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„Der Freischütz“ wie aus dem Lehrbuch

Theater für Niedersachsen „Der Freischütz“ wie aus dem Lehrbuch

In veilchenblauer Seide: Das Theater für Niedersachsen zeigt Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“. Neue Aspekte der alten Geschichte sucht man in Hildesheim allerdings nicht. So erinnert der Theaterbesuch an die Lektüre eines Lehrbuchs.

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„Freischütz“-Produktionen vom Theater für Niedersachsen.

Quelle: Westhoff

Hildesheim. Es kann ja inzwischen auch in der Oper vorkommen, dass man ein Stück vor lauter Regieeinfällen kaum wiedererkennt. Und je bekannter ein Werk, desto größer können die Verfremdungseffekte sein: Das war vor anderthalb Jahren auch bei der hannoverschen „Freischütz“-Inszenierung von Kay Voges zu erleben. Der Regisseur hat die Bühne so gründlich mit bizarren, lustigen, sonderbaren und verrückten Bildern geflutet, dass von biedermeierlicher Waldeslust und Teufelsschlucht kaum etwas übrig geblieben ist. Das war zwar ein immer unterhaltsames und manchmal auch erhellendes Spektakel. Aber nicht jedem hat das gefallen.

Ein Fürst als Jägermeister

Wer den „Freischütz“ lieber so sehen möchte, wie er ihn schon kennt, ist nun beim Theater für Niedersachsen gut aufgehoben. Regisseur Dominik Wilgenbus hält sich so gewissenhaft an die Vorlage, dass auch wirklich mit veilchenblauer Seide hantiert wird, wenn die Brautjungfern in weißen Kleidern in ihrem Chor davon singen.

Gleichwohl ist die Inszenierung keine Rekonstruktion historischer Aufführungen. Vor allem die Kostüme von Hannes Neumaier setzten auf zeitgenössisches Augenzwinkern, wenn sich etwa der Fürst durch ein Gewand in Jägermeister-Orange als oberster Dienstherr der Waidmänner ausweist. Und auch Wilgenbus leistet sich einige Freiheiten: Es gibt mal Kasperltheater, mal eine hölzerne Himmelsleiter und der Teufel Samiel (Gotthard Hauschild) darf viel häufiger und sichtbarer als im Libretto vorgesehen seine Fallstricke ziehen.

Theaterbesuch erinnert an die Lektüre eines Lehrbuchs

Jeder Zusatz dient aber vor allem der Verdeutlichung der bekannten Handlung. Neue Aspekte der alten Geschichte sucht man in Hildesheim eher nicht. So erinnert der Theaterbesuch an die Lektüre eines Lehrbuchs. Möglich, dass ein fabulierender Roman oder ein verrätselter Vers lebendiger und auch interessanter erscheinen können. Aber alles ist richtig und korrekt.

Das gilt weitgehend auch für die Musik. Das Orchester des TfN leistet sich zwar einige Unsauberkeiten, hat aber auch - etwa beim Bratschen-Solo in der „Basen“-Arie - seine starken Momente. Dirigent Werner Seitzer, der sich zum Ende der Saison nach mehr als drei Jahrzehnten im Amt als Generalmusikdirektor verabschiedet, agiert auch in seiner vorletzten Produktion mit Schwung und Übersicht.

Seitzer hat zudem ein Ensemble aufgebaut, das nicht nur beim Singen hörenswert ist - die gesprochenen deutschen Dialoge gehen den Sängern hier flüssig und akzentfrei über die Lippen. Und nicht überall erlebt man einen so kraftvollen aber weich phrasierenden Max wie den von Konstantinos Klironomos. Am Ende gibt es viel Beifall. Zu Widerspruch gibt es ja auch keinen Grund.

Termine: Am Sonntag, 12. März, 16 Uhr spielt das TfN den „Freischütz“ im Theater am Aegi, am 16. März, 17. April sowie am 5. und 12. Mai im Stadttheater Hildesheim.

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