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Deine Freunde machen Hip-Hop für Kinder

Interview mit Rapper Florian Sump Deine Freunde machen Hip-Hop für Kinder

Deine Freunde machen Kinder-Hip-Hop, den auch Große lieben. Am Sonntag treten die drei Musiker im Pavillon auf. Vorher sprach Matthias Halbig mit dem Rapper Florian Sump. 

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Mit Texten über Schokolade und das „Eierloch“ zu Stars in den Kinderzimmern: Markus Pauli, Lukas Nimscheck und Florian Sump von Deine Freunde. 

Quelle: Schunk

Deine Freunde sind bei den ganz Kleinen derzeit so groß wie die „Star Wars“-Helden. Die Eltern und Omas lieben Ihre Lieder auch. Und sogar Jugendliche gähnen nicht, sondern tanzen, wie man im Bonusteil der DVD sieht. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg bei praktisch allen?
Ich weiß es nicht. Aber dass es funktioniert, ist für uns ein Riesenkompliment. Vielleicht ist es so, weil wir uns nicht verstellen und weil die Älteren, die zu uns kommen, sich noch an ihre Kindheit erinnern können. Außerdem ist es Hip- Hop, da liegt Tanzen nahe. Und auf unserem dritten Album nehmen wir ja dann auch ausnahmsweise mal die Sichtweise von Eltern ein, die von ihrem stressenden Nachwuchs genervt sind.

Denken Sie auch sonst beim Kinderliedschreiben an die Eltern? Gibt’s da keine Selbstzensur-Scheren im Kopf? Die Kinder hätten im Song „Die besten, gemeinsten Eltern der Welt“ bestimmt viel lieber gehört, dass ein bisschen „Star Wars“-Filme-Gucken noch keinem geschadet hat.
Wir sind ja in diesem Text nicht eine Art Jury, die sagen darf, „Kinder sollten ,Star Wars‘ ansehen“. Sondern wir sind das Kind, das klagt: „Nicht-Gucken-Dürfen finde ich blöd“. Aber nein, da gibt es keine Schere. Wer seine Kinder Deine Freunde hören lässt, der hat Humor, der fühlt sich nicht so leicht auf den Schlips getreten. Manche Eltern kommen allerdings wegen dem Song „Räum (doch selber) auf“ auf uns zu. Und sagen: „Ihr glaubt nicht, wie viel Ärger wir zu Hause wegen diesem Lied haben.“

Deine Freunde nehmen in den Songs die Perspektive der Kinder ein. Was ist noch wichtig?
Die Haltung. Den Kindern keine andere Welt zu verkaufen als die, in der wir leben. Obwohl Humor unser Allerliebstes ist, geht es auch um ernste Dinge: Darum, dass es zu Hause auch mal kracht oder man sich unverstanden fühlt. Man muss Kindern unbedingt auf Augenhöhe begegnen. Mittlerweile denken wir auch in Sachen Sound überhaupt nicht mehr daran, dass unsere Musik für Kinder gedacht ist. Wir haben bei den Konzerten gemerkt, dass die Kinder genauso toll abgehen, wenn wir zu einem Beat von Daft Punk rappen. Also haben wir nach dem ersten Album den Bass richtig aufgedreht.

Sie sind 34 Jahre alt. Braucht man sein altes Kinderherz und seinen alten Kindskopf noch, um solche Musik machen zu können?
Ich habe mein Kinderherz jetzt nicht mit Schwert und Schild verteidigt, aber ich habe es auch nie verloren. Das Kind in mir ist noch voll da. Ich muss da gar nicht meditieren, um mich in den Zustand zu versetzen, Deine-Freunde-Musik machen zu können.

Sie waren schon einmal sehr erfolgreich – als Schlagzeuger bei der Flensburger Band Echt. Was ist aufregender – ein Publikum aus Teenagern oder eins aus Kindern?
Ich will nichts gegen das Echt-Publikum sagen. Das waren schöne Jahre, aber das war auch ganz schön irre, mit hysterischen Mädchen, die völlig ausgeflippt sind. Das kann auch beängstigend sein. Im direkten Vergleich ist das mit den Kindern wesentlich lockerer. Wenn man mit denen nach dem Konzert abhängt, gibt es keinen Personenkult. Die sind da ganz anders drauf.

Wie denn?
Die sagen schon auch „Ihr seid meine Lieblingsband“. Aber die bauen nicht diese Verehrungsmauer auf. Die sind sehr ehrlich. Wenn man an dem Abend das Lieblingslied nicht gespielt hat, wird einem das richtig erbost an den Kopf geschmissen.

