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"Der Freischütz" hat am Sonnabend Premiere

Staatsoper Hannover "Der Freischütz" hat am Sonnabend Premiere

Die Staatsoper Hannover zeit ab Sonnabend Kay Voges Inszenierung von „Der Freischütz“. Voxi Bärenklau, langjähriger Mitarbeiter von Christoph Schlingensief, ist bei der düsteren deutschen Nationaloper für die Videos verantwortlich. 

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„Die Leute sind zwar ins Kino gerannt – aber sie sind nicht lange dringeblieben“: Voxi Bärenklau.

Quelle: Hagemann

Hannover. Seine erste Arbeit an der Oper war ein Erlebnis. Allerdings kein gutes: Der Kameramann und Videodesigner Voxi Bärenklau war an vorderster Front dabei, als Christoph Schlingensief 2004 bei den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen den „Parsifal“ inszenierte. Für Bärenklau war das zwar der künstlerische Höhepunkt seiner langjährigen gemeinsamen Arbeit mit dem 2010 gestorbenen Schlingensief. Vor allem aber unglaublich viel Stress. „Für mich war es die höchste Strafe in meinem Leben“, sagt der Künstler, der eigentlich schlicht Volker mit Vornamen heißt. Bei der Arbeit sei es von Beginn an zu einer „starken Konfrontation“ mit der Familie Wagner gekommen, die alle Beteiligten „unglaublich viel Kraft“ gekostet habe.

Das Resultat war eines der erstaunlichsten Opernspektakel, das Bayreuth je erlebt hatte. Der „Parsifal“ polarisierte viel stärker, als Operninszenierungen es gewöhnlich tun. Er hatte begeisterte Anhänger und wild entschlossene Gegner, zu denen allerdings auch die Festspielleitung gehörte: Nach der ungewöhnlich kurzen Zeit von vier Jahren wurde die Produktion auf dem Grünen Hügel abgesetzt. Dokumentiert wurde die Arbeit nicht: Die Wagners untersagten jedwede Aufzeichnung dieser Inszenierung. In Erinnerung bleibt sie trotzdem – unter anderem wegen der symbiotischen Verbindung von Szene und Videoprojektionen, die seither eng mit dem Namen Voxi Bärenklau verbunden ist.

Zuschauer erwartet düstere deutsche Nationaloper

Nun kehrt der Künstler erstmals wieder an ein Opernhaus zurück: In Hannover sorgt er für die Videos bei Kay Voges Inszenierung von „Der Freischütz“, die am Sonnabend Premiere hat. Regisseur Voges ist für Bärenklau der „Bruder im Geist“, dem er nach dem Tod von Schlingensief lange gesucht hat. „Er ist jemand, der ähnlich denkt wie ich und stark filmisch arbeitet.“

So gesehen klingt es fast wie eine Drohung, wenn Bärenklau sagt, für den „Freischütz“, der ja schon im Original voll von unheilverkündenen Bildern und Symbolen, von düsteren Sinnestäuschungen und Schreckgespenstern ist, für diese düstere deutsche Nationaloper also habe man sich „Großes“ vorgenommen und werde ein „Feuerwerk von Ideen“ zünden. Denn harmlose Floskeln waren nie die Sache von Schlingensief und seinem Team. Sie trieben die Dinge gern bis zur Schmerzgrenze und manchmal auch darüber hinaus.

Bärenklau war von Beginn an bei Schlingensiefs Arbeiten dabei – zunächst als Kameramann. Gemeinsam mit seinem Studienfreund von der Offenbacher Hochschule für Gestaltung führte er die Kamera bei berüchtigten Filmen wie „Das deutsche Kettensägenmassaker“, „Die letzten Tage im Führerbunker“ oder „United Trash“. „Irgendwann hat Christoph gemerkt, dass er als Filmemacher nicht besonders erfolgreich ist“, erzählt Bärenklau. „Die Leute sind zwar ins Kino gerannt – aber sie sind nicht lange dringeblieben.“

Als eine Anfrage von der Berliner Volksbühne kam, zögerte Schlingensief nicht lange. Er wechselte ans Theater. „Da dachte ich, die Zusammenarbeit ist vorbei, und ich bleibe beim Film“, so Bärenklau. Alleine zurückgeblieben musste er allerdings möglichst verschweigen, dass er je mit Schlingensief gearbeitet hatte. „Sonst hätte ich nur schwer Jobs bekommen.“ So aber drehte er Kinofilme mit Helge Schneider und Martin Scorsese und arbeitete unter anderem mit Folgen der „Soko Wismar“ und dem Mehrteiler „Contergan“ hochseriös fürs Fernsehen.

"Der Freischütz" hat am Sonnabend Premiere

Doch Schlingensief hielt es nicht lange ohne seinen Bildererfinder aus. Er holte Bärenklau zunächst als Lichtdesigner an die Volksbühne, wo sie gemeinsam einen stark von Videoprojektionen geprägten Theaterstil entwickelten, der sie schließlich nach Bayreuth führte. „Als wir dort ankamen, verkündete uns Wolfgang Wagner zuerst, dass wir keine Videos auf der Bayreuther Bühne zeigen dürfen“, erinnert sich Bärenklau. Es war der Beginn der Konfrontation, die Schlingensief zwischenzeitlich in die Nervenklinik beförderte und bei Bärenklau regelmäßig Fluchtreflexe auslöste.

Am Ende waren dann aber doch viele wilde Videos von halbnackten afrikanischen Medizinmännern und verwesenden Hasen in Bayreuth zu sehen. In Hannover, versichert Bärenklau, verlaufe die Arbeit sehr friedlich.

„Der Freischütz“ hat am Sonnabend um 19.30 Uhr an der Staatsoper Hannover Premiere, Karen Kamensek dirigiert. Kartentelefon: (05 11) 99 99 11 11.     

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