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Nachrichten Kultur Das Orchester im Treppenhaus lädt zum Dating-Konzert
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02:16 02.06.2018
Einladung zum „Dating-Konzert“: Thomas Posth vom Orchester im Treppenhaus. Quelle: Moritz Kuestner
Hannover

Was möchte man eigentlich erleben, wenn man in ein Konzert geht? Möchte man sich überraschen lassen? Oder möchte man lieber nur die Klänge hören, die man wirklich mag? Aber welche Musik gefällt einem überhaupt? Es gibt schließlich viel mehr davon, als ein einziger Mensch kennen kann. Derartigen Fragen und Problemen geht nun das hannoversche Orchester im Treppenhaus nach, das – wieder einmal – ein ganz neues Format zur Präsentation von klassischer Musik erfunden hat.

Das Orchester im Treppenhaus und seine Projekte

Im „Dating-Konzert“, das am 1. und 2. Juni in der Tellkampfschule zu erleben ist, verschafft das Ensemble den Zuhörern ein Rendezvous mit Musik, die sie vielleicht noch nicht kennen, die aber trotzdem ihrem Geschmack trift. In der ersten Hälfte des Abends präsentieren die Musiker eine Auswahl von Stücken. Während sie zuhören, können die Zuhörer mithilfe einer extra für diesen Zweck entwickelten App auf ihren Smartphones die Stellen in einem Stück markieren, die ihnen besonders gut gefallen. In der Pause wird aus diesen Angaben eine Art persönliches Geschmacksprofil errechnet, das den Besucher dann in eines der acht verschiedenen Programme führt, die nach der Pause parallel gespielt werden.

Thomas Posth, Dirigent und künstlerischer Leiter des Orchesters im Treppenhaus, hofft, dass das Publikum Musik auf diese Weise intensiver erleben kann. „Ich glaube nicht, dass die App die Leute ablenken wird“, sagt er. Sie würden vielmehr konzentrierter zuhören, um zu entscheiden, was genau gefällt und vielleicht auch, warum. „Wir betreten absolutes Neuland mit diesem Projekt“, sagt der 41-Jährige. Es gäbe kaum Studien darüber, welche Musik Menschen gefällt. Darum werden die ersten Dating-Konzerte noch experimentellen Charakter haben.

Um das Geschmacksprofil zu entwickeln, sind einzelne Passagen der Partituren jeweils bestimmten Grundstimmungen wie „aufgewühlt“, „sehnsuchtsvoll“ „fröhlich“ oder „provokant-spannend“ zugeordnet. Wenn man beim Höhren eine schöne Stelle durch eine Berührung auf das Smartphone markiert, wird hinter den Kulissen die Stimmung gespeichert. Posth hofft, so die Vorlieben eines Hörers herausfinden zu können und ihm dann mehr Musik in seiner bevorzugten Stimmung zu präsentieren.

Neben der Begegnung mit Musik soll das Projekt auch Menschen mit ähnlichen Musikvorlieben zusammenbringen: Nach den jeweiligen Spezialkonzerten gibt es noch eine Lounge für die Zuhörer. „Ich bin gespannt, was passiert, wenn ein 18-Jähriger merkt, dass er denselben Geschmack hat wie eine 70-Jährige“, sagt Posth.

Mit seinem Orchester im Treppenhaus, das vor 11 Jahren zum ersten Mal im Treppenhaus der damaligen Cumberlandschen Galerie aufgetreten und dabei seinen Namen erhalten hat, sucht der Dirigent schon lange Alternativen zu einem klassischen Konzertauftritt. In dem „Disco“-Projekt des Orchesters wird zeitgenössische Musik mit Elektronikbeats kombiniert und auf die Tanzfläche gebracht, im „Dark Room“ liegen die Zuhörer mit Schlafbrillen auf Feldbetten und lauschen einem musikalischem Hörspiel. In „persönlichen Notfallkonzerten“ notieren Zuhörer ihre Wünsche und Sorgen auf einen Zettel und erhalten dann eine Art tönende Seelsorge, in „Dark Ride“ verwandeln sich Räume in musikalische Geisterbahnen.

Durch eine neue Zusammenarbeit mit der renommierten hannoverschen Konzertdirektion Schmid, die auch die Auftritte von Orchestern wie der Academy of St Martin in the Fields und von Dirigenten wie Andris Nelsons organisiert, will das Orchester seine Ideen mit Auftritten bei wichtigen Festivals und anderen Städten weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt machen. Die Nachfrage sei groß, sagt Posth: „Es ist zu spüren, dass sich der Markt für neuen Formate öffnet.“ Hannover soll dabei Stützpunkt für das Orchester bleiben. Büro und Probenräume sind im Ihme-Zentrum – gleich neben dem Büro der Stadt, in dem die Bewerbung zur Kulturhauptstadt vorangetrieben werden soll. Posth sieht Hannover durch die Projekte seines Orchesters schon als „Laborstadt“. Es wird Zeit, dass er einmal Besuch von seinen Nachbarn bekommt.

Die „Dating-Konzerte“ des Orchesters im Treppenhaus sind am Freitag, 1. Juni, und Sonnabend, 2. Juni, jeweils um 19.30 Uhr in der Tellkampfschule sowie am Sonntag, 3. Juni, 18 Uhr, in der Braunschweiger IGS Franzsches Feld. Zum Konzert muss man die passende App auf seinem Handy installieren. Wer kein Smartphone hat, bekommt ein Leihgerät.

Von Stefan Arndt

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