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00:02 30.09.2016
Giada Zanotti, Lilit Hakobyan und Keren Leimann (von vorn nach hinten) bei Proben zu „Schubert“ von Jörg Mannes. Quelle: Gert Weigelt
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Hannover

Hübsch war er nicht, dieser Franz Schubert. Ein rundlicher Mann mit dicken Brillengläsern, nur 1,56 Meter groß. Dunkel gekleidet in Gehrock und Zylinder, wie im frühen 19. Jahrhundert üblich, ging er durch die Gassen von Wien. Tagsüber zog er sich daheim zurück. Oft in sich gekehrt, sagte er von sich selbst, er sei „für nichts als das Komponieren auf die Welt gekommen“. Nicht Fleiß, sondern Besessenheit trieb ihn, die Noten aufs Papier zu bringen. Musik war sein Leben.

Schon früh hatte Schubert (1797-1828) Begabung bewiesen. Als Fünfjähriger begann er, Geige zu spielen, mit sieben die Orgel. Er war ein fröhliches Kind mit einer schönen Singstimme. Als Sängerknabe der Wiener Hofmusikkapelle wurde er Konviktschüler. Franz genoss die vielfältigen Anregungen des Musikunterrichts und das Leben unter seinesgleