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Kultur Heute beginnen die Wertungsvorspiele
Nachrichten Kultur Heute beginnen die Wertungsvorspiele
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00:15 30.09.2015
Von Stefan Arndt
Solistische Ehrenrunde: Dami Kim beim Eröffnungskonzert des Joseph-Joachim-Violinwettbewerbs im großen NDR-Sendesaal. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Streng genommen hat der neunte Internationale Joseph-Joachim-Violinwettbewerb mit der offiziellen Eröffnung am Donnerstag noch gar nicht richtig begonnen. Schließlich konnten die Teilnehmer entspannt zuhören – ihre Wertungsvorspiele beginnen erst am Sonntagnachmittag. Trotzdem wurde schon in der Pause des Eröffnungskonzertes mit der NDR Radiophilharmonie auffällig oft die Frage diskutiert, die Hannovers Musikwelt in den kommenden zwei Wochen dauerhaft beschäftigen wird: Wer ist hier der bessere Geiger? Bei der letzten Wettbewerbsausgabe vor drei Jahren gab es darauf nämlich keine eindeutige Antwort: Gleich zwei Geigerinnen wurden damals gleichberechtigt mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Und darum konnten nun sowohl Dami Kim als auch Alexandra Conunova eine solistische Ehrenrunde im Funkhaus drehen.

Hier können Sie die Wettbewerbe live sehen

Diese Doppelbesetzung ermöglichte einen vertieften Blick in eine abgelegene Repertoiregegend. Sergei Prokofjews Violinkonzerte sind ohnehin nicht oft zu hören; alle beiden Stücke in einem Konzert kann man so gut wie nie erleben. Dabei lohnt es sich sehr, zweimal hinzuschauen. Die Werke, die im Abstand von 20 Jahren entstanden sind, wirken in der Gegenüberstellung noch interessanter. Es ist faszinierend, wie sich die grundsätzlich ähnliche Sprache beim späteren Werk entwickelt hat: Während die Melodik einfacher wird, erscheinen Satz und Struktur komplexer. Im zweiten Konzert tritt die Solostimme stärker mit dem Orchester in Dialog, während sie im ersten als Virtuosin glänzt.

Die Koreanerin Dami Kim poliert die Läufe und Triller im ersten Konzert dann auch mit silberhellem Ton auf, während die unter anderem in Hannover ausgebildete Alexandra Conunova mit charaktervollem Klang den Tongesprächen des zweiten Konzertes Sinn und Leben eingibt. Welche von diesen beiden sehr unterschiedlichen Geigerinnen die bessere sein mag, ist da eine müßige Frage: Beide sind bereits starke musikalische Persönlichkeiten, denen man gern zuhört.

Detailschärfe, musikalische Stringenz

Das gilt natürlich auch für den dritten Spitzengeiger des Abends: Andrew Manze, inzwischen Chefdirigent der Radiophilharmonie, versetzt das hannoversche Publikum bereits regelmäßig in Begeisterung. Beethovens fünfte Sinfonie, die nach der Pause erklang, ist dafür eine perfekte Vorlage. Schon im berühmten ersten Satz konnte man hören, was Manzes gesamten Beethoven-Zyklus bislang auszeichnet: Detailschärfe, musikalische Stringenz und ein sehr farbiger, oft erstaunlich breiter Klang. Die Radiophilharmoniker haben dafür teilweise die altgewohnten Instrumente beiseitegelegt und bedienen nun Schraubenpauken, Naturtrompeten und sogar eng mensurierte Posaunen, wie sie zur Entstehungszeit der Sinfonie in Gebrauch waren.

Es zahlt sich aus, dass der Dirigent sich gestenreich um jede einzelne Note zu bemühen scheint: Es bleiben keine Zweifel, dass diese Musik hier wertgeschätzt und nur mit höchstem Einsatz gespielt wird. Und wenn Akkorde oder sogar einzelne Töne nahtlos durch das Orchester wandern und dabei Farbe oder Gewicht ändern, gelingen Manze sogar noch Überraschungsmomente in dem allgemein bekannten Werk. Tosender Applaus.

Am Sonntag um 17 Uhr startet die erste Wettbewerbsrunde im Richard-Jacoby-Saal der Musikhochschule: Alle 38 Teilnehmer spielen jeweils ein Solostück von Bach und Ysaye sowie die „Romanze“ von Joseph Joachim. Bereits um 15 Uhr gibt es eine Podiumsdiskussion zum Thema Wettbewerbe und Musikvermittlung. Die weiteren Auftritte dieser Vorrunde sind Montag und Dienstag jeweils ab 10 Uhr und 17 Uhr.

Der Internationale Violinwettbewerb Hannover erinnert an den Geiger Joseph Joachim (1831–1907), der in Hannover seine Karriere startete. Der von der Stiftung Niedersachsen getragene Wettbewerb ist der höchstdotierte der Welt. Er wurde 1989 von Krzysztof Wegrzyn initiiert, der bis heute künstlerischer Leiter ist. In diesem Jahr bewertet eine neunköpfige Jury Teilnehmer aus 14 verschiedenen Ländern. Aus Deutschland kommen drei von 38 angetretenen Geigern – etliche studieren aber an der hannoverschen Musikhochschule. Insgesamt gibt es Preisgelder in Höhe von 140.000 Euro.

Über einen Teil davon können die Zuhörer entscheiden: Nach den beiden Finalkonzerten am 8. und 9. Oktober wird ein Publikumspreis vergeben, bereits am 7. Oktober kann das Livestream-Publikum online über die Vergabe des Community Award abstimmen. Der Wettbewerb endet mit einem Galakonzert am 10. Oktober. Karten für alle Veranstaltungen unter (05 11) 16 84 12 22.

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