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Dennis Gastmann stellt im Pavillon sein neues Buch vor: „Der vorletzte Samurai. Ein japanisches Abenteuer“

Dennis Gastmann in Japan Dennis Gastmann stellt im Pavillon sein neues Buch vor: „Der vorletzte Samurai. Ein japanisches Abenteuer“

Der Reiseschriftsteller Dennis Gastmann ist ein professioneller Fremder. Jetzt  stellte der im Pavillon sein neues Buch über eine Reise durch Japan vor.

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Den Weg zur Erkenntnis sollte man nicht in Eile zurücklegen: Dennis Gastmann in Japan.

Quelle: © Dennis Gastmann

Hannover.  Dennis Gastmann ist ein professioneller Fremder. Der Reisejournalist war fünf Jahre lang für den NDR im eigenen Format „Mit 80000 Fragen durch die Welt“ unterwegs, bevor er sich aufs Bücherschreiben konzentrierte. Dabei geht es ihm stets um ein subjektives Entdecken ganz nah am Autobiografischen, stets auf der Schwelle zum Abenteuerroman. Im Pavillon stellt er jetzt sein neues Buch über Japan vor: „Der vorletzte Samurai“. Einen Sommer lang durchstreifte Gastmann den Inselstaat. Persönlich wird die Sache für ihn durch die Begleitung seiner Frau Natsumi, deren Mutter aus einer alten Samurai-Familie stammt, während ihr Vater vom Bodensee kommt. Sie ist seine Übersetzerin zwischen den Welten.

Doch so sehr Gastmann auch immer wieder betont, es gehe ihm ums Verstehen des wirklichen Japan jenseits der Klischees, so sehr genießt er es, Widersprüche möglichst bunt und spektakulär zuzuspitzen. Er zeigt kurze Filmsequenzen und Fotos und liest kleine Abschnitte. Vor allem aber erzählt er Geschichten: nett, lächelnd, säuselnd – er wäre der perfekte Partygast.

Die Schlagworte, mit denen er Japan vorstellt, klingen vertraut. „Zwischen Ordnung und Anarchie, Besessenheit und Zen“, beschreibt Gastmann das Land nicht als erster. Manche Vorurteile vermag er aufzulösen. Dass man in Japan gebrauchte Höschen in Verkaufsautomaten finde, sei zum Beispiel eine Legende. Zwar komme auf jeden fünften Einwohner ein Automat. Die hielten bisweilen auch Wechselunterwäsche bereit. „Alles andere widerspräche jedoch dem japanischen Drang nach Reinheit und Hygiene“, sagt Gastmann

Er arbeitet mit lebendigen, greifbaren Bildern. Wenn er beschreibt, wie es ist, sich in Tokyo zwischen Menschenmassen und Sinneseindrücken zu verlieren, kommt den Zuhörern seine Überforderung nahe. Manchmal trägt er dabei jedoch auch zu dick auf. Dann wirken seine Schilderungen zu konstruiert, zu wortverliebt. Wenn er zum Beispiel vom Robotercafé im Rotlichtbezirk erzählt, genießt er vor allem dessen schrillen Exotismus.

Zugleich behauptet er ständig, das sei eigentlich gar nicht das wahre Japan. Das ist Gastmanns eigentliches Problem: Das Fremde ist in seiner Fremdheit viel zu reizvoll, um es als profanen Alltag zu entlarven. Seine Bücher leben vom Zauber des Anderen. Er vermag zwar mit Hilfe seiner Frau einen liebevollen Blick auf das Land zu werfen. Die Klischees kann und will er dabei aber gar nicht vermeiden. „Japan mäandert, vielleicht ergibt es gar keinen Sinn – man kann es lieben, aber nicht verstehen“, resümiert Gastmann. Das wirkt beliebig – eigentlich könnte er es über jedes bereiste Land sagen.

Am Mittwoch, 21. Februar, um 20 Uhr berichtet Arved Fuchs im Pavillon von Reisen nach Feuerland und in die Antarktis.

Von Thomas Kaestle

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