Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Audienz beim DJ-Papst

David Guetta in der Tui-Arena Audienz beim DJ-Papst

Es mag paradox klingen, aber David Guettas dröhnendes Beatgewitter hat etwas Entspannendes. Für zwei Stunden Verstand aus, Bewegungsmotor an. Rund 11.000 Fans tanzten am Sonntagabend in der Tui-Arena zu den Beats des DJ-Papstes.

Voriger Artikel
Welterbekomitee tagt in Bonn
Nächster Artikel
Der Pavillon tanzt

"Seid ihr die partyverrückteste Stadt der Welt?" David Guetta am DJ-Pult in der Tui-Arena.

Quelle: Alexander Körner

Hannover. Das Kreischen ist ohrenbetäubend. Tausende in die Höhe gereckte Smartphones zeigen ein Bild: Sechs riesige Videowände über der Bühne, auf der die ersten Lichter aufflammen. Dazwischen als wuchtiger schwarzer Block das Mischpult. Wie eine Kanzel thront es hoch über der Menge. Das Bild ist passend, immerhin wird von dort aus gleich der DJ-Papst persönlich seinen hannoverschen Anhängern in der TUI-Arena Audienz gewähren. Langsam formen sich rote, weiße und grüne Lämpchen auf der mittleren Lichtwand zu Buchstaben: David Guetta.

Der Mann, der zu monotonen Bassschlägen auf die Bühne kommt und den Lärm der Menge noch steigert, wirkt wie der nette Typ von nebenan, der beruflich irgendwas mit Öko macht. Schulterlange blonde Haare, Vollbart, schwarzes Shirt. Dazu ein schüchternes Lächeln. Die Videoübertragung zeigt jedes Grübchen im Großformat.

Aber der Schein trügt. David Guetta ist einer der erfolgreichsten Musiker der Welt. Dreizehn internationale Preise hat der französische Produzent und DJ seit 2007 abgeräumt, darunter zwei Grammys und dieses Jahr den Echo in der Kategorie „Dance international“ für sein aktuelles Album „Listen“. Wenn er dafür nicht gerade auf Tournee Werbung macht, schraubt er am Titelsong für die Fußballeuropameisterschaft 2016 in Frankreich oder legt bei seiner legendär gewordenen Partyreihe „Fuck me, I’m Famous“ auf Ibiza auf. Und beim Musikstreamingdienst Spotify ist er nicht nur der beliebteste Künstler, seine Musik wurde auch mehr als zwei Milliarden Mal abgespielt. Statistisch gesehen, würde damit fast ein Drittel der Weltbevölkerung David Guetta hören. Natürlich nur theoretisch. In Hannover wollen immerhin 11 500 Fans dabei sein, wenn er seine Platten auflegt, die Halle ist fast ausverkauft. Nur: Was macht diesen Typen mit der Jesus-Frisur und dem Dackelblick so besonders?

Sein Wortwitz ist es schon mal nicht. „Also, Hamburg war gestern schon total verrückt drauf“, begrüßt Guetta die Fans auf Englisch. „Aber ich glaube, ihr könnt das toppen. Seit ihr die partyverrückteste Stadt der Welt?“ Die Reaktion der Fans ist einstimmig. Klar. „Work Hard, Play Hard“, zum Reden ist keine Zeit. Los geht’s.

Es ist das zweite Mal, dass Guetta in Hannover auflegt. 2013 heizte er den Fans auf der Expo-Plaza ein. Heute ist von Anfang an Schwitzen angesagt. Immerhin ist die Belüftung der TUI-Aena so gut, dass das discotypische feuchtwarme Klima ausbleibt. „Bang Bang“, „When Love Takes Over“, „Love is Gone“, „Titanium“, „Dangerous“, „Hey Mama“ – Guetta spielt Hit um Hit. Viele reißt er nur an und zerbricht die gewohnten Klänge dann mit schweren Bässen und hochgepitchten Technorhythmen. Die Menge zappelt brav zu fast 130 Beats pro Minute, dazu flackerndes Laserlicht und psychedelische Bilder.

Kritiker behaupten, Guetta mache eigentlich immer das Gleiche. Simple Elektrobeat-Abfolgen, ein bisschen Stimmverzerrung, fertig! Viele seiner Songs klingen ähnlich. Aber Guetta hat es geschafft, seine Tonarrangements zum Markenzeichen zu machen und sich trotzdem dem Stil seines jeweiligen Sängers anzupassen. Seine Komposition zu „What I Did for Love“ hebt Emelie Sandés soulige Stimme hervor, „Hey Mama“ dagegen bringt Black Music mit Elektro zusammen. Im Radiogedudel lässt sich oft heraushören, welcher Song von dem Franzosen stammt. Das können nicht viele House-Musikproduzenten von sich behaupten.

Außerdem hat Guetta mit seinen eingängigen Stampfbeats mittlerweile einen Status erreicht, in dem fast alles, was er auf den Markt wirft, zum Hit wird. Er macht Musik für Massen. Und das hat nicht immer etwas damit zu tun, ob die angesagtesten Pop-, Soul- und R’n’B-Stars zu seinen Beats singen. Der Text ist sowieso egal. Liebe, Sex, Party – tiefschürfend wird’s bei Guetta nicht. „I want to see your fuckin’ Hands“, gröhlt das Publikum. Mehr Zeilen hat das Lied auch nicht.

Es mag paradox klingen, aber Guettas dröhnendes Beatgewitter hat etwas Entspannendes. Stampf, stampf, stampf – alles vorhersehbar, einprägsam, intuitiv. Dazu manchmal Textfetzen, die man schon mal irgendwo gehört hat und mitgröhlen kann. Arme in die Luft und den Körper wippen lassen. Für zwei Stunden Verstand aus, Bewegungsmotor an. Wie die grünen Comiczombies auf der Videowand. David Guetta-Auftritte sind mehr Happening als Konzert.
„So Leute, jetzt will ich nochmal alle eure Arme sehen“, brüllt Guetta nach einer Stunde Non-Stop-Gewummer. Da gehen nicht nur die Hände der Jungs und Mädels in den ersten Reihen hoch, auch die Mütter und Väter auf den Rängen strecken dem DJ die Arme entgegen. Es mag auch ein Grund für seine Popularität sein: Guetta verbindet nicht nur Musikstile, sondern auch Generationen.

11.000 Fans haben am Sonntagabend, den 28.06.2015, mit DJ-Papst David Guetta in der Tui-Arena gefeiert.

Zur Bildergalerie
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Billy Talent in Hannover

Billy Talent in Hannover: Die besten Bilder des Konzerts in der Swiss-Life-Hall.