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Kultur Frisches Blut für Pitcairn Island
Nachrichten Kultur Frisches Blut für Pitcairn Island
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18:13 14.10.2016
Dennis Gastmann im Pavillon. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Vielleicht war es ein bisschen wie Nachhausekommen. Dennis Gastmann hat am Donnerstag im Pavillon gelesen - und Hannover ist dem aus Osnabrück stammenden, in Hamburg lebenden Journalisten, Moderator und Reiseschriftsteller sehr vertraut. Hat er hier doch vor Jahren im Funkhaus unter anderem in der Radio-Niedersachsen-Frühschicht morgens noch vor fünf die Polizeimeldungen zusammentelefoniert. Sein neues Buch allerdings handelt eher vom Wegfahren als vom Ankommen. Es heißt „Atlas der unentdeckten Länder“.

Die Lesung im kleinen Saal des Pavillons beginnt mit einem Filmchen. Gastmann ist mit der Fernsehserie „Mit 80 000 Fragen um die Welt“ populär geworden, darin hat er bedeutsame Problematiken erörtert, etwa die, wie es sich anfühlt, „voll wie tausend Russen“ zu sein.

Service

Dennis Gastmann: „Atlas der unentdeckten Länder“. Rowohlt Berlin. 272 Seiten, 19.95 Euro.

Eine ganz gewöhnliche Wasserglaslesung ist es also nicht. Gastmann zeigt zwischendurch immer wieder Fotos auf der Leinwand hinter ihm, von tropischen Inseln und altsowjetischen Lenin-Denkmälern. Dazwischen plaudert er, erzählt Anekdoten - auf eine vergnügliche, intelligente Weise, die so leicht und mit einem so schwebenden Humor daherkommt, dass man erst am Tag danach merkt, wie tief sie geht.

Wobei das Publikum ein wenig schwerfällig ist an diesem Abend. Der Grund ist unklar, vielleicht ist es der halbverdrängte Zweitliga-Blues, der irgendwie immer noch durch die Stadt weht. An Gastmann kann es jedenfalls nicht liegen.

Denn seine Geschichten vom Besuch auf Pitcairn Island im Pazifik, der Insel mit den Nachfahren der Bounty-Meuterer, die sich von Besuchern immer etwas frisches Blut erhoffen (wegen der Inzucht), klingen ebenso spannend und lebendig wie die Berichte vom Besuch in den verborgenen und vergessen Ländereien im ehemaligen UdSSR-Gebiet. Als da wären: Karakalpakstan, wo man mit der Berufsbezeichnung Terrorist leichter einreisen kann als mit der Berufsbezeichnung Journalist. Oder Transnistrien, wo das größte Flaschenmuseum der Welt steht. Was wieder an die Wodka-Frage anschließt.

Und noch schöner ist Gastmanns Erkundung von Ra’s al-Chaima, einem der arabischen Emirate. Wo er an der Hotelrezeption erfuhr, dass es sich mitnichten um ein unentdecktes Land handelt, mit zwei Millionen deutschen Touristen pro Jahr. Allerdings sehen die nur Strand und Meer. Während Dennis Gastmann doch noch ein Geheimnis fand: die Dschinns. Und er erklärt völlig logisch, warum man an Geister einfach glauben muss.

Von Bert Strebe

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