Sie haben auch sonst einen Draht zu Kindern, arbeiten in einer Hamburger Kita als Erzieher.
Irgendwann nach dem Ende von Echt habe ich in der Kita in meiner Straße meinen Zivildienst nachgeholt. Da habe ich gemerkt, wie spannend dieser Beruf ist: Jeden Tag passiert bei den Kindern was Neues. Ich habe aber nie eine Ausbildung zum Erzieher gemacht, ich bin Seiteneinsteiger.

Und Sie sind in diesem Beruf wahrscheinlich allein unter Frauen.
Als Mann bin ich da eine Bezugsperson und sofort in einer Sonderstellung. Die Kinder stürzen sich auf dich. Und ich fand diese Unvoreingenommenheit von Anfang an super.

Dann haben Sie den Song „Schokolade“ für Ihre Kita-Kinder aufgenommen. Wie kam das?
In allen Kindereinrichtungen, in denen ich gearbeitet habe, lagen dieselben paar CDs herum. Rolf Zuckowski, der „Traumzauberbaum“, und dann war man schon beim Schlumpfentechno. Ich habe dann angefangen, mit den Kindern Musik zu machen. Dann sollten die ihre Lieblingsmusik von zu Hause mitbringen. Und die brachten mir Platten von Seeed und Peter Fox an. So kam mir der Gedanke, etwas aufzunehmen. Für Erwachsene gibt es tausend Stilarten mit Tausenden von Bands, und für Kinder so wenig und wenn, dann aus einer erklärenden Erwachsenensicht. Oder es handelt sich um die alte „Wir fassen uns an den Händen und drehen uns im Kreis“- Nummer, die den Kindern so gar nichts zutraut.

Und wie fanden die Kinder das fertige „Schokolade“-Lied?
Die konnten den Text zwei Tage später auswendig. Da dachte ich: Mal sehen, wie weit man dieses Ding drehen kann.

Sie sind seit November selbst Vater. Wie geht es den Nerven?
Das läuft erstaunlich gut. Carlo lässt uns schlafen, gestern erstmals von 8 Uhr abends bis um 6 Uhr morgens, als der Wecker geklingelt hat. Und deshalb wage ich jetzt mal den frechen Spruch: entspannte Eltern, entspannte Kinder.

Vaterschaft ist zeitintensiv. Müssen Ihre Fans jetzt um ihre Lieblingsband bangen?
Ich wusste immer schon, dass, wenn ich mal Vater werde, ich alles dem Familienleben unterordnen werde. Carlo ist jetzt auf der Welt, und ich werde den Teufel tun, ihn nicht aufwachsen zu sehen. Alles andere kommt danach. Aber die Band bleibt. Ich habe eine tolle Chefin. Ich arbeite reduziert. Und die Konzerte sind immer an Freitagen, Sonnabenden und Sonntagen. Alles ist gut.

Sie haben für Carlo, für die jetzigen und alle kommenden Drei-Freunde-Fan-Generationen die legendäre Pausenhofzeilen „Fang mich doch, du Eierloch“ auf Platte gebannt. Haben Sie sich je gefragt, was das ist – ein „Eierloch“?
Nein, keine Ahnung. Wir rätseln da schon lange in der Band und hoffen nur immer, es ist nichts Unanständiges (lacht). Wissen Sie da Genaueres?

Nicht wirklich. Möglicherweise heißt es ja nur „Eierloch“, weil sich „Eierkopf“ nicht auf „Fang mich doch“ reimt.
Bingo! Gute Erklärung. Die nehmen wir!

Interview: Matthias Halbig

Konzerttipp

Das Konzert, das Deine Freunde am Sonntag, 31. Januar um 16.30 Uhr im Kulturzentrum Pavillon, Lister Meile 4, geben, ist bereits ausverkauft. Auch für die Konzerte in Berlin (5. Februar), Dresden (7. Februar) und Kiel (12. Februar) gibt es keine Karten mehr. Für Hannover steht jetzt allerdings schon ein neuer Termin fest: Am 11. Dezember 2016 kommen Deine Freunde wieder in den Pavillon: Tickets für die „Gebt uns eure Kinder“-Show sind im Vorverkauf erhältlich. Noch.    

Zur Person

Florian Sump (34) war Schlagzeuger der Flensburger Teenieband Echt. Mit Lukas Nimscheck (Tigerenten Club, 27) und Markus Pauli (Tour-DJ, Fettes Brot, 37) gründete er 2012 die Kindermusik-Band Deine Freunde. Seither erschienen die Alben „Ausm Häuschen“ (2012), „Heile Welt“ (2014) und „Kindsköpfe“ (2015) sowie die DVD „Deine Freunde – Live von der Reeperbahn“ (2015). Sump ist im November Vater von Carlo geworden.

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