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Nachrichten Kultur Das war Dieter Nuhr in der Swiss Life Hall
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00:15 16.01.2019
Früher war alles besser, heute aber auch: Dieter Nuhr in der Swiss Life Hall. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Es war eine schöne Idee, die Dieter Nuhr für sein aktuelles Programm „Nuhr hier, nur heute“ hatte. Er wollte den Deutschen, Nörgelnation Nummer eins, mal vorhalten, wie gut sie es doch eigentlich haben. Dass sich die Welt weiterentwickelt hat, und wir hoffnungsvoll in die Zukunft blicken dürfen. Geklappt hat das in der Swiss Life Hall eher nicht.

Dieter Nuhr begeistert 3800 Zuschauer in der Swiss Life Hall.

Wahrscheinlich hat Nuhr beim Schreiben des Programms selbst gemerkt: Friede, Freude, Eierkuchen bietet wenig Witzpotenzial. Aber er findet dann doch genug, worüber er meckern kann, etwa den Dieselskandal. Die Deutsche Umwelthilfe richte die arme Autoindustrie zugrunde – dabei sei der Feinstaub doch gar nicht so schlimm, findet er. Nuhr wirft mit Zahlen um sich und spricht mit seiner üblichen ruhigen Stimme. Das lässt ihn intellektueller wirken als viele Kollegen, dabei bietet er einfache Antworten zu komplexen Sachverhalten. Immer wieder verfällt der Comedian regelrecht in pamphletartige Monologe, ganz ohne Pointe.

Permanent inszeniert sich Nuhr als einen Provokateur, der die unbeliebte Wahrheit ausspricht. Aber vielmehr widerspricht er sich selbst. Fast schon schizophren wechselt er zwischen „Die Welt war nie besser als heute“ und „Früher war alles besser“ hin und her. Denn früher durfte man noch überall rauchen, und es gab keine Helikoptereltern, und Kinder haben noch draußen gespielt statt mit dem Smartphone. Andererseits gerät er ins Schwärmen über moderne Technik, Fortschritt und Digitalisierung. Wieder ohne Pointe.

Ausführliche Islamkritik

„Ich möchte keine religiösen Gefühle verletzen“, sagt Nuhr und macht sich anschließend ausführlich über genau eine Religion lustig: den Islam. Nicht nur bei seiner Meinung (oder besser: seinen Meinungen), sondern auch bei den Themen herrscht bei Nuhr großes Durcheinander. Vieles wiederholt er nach der Pause noch ein-, zweimal – ohne irgendetwas Neues hinzuzufügen. Und, natürlich, ohne Pointe.

Auch am obligatorischen Gender-Thema versucht er sich mit ein paar Sprüchen, die meisten Lacher gibt es allerdings für Witze über dicke Kinder und Urologen. Überhaupt nutzen die 3800 Zuschauer in der Swiss Life Hall jede der rar gesäten Möglichkeiten für Beifall, applaudieren hin und wieder sogar einfach so – ohne Pointe.

Am Ende fällt Nuhr dann noch etwas ein, was heutzutage nicht so gut sei: Alle fühlten sich immer gleich beleidigt. Er fragt: „Kann man heute überhaupt noch Witze machen?“ Nun, er hätte es wenigstens versuchen können.

Von Johanna Stein

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