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David Garrett begeistert mit Klassik

Konzert im Kuppelsaal David Garrett begeistert mit Klassik

Der Cross-Over-Star David Garrett war in Hannover. Ohne Lightshow, ohne Pyrotechnik, ohne Band. Auf der Bühne im fast ausverkauften Kuppelsaal gab es nur den Geiger, einen Pianisten und sehr viel klassische Musik. Wie konnte das nur gut gehen?

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Markenzeichen: David Garrett mit Hocker und Stradivari.

Quelle: Florian Petrow

Hannover. Man braucht kein eingefleischter Fan von David Garrett zu sein - in diesem Moment muss man ihn einfach gern haben: Kurz vor Schluss seines Konzertes im hannoverschen Kuppelsaal vergisst der Geiger eine Pause. Nicht etwa beim Spielen, sondern während seiner Moderation. „Das hätte jetzt die Pointe sein sollen“, sagt er nach einem auf diese Weise blind gegangenen Scherz und lächelt verlegen. Garrett ist von dem kleinen Fehler so aus dem Konzept gebracht, dass er vergisst, was er eigentlich sagen wollte: den Titel von Fritz Kreislers „Corelli-Variationen“. Als er das mit der schon ans Kinn gezogenen Stradivari merkt, traut er sich nicht mehr recht ins Mikrofon zu sprechen. Er übergibt es seinem völlig überrumpelten Pianisten Julien Quentin. Irgendwie süß.

Stargeiger David Garrett begeistert das Publikum am Freitagabend im HCC.

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Für einen Moment ist in der kleinen Szene die Maske von dem Cross-Over-Star gefallen, hinter der er sich sonst vollkommen verbirgt. Zumindest wirkt fast alles, was er sagt, furchtbar gekünstelt. Nicht einmal seine Sprachmelodie ist mehr natürlich, wenn er seine knappen Moderationen mithilfe des Teleprompters zu seinen Füßen aufsagt. Das fällt umso mehr auf, weil Garrett in seinen Ansagen stets Persönliches vortäuscht. Das rein klassische Programm sei „der Soundtrack meines Lebens“, sagt er zu Beginn. Danach bemüht er sich, Schlüsselmomente dieses Lebens zu präsentieren, das er gerade für eine Autobiografie Revue passieren lassen hat: Zu Elgar gibt es die Begegnung mit Menuhin, bei Tschaikowski tritt der große Bruder auf, die Eltern wirbeln im virtuosen „Tanz der Kobolde“ mit. Am Ende aber ist man dem Menschen David Garrett höchstens so nahe gekommen wie William und Kate, wenn man Fotos der englischen Thronfolgerfamilie im „Goldenen Blatt“ betrachtet: Es ist die Illusion von Nähe.

Gerade die scheint aber viele Menschen allerdings anzuziehen. Der Kuppelsaal jedenfalls ist nahezu ausverkauft – obwohl Garrett nur mit einem Pianisten auf der Bühne steht. Es gibt keine Lichtshow, keine Pyroeffekte und nicht einmal eine richtige Band. Es gibt einen David Garrett, der im holperigen Tonfall scheinbar von sich erzählt. Und immerhin noch Musik. Damit meint es der 35-Jährige Geiger wirklich ernst. Zwar gibt es im zweiten Konzertteil ausschließlich appetitliche Virtuosenhäppchen vom „Czardas“ über die Dvorak-„Humoreske“ bis zum „Hummelflug“. Aber zuvor jubelt Garrett seinem Publikum auch die hochromantischen Violinsonate von Cesar Franck unter - mit allen drei umfangreichen Sätzen. Nebenher spart er nicht an Hörtipps für Klassikeinsteiger: Garrett empfiehlt mehrfach Aufnahmen von Jascha Heifetz und Nathan Milstein. Seine eigenen CDs erwähnt er dagegen nur einmal kurz.

Dabei ist der Geiger an der Violine viel eloquenter als am Mikrofon. Und anders als für die Ansagen braucht er zum Musizieren auch keine Gedächtnisstütze: Er spielt das gut zweistündige Rezital komplett auswendig. Vieles davon ist technisch beeindruckend, musikalisch wirkt nicht alles ganz überzeugend. Das Publikum aber ist begeistert. Am Ende des Abends, nach Tausenden von Sechzehntelnoten, macht Garrett vor der Zugabe noch eine letzte Ansage. „Und jetzt noch einmal alles von vorn“, sagt er. Aus dem Saal tönt begeistert zustimmender Applaus. Mehr kann ein Musiker eigentlich nicht erreichen.

Am 27. November gastiert Garrett mit seinem Cross-Over-Programm „Explosive“ in der Tui-Arena. Karten unter Telefon (0511) 12123333.

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