Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur „Der Freischütz“ wie aus dem Lehrbuch
Nachrichten Kultur „Der Freischütz“ wie aus dem Lehrbuch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 06.03.2017
Von Stefan Arndt
„Freischütz“-Produktionen vom Theater für Niedersachsen. Quelle: Westhoff
Anzeige
Hildesheim

Es kann ja inzwischen auch in der Oper vorkommen, dass man ein Stück vor lauter Regieeinfällen kaum wiedererkennt. Und je bekannter ein Werk, desto größer können die Verfremdungseffekte sein: Das war vor anderthalb Jahren auch bei der hannoverschen „Freischütz“-Inszenierung von Kay Voges zu erleben. Der Regisseur hat die Bühne so gründlich mit bizarren, lustigen, sonderbaren und verrückten Bildern geflutet, dass von biedermeierlicher Waldeslust und Teufelsschlucht kaum etwas übrig geblieben ist. Das war zwar ein immer unterhaltsames und manchmal auch erhellendes Spektakel. Aber nicht jedem hat das gefallen.

Ein Fürst als Jägermeister

Wer den „Freischütz“ lieber so sehen möchte, wie er ihn schon kennt, ist nun beim Theater für Niedersachsen gut aufgehoben. Regisseur Dominik Wilgenbus hält sich so gewissenhaft an die Vorlage, dass auch wirklich mit veilchenblauer Seide hantiert wird, wenn die Brautjungfern in weißen Kleidern in ihrem Chor davon singen.

Gleichwohl ist die Inszenierung keine Rekonstruktion historischer Aufführungen. Vor allem die Kostüme von Hannes Neumaier setzten auf zeitgenössisches Augenzwinkern, wenn sich etwa der Fürst durch ein Gewand in Jägermeister-Orange als oberster Dienstherr der Waidmänner ausweist. Und auch Wilgenbus leistet sich einige Freiheiten: Es gibt mal Kasperltheater, mal eine hölzerne Himmelsleiter und der Teufel Samiel (Gotthard Hauschild) darf viel häufiger und sichtbarer als im Libretto vorgesehen seine Fallstricke ziehen.

Theaterbesuch erinnert an die Lektüre eines Lehrbuchs

Jeder Zusatz dient aber vor allem der Verdeutlichung der bekannten Handlung. Neue Aspekte der alten Geschichte sucht man in Hildesheim eher nicht. So erinnert der Theaterbesuch an die Lektüre eines Lehrbuchs. Möglich, dass ein fabulierender Roman oder ein verrätselter Vers lebendiger und auch interessanter erscheinen können. Aber alles ist richtig und korrekt.

Das gilt weitgehend auch für die Musik. Das Orchester des TfN leistet sich zwar einige Unsauberkeiten, hat aber auch - etwa beim Bratschen-Solo in der „Basen“-Arie - seine starken Momente. Dirigent Werner Seitzer, der sich zum Ende der Saison nach mehr als drei Jahrzehnten im Amt als Generalmusikdirektor verabschiedet, agiert auch in seiner vorletzten Produktion mit Schwung und Übersicht.

Seitzer hat zudem ein Ensemble aufgebaut, das nicht nur beim Singen hörenswert ist - die gesprochenen deutschen Dialoge gehen den Sängern hier flüssig und akzentfrei über die Lippen. Und nicht überall erlebt man einen so kraftvollen aber weich phrasierenden Max wie den von Konstantinos Klironomos. Am Ende gibt es viel Beifall. Zu Widerspruch gibt es ja auch keinen Grund.

Termine: Am Sonntag, 12. März, 16 Uhr spielt das TfN den „Freischütz“ im Theater am Aegi, am 16. März, 17. April sowie am 5. und 12. Mai im Stadttheater Hildesheim.

Ein Jahr lang gab es keine neue Musik von Ed Sheeran. Jetzt ist der Brite wieder da – und wie! Am Freitag meldet er sich mit neuem Album zurück und bricht bereits vorab Rekorde.

03.03.2017

Die Kunst des kollektiven Kuratierens: Drei Monate vor dem Start präsentieren die Macher von "Made in Germany" erste Pläne - und demonstrieren einen neuen Korpsgeist für Hannover

Daniel Alexander Schacht 05.03.2017

Der Schriftsteller Tilman Rammstedt bekommt den mit 15.000 Euro dotierten Preis der Literatour Nord. Rammstedt, Bachmann-Preisträger und eine zeitlang auch virtueller Stadtschreiber in Oldenburg, wird unter anderem für seinen 2016 erschienenen Roman "Morgen mehr" ausgezeichnet.

02.03.2017
Anzeige