Museums, die zugleich vom Reichtum seiner Sammlung zeugt. „Hier sind die großen Meister der Karikatur präsent“, sagt Museumschefin Gisela Vetter-Liebenow, die in der gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Ruth Brunngraber-Malottke zusammengestellten Schau „Zahme Viecher & wilde Bestien – Tiere im Fokus der Karikatur“ immerhin 220 Werke von 67 Künstlern zeigt. Daumier und Goya, Ronald Searle und Paul Flora, Bernstein, Gernhardt und Waechter, Walter Hanel, Tomi Ungerer und natürlich Wilhelm Busch – das sind nur einige der prominenten Künstler dieser Ausstellung.

Zur Galerie
Das Wilhelm-Busch-Museum zeigt in seiner neuen Doppelausstellung „Zahme Viecher & wilde Bestien“ Tiermotive in der Karikatur – und würdigt den Zeichner Fritz Wolf. 

Geordnet sind die Werke aus vier Jahrhunderten nach bildnerischen Motiven und satirischen Strategien. Da gibt es den gezeichneten Rollentausch zwischen Tier und Mensch, um das Verhalten des letzteren fragwürdig erscheinen zu lassen – eine „Verkehrte Welt“ (1810), wie eine Zeichnung des Franzosen Godefroy Engelmann auch tatsächlich heißt. Da wird der Adel als bestialisch dargestellt – etwa als Affe, der in der Karikatur „Rights of Man“ (1827) des Briten Thomas Landseer Krone und Zepter schwingt und zugleich die Menschenrechtserklärung mit Füßen tritt. Da treten Wappentiere stellvertretend für ganze Nationen auf – der gallische Hahn und der britische Bulle, der preußische Adler und der russische Bär. Und immer wieder reizt Karikaturisten der Perspektivwechsel – malerisch ebenso wie sprachspielerisch besonders gelungen in Ernst Kahls „Gänsekeulen“-Bild, auf dem die Gänse dem Schlachter keulenschwingend entgegentreten. 

Oft frappierend frisch

Bisweilen erscheinen die Tiervergleiche frappierend frisch – etwa auf einer Landkarte mit dem ironisch-harmlos klingenden Titel „Väterchen Russland“ (1877), auf der das Zarenreich ein expansiv ausgreifender Krake ist, der mehrere Nachbarländer im Würgegriff hält. Oder, ganz aktuell, in Walter Hanels Karikatur „Das waren noch Kampfhunde“, die die SPD-Granden Scharping und Lafontaine als Hündchen vor den Porträts von Herbert Wehner und Helmut Schmidt als deutlich bedrohlichere Vierbeiner zeigt. 

Auf tagesaktuelle Karikaturen eingestimmt werden Besucher übrigens schon auf dem Weg in diese Ausstellung. Denn er führt durch die Ensmann-Galerie, die den Karikaturisten Fritz Wolf (1918-2001) aus Anlass seines 100. Geburtstags würdigt. Diese kleine Schau dokumentiert, wie wenig souverän Konrad Adenauer auf Wolfs Zeichnungen reagierte. Diese seien „recht wenig gut“ teilte der erste Bundeskanzler dem Verlag des Karikaturisten in einem grußlosen Drohbrief mit, der sich in einer Vitrine ebenso betrachten lässt wie die „Bonn-Bons“, die Wolf über Jahrzehnte hinweg für den „Stern“ entworfen hat. Und unter seinen Karikaturen kündet eine auch davon, das Koalitionsschlüsse auch als flitterwochenartig schön empfunden worden sind, als die Koalitionspartner Walter Scheel und Willy Brandt waren. „Ja!!!“ ist diese Zeichnung betitelt, auf der Willy Brandt und Walter Scheel gleichsam vor dem Traualtar gezeigt werden. Auch darin liegt ein schöner Kontrapunkt zur aktuellen Koalitionsbildung.

„Zahme Viecher & wilde Bestien. Tiere im Fokus der Karikatur“ und „Fritz Wolf – Karikaturen“. Bis 21. Mai im Wilhelm-Busch-Museum, Georgengarten. 

Von Daniel Alexander Schacht

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