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Kultur Der Kunstkritiker Ludwig Zerull ist gestorben
Nachrichten Kultur Der Kunstkritiker Ludwig Zerull ist gestorben
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20:20 11.01.2011
Mit nüchterner Genauigkeit und unprätentiöser Anschaulichkeit: Der Kunsterklärer Ludwig Zerull in der Galerie vom Zufall und vom Glück. Quelle: Christian Behrens

Im Straßenbild der hannoverschen Altstadt wird der hochgewachsene, lockenkopfige, gemächliche Radfahrer fehlen, einigen Kneipen der nachmittägliche, mäßige Biertrinker, der viele seiner Manuskripte an der Theke verfasste – Ludwig Zerull ist tot, er starb am Montag an den Folgen eines Schlaganfalls, den er in der Nacht nach seinem 69. Geburtstag am 5. Januar erlitt.

Seine Talente und seine Tätigkeiten waren sonder Zahl. In den letzten Jahren galten sie insbesondere der zuerst von der niedersächsischen Lottostiftung ­betriebenen Galerie, die dieser Geldquelle wegen und nicht ohne ironischen Hintersinn „Galerie vom Zufall und vom Glück“ heißt. Deren Programm: die Ausstellung von Werken niedersächsischer Künstler (dies im weitesten Sinne des Wortes).

Als Eröffnungsredner von Ausstellungen in Hannover, in Berlin und überall im Lande war Zerull sehr gefragt: wegen der nüchternen Genauigkeit und der unprätentiösen Anschaulichkeit seiner Reden. Das kennzeichnete auch seine zahlreichen Artikel über bildende Kunst, Literatur, Theater, geschrieben für die Monatszeitschrift „Theater heute“ und vor allem für diese Zeitung.

Ludwig Zerull, am 5. Januar 1942 im ostpreußischen Starogard geboren, mit den Eltern 1945 von dort geflohen, gelangte Anfang der fünfziger Jahre nach Hannover, in die altstädtische Knochenhauerstraße, wo er fast sechs Jahrzehnte, bis ans Lebensende, wohnte. Er absolvierte das Ratsgymnasium (nicht als Musterschüler) und studierte Malerei und Kunstpädagogik an der Braunschweiger Kunsthochschule. Gemalt hat er bis ans Lebensende, großformatige gegenständliche Bilder mit ungewöhnlichen Perspektiven. Von 1969 an redigierte er zehn Jahre lang einfallsreich die Zeitschrift „Kunst + Unterricht“. Seine Neigung fürs Theater praktizierte er in der Spielzeit 1978/79 in Nürnberg als Dramaturg sowie von 1988 bis 1989 als leitender Bühnenbildner im westfälischen Münster.

Zerull beriet die Niedersächsische Sparkassen- und Girozentrale beim Kunstankauf, er schrieb viele Gutachten über freie Theater und bewegte so den Fluss der Mittel, die durch die Lottostiftung verteilt wurden. Und er schrieb Bücher. Unter seinen Veröffentlichungen finden sich Monografien über die Maler Franz Belting, Karl Schaper und Peter Besseler, dazu das Buch zum zweiten hannoverschen Straßenkunstprogramm von 1992 „Kunst ohne Dach“.
In der Kulturszene der Stadt hinterlässt Ludwig Zerull, dessen Kleidungsstil sich nie am gängigen Dramaturgenschwarz orientierte, eine Lücke. Wer es mit ihm zu tun hatte, hatte es mit Kunst und mit einem Künstler zu tun. Das merkte schon, wer versuchte, ihn anzurufen und an seinen Anrufbeantworter geriet. Anders als andere Maschinen, die nur die Abwesenheit des Angerufenen bekunden, gab es hier detaillierte Informationen über den derzeitigen Aufenthaltsort des Abwesenden: „Ich bin gerade in der Markthalle, um dort einen Kaffee zu trinken.“

Seinen Freunden wird Ludwig Zerull sehr fehlen; sie müssen hinfort seine Gastlichkeit, seine Generosität, die abendlichen und nächtlichen Gespräche mit ihm missen. Ludwig Zerull, der Einmalige, ist unersetzlich.

Henning Rischbieter gründete 1960 die Fachzeitschrift „Theater heute“.

Henning Rischbieter

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