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00:17 08.12.2017
Night of the Proms, Tui Arena Culcha Candela Foto: Samantha Franson Quelle: Samantha Franson
Hannover

Ein einziger langer Ton auf der Mundharmonika genügt, um zu wissen, wie es weitergeht. Der Beginn des im Jahr 1974 von Supertramp veröffentlichten Songs „School“ hat sich vielen Hörern für alle Zeiten eingebrannt. Als Roger Hodgson, Mitgründer der Band und bis 1983 deren Stimme, die Bühne der Tui-Arena in Hannover betritt, steht fest, dass er die 8700 Besucher der ausverkauften Night of the Proms von ihren Stühlen reißen wird. Er singt fünf seiner großen Hits und kann sich darauf verlassen, dass seine Fans so gut wie jeden Ton auswendig kennen. „Logical Song“ oder „Give A Little Bit“ sind merkwürdig jung geblieben. Es sind Kompositionen fürs Unterbewusstsein.

Bei der Night of the Proms trifft Klassik auf Pop. Ein Sinfonieorchester begleitet Künstler wie Popsängerin Melanie C und die Dancehall-Kombo Culcha Candela.

Hodgson befindet sich auf einer Bühne voller hervorragender Musiker, die alle zu seinen Songs beitragen. Ein Chor, eine Rockband, Backgroundsänger und ein 68-köpfiges Orchester sind Teil des Konzeptes der Night of the Proms, die seit 1994 auch in Deutschland im Jahresrhythmus mit einer Mischung aus Pop, Rock und Klassik auf Tournee geht. In diesem Jahr ist neben Hodgson noch ein zweiter dabei, dessen Songs sogar jene auswendig können, die sie nie mochten. Peter Cetera ist der ehemalige Sänger der Band Chicago, und auch er kann sich auf sein Publikum verlassen.

Eine musikalische Achterbahnfahrt

Die Orchesterversionen von Hits wie „If You Leave Me Now“ und „Hard To Say I’m Sorry” klingen nah an den üppig orchestrierten Originalen, und Cetera macht eine gute Figur als graue Eminenz unsterblicher Balladen. Der noch immer wie aus dem Ei gepellte Amerikaner ist dem cool gebliebenen Briten Hodgson zum ersten Mal bei den Proben in Rotterdam begegnet – die Wertschätzung war gegenseitig. Die Show lebt bei aller Heterogenität von guter Stimmung. „Wir schicken das Publikum auf eine wilde musikalische Achterbahnfahrt“, sagte Format-Erfinder Jan Vereecke im Pressegespräch.

Dass Klassik und Pop oft von vornherein Hand in Hand gehen, zeigt der Song „All By Myself“, den Eric Carmen 1975 veröffentlichte. Showveteran John Miles singt ihn nach einem Intro aus Sergei Rachmaninows Klavierkonzert No. 2. Carmen baute nämlich die Melodie seiner Strophen darauf auf. Miles ist in über 20 Jahren zu einer Art Botschafter von Night of the Proms geworden. Sein Hit „Music“ darf in keiner Show fehlen. Mit Robert Palmers „Addicted To Love“ heizt er die Stimmung an, bevor er „When You’re Gone“ von Bryan Adams als Duett mit einer weiteren Vollblutmusikerin anstimmt: Melanie C war bis 2001 Mitglied der Spice-Girls und begann danach ein kaum weniger erfolgreiche Solokarriere.

Musikvideo in Hannover

In der Night of the Proms singt sie Songs wie „Never Be The Same Again” und „First Day Of My Life” – für den sie 2005 ein Musikvideo in Hannover drehen ließ. Sie beeindruckt auf der Bühne mit einem kraftvollen, reifen Auftritt, ihre epischen, gut konstruierten Stücke profitieren vom Orchester, das bereits im zweiten Jahr von der jungen Brasilianerin Alexandra Arrieche dirigiert wird. 

Die klassischen Stücke, bei denen sie im Mittelpunkt steht, erfüllen ihre Funktion gut: Bekannte Kompositionen von Beethoven, Tschaikowsky, Mozart, Händel und Grieg sollen mit Monumentalität und Emotionen unterhalten.

Mit acht Jahren 350 Stücke komponiert

In dieses Prinzip passt auch der heimliche Star des Abends: Die erst 16-jährige US-amerikanische Pianistin Emily Bear gilt als Wunderkind und hatte mit acht Jahren bereits 350 Stücke komponiert. Die Herzen fliegen ihr aber wohl vor allem für die Selbstverständlichkeit zu, mit der sie sich bewegt. Sie schwebt zu Beginn des Abends mitsamt eines Pianos auf einer Plattform über das Publikum hinweg.

Das ist durchaus spektakulär. Bear bleibt dabei jedoch völlig entspannt – gerade so, als könnte ihr nichts passieren, solange ihre Hände nur die Tasten berühren.

Die nächste Night of the Proms soll am 4. Dezember 2018 stattfinden. Der Vorverkauf hat begonnen.

Von Thomas Kaestle

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