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Kultur David Safier schickt philosophierende Kühe auf Reisen
Nachrichten Kultur David Safier schickt philosophierende Kühe auf Reisen
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07:43 13.11.2012
David Safier schickt in seinem neuen Buch „Muh!“ Kühe auf eine Reise nach Indien. (Archiv) Quelle: dpa
Bremen

Der erste Satz eines Romans kann alles entscheiden. Er gibt den Ton an und weckt - wenn es gut läuft - das Interesse des Lesers. Der erste Satz sollte also wohl überlegt sein. David Safiers neues Buch beginnt mit einem vernehmlichen „Muh“ - ein schlichter Laut, der so vieles ausdrücken kann: Panik, Trauer, Zufriedenheit, Wut. Zumindest, wenn man eine Kuh ist wie Lolle, die Hauptfigur in Safiers fünftem Roman.

Die Kuh lebt zufrieden auf einem Bauernhof in Norddeutschland. Zugegeben, der Bauer ist ein wenig sadistisch und trinkt zu viel Alkohol. Ansonsten ist Lolle aber eine ganz normale glückliche Kuh. Bis zu jenem Tag, an dem sie die Liebe ihres Lebens, den stattlichen Stier Champion, mit Susi erwischt. Doch damit nicht genug. Der Bauer ist pleite, alle Rinder sollen geschlachtet werden. Und dann stellt Lolle auch noch fest, dass sie trächtig, pardon: schwanger ist. Der liebeskranken Kuh und ihren Freunden bleibt nur noch die Flucht - natürlich nach Indien, wo Menschen Kühe verehren.

Safier findet Inspiration im Alltag

David Safier braucht erstmal einen Kaffee, bevor er über seinen neuen Roman sprechen will. Gerade hat der Postbote ein Paket mit druckfrischen Exemplaren gebracht. Der Familienhund springt schwanzwedelnd über das Parkett im Wohnzimmer. Nacheinander stecken Safiers Frau und sein jüngster Sohn den Kopf durch die Zimmertür herein. Schnell wird klar, wie er auf die Idee für sein letztes Buch „Happy Family“ kam. Inspiration findet der 45-Jährige im Alltag.

So muss seine tierische Heldin Lolle nicht nur zahlreiche Abenteuer bestehen, bis sie das gelobte Land erreicht. Sie plagen auch äußerst menschliche Sorgen und Probleme. Die Suche nach Glück, Liebe und dem Sinn des Lebens sind typische Motive in Safiers Romanen. Gewohnt locker, fast schon mit einem comicartigen Humor lässt er Lolle über diese großen Fragen sinnieren. Eine tiefgründige Antwort sollte der Leser von „Muh!“ jedoch nicht erwarten.

„Ich möchte meine Leser unterhalten“, sagt Safier. „Ich habe meine Arbeit richtig gemacht, wenn die Leute sagen, dass sie sich gut amüsiert haben.“ Trotzdem enthält sein aktueller Roman, den Safier als moderne Fabel bezeichnet, auch eine ernste Ebene. Er schneidet aktuelle Themen wie Agrarsubventionen, Alkoholismus und den steigenden Fleischkonsum an. Aus tierischer Sicht führt der Autor uns auch die Absurditäten unserer Gesellschaft vor Augen.

Schreiben als disziplinierte Arbeit

Seine Leser lieben ihn für diese kurzweiligen Beobachtungen, die ohne moralischen Zeigefinger daherkommen. Mehr als drei Millionen Bücher hat der 45-Jährige bisher verkauft. Bekanntgeworden ist Safier als Drehbuchautor der preisgekrönten Fernsehserie „Berlin, Berlin“. Mittlerweile schreibt er aber nur noch Romane - auf fünf Stück hat er es in sechs Jahren gebracht.

„Ich bin ein disziplinierter Arbeiter“, sagt der Schriftsteller von sich. Acht Stunden täglich sitzt an seinen Manuskripten, vormittags zu Hause im Büro, nachmittags im Café. Dort schreibt er seine Geschichten ganz altmodisch in eine Kladde, am Computer überarbeitet er sie dann später. Auf diese Weise entsteht zurzeit sein sechster Roman. Auch über Buch Nummer sieben grübelt Safier schon nach.

Doch zunächst können sich seine Leser über ein Wiedersehen mit alten Bekannten freuen. Ende des Jahres wird sein zweiter Roman „Jesus liebt mich“ als Film in die Kinos kommen.

dpa

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