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Das ist das Programm vom Tanztheater International

Von Streetdance bis Hip-Hop Das ist das Programm vom Tanztheater International

Lässt sich ein Liebesgedicht tanzen? Ein Sozialdrama aus den Armenvierteln der USA? Oder auch die Farbe Schwarz? Und wie lange vermag eine Truppe wohl pausenlos zu hüpfen? Antworten auf solche Fragen lassen sich bei der 31. Ausgabe des Festivals Tanztheater International Anfang September in Hannover finden.

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Neues von einem in Hannover schon bekannten Choreografen: Mickaël Phelippeaus „Avec Anastasia“ .

Quelle: Archiv

Hannover . Das Programm, das Festivalchefin Christiane Winter jetzt, pünktlich zum Start des Vorverkaufs, präsentiert hat, verheißt einen Überblick übers Schaffen freier Tanztheatertruppen von fast globalen Dimensionen: Immerhin folgen Tänzer und Choreografen aus den USA und der Südsee, aus Australien und dem Nahen Osten sowie aus mehreren europäischen Ländern der Einladung nach Hannover.

Regelmäßige Gäste des Tanzfests werden unter den zehn Produktionen ein Wiedersehen mit schon bekannten Compagnien erleben. Es gibt aber auch fünf Neubegegnungen, die den Horizont dieses Festivals besonders weit ziehen - sowie einen Schwerpunkt bei Hip-Hop:

„Pavement“: Aus der einstigen Stahl- und heutigen Krisenstadt Pittsburgh stammt die siebenköpfige Truppe mit dem sperrigen Namen Abraham.In.Motion. Der Titel der Choreografie von Kyle Abraham, der selbst mittanzt, heißt „Pflaster“, und um das Leben auf dem steinigen Pflaster der zumeist von Afroamerikanern bewohnten Armenviertel geht es, um zwischen Streetdance und Hip-Hop getanzte Hoffnungen der Schwarzen und ihre Diskriminierung durch Weiße (4. und 5. September, 20 Uhr, Orangerie).

„Priyèr si Priyèr“: Gleichfalls von Hip-Hop durchsetzt ist diese Produktion von Soul City, die das Beten im Titel führt und religiöse Rituale auf La Reunion reflektiert. Denn Soul City stammt von der Insel, die im Indischen Ozean liegt, aber - so groß kann Europa sein - als französisches Übersee-Departement zur EU gehört (8. September, 20 Uhr, Cumberlandsche Bühne).

„Everyness“: Diese Choreografie des Tanz- und Choreografenduos Wang Ramirez, das mit vier weiteren Tänzern auftritt, steht am Anfang des Festivals - und ihr weit über Hip-Hop hinausgehendes Versprechen einer „neuen Art des Blicks, auch auf den eigenen Körper, die Bewegung und die Szenografie“ (1. und 2. September, 20 Uhr, Orangerie).

„OCD Love“: Diese Inszenierung der israelischen Truppe L-E-V, die, ebenso wie Wang Ramirez und Mickaël Phelippeau, bereits zum dritten Mal am Festival teilnimmt, ist der Beweis, dass nicht nur Reim und Versmaß tänzerische Begeisterung auszulösen vermögen, sondern auch lyrische Prosa wie Neil Hilborns Poem „OCD“. „Dieser Text ist stark“, sagt Choreografin Sharon Eyal, „denn ich spüre, dass er mich so sehr reflektiert“ (7. September, 20 Uhr, Schauspielhaus)

„Avec Anastasia“: Phelippeau, der beim Festival 2014 mit „Pour Ethan“ den 14-jährigen Ethan Cabon zur (Selbst-)Inszenierung eingeladen hat, stellt jetzt die in Guinea geborene Anastasia Moussier auf die Bühne. „Eine sehr persönliche, durch und durch authentische Präsentation“, sagt Christiane Winter (3. September, 18 und 20.30 Uhr, Ballhof Zwei).

„The Black Piece“: Zum zweiten Mal nimmt Ann van den Broek am Tanztheater-Festival teil. 2014 war von ihr „The Red Piece“ zu sehen, jetzt nimmt sie sich die Farbe Schwarz vor - als Aura des Okkulten und der Trauer, aber auch der Black Panthers oder der Gothic-Bewegung (10. September, 20 Uhr Ballhof Eins).

„Think Big“: Für die drei Förderstipendien, bei denen junge Choreografen mit großem Ensemble arbeiten können, gab es 70 Bewerber. Ausgewählt wurden die Portugiesin Carla Jordao, der Israeli Edan Gorlicki und die Australierin Ashley Wright, die ihre Produktionen im August vorbereiten und im September uraufführen (6. September, 20 Uhr, Pavillon).

„The Dog Days Are Over“: Hüpfen, auf der Stelle, in Schritten oder Sprüngen, dirigiert von rhythmischem Zählen - das verlangt der Niederländer Jan Martens seiner Truppe ab. Kalendarisch sind die Hundstage im September sowieso vorbei. Aber diese 70-Minuten-Performance - ohne Pause - wird die Hitze wohl noch einmal sinnlich vor Augen führen.

Ein Jahr des Tanzes

Für Hannover ist 2016 ein besonderes Jahr des Tanzes. Im Juni hat nicht nur der Choreografenwettbewerb zum 30. Mal stattgefunden, hier fand überdies der bundesweite Tanzkongress statt. Kein Wunder, dass sich auch die Unterstützer des Tanztheater-Festivals bei dessen Präsentation wohlgefällig äußern. „Einmal mehr holt das Tanztheater-Festival die Welt nach Niedersachsen“, konstatiert Lavinia Franke von der Stiftung Niedersachsen, die ebenso wie die Sparkasse Hannover und das Kulturministerium das Festival fördert.

Den Löwenanteil der Kosten trägt freilich die Landeshauptstadt, die, wie Kulturdezernent Harald Härke betont, „nicht nur Geldgeber, sondern auch Mitveranstalter“ des Festivals ist. 340.000 Euro kostet es in diesem Jahr, etwa 40.000 davon sollen über den Ticketverkauf wieder hereinkommen.

Vorverkauf im Künstlerhaus, Sophienstraße 2, montags bis freitags 12 bis 18 Uhr, Telefon 05 11 16 84 12 22 und online unter www.vvk-kuenstlerhaus.de

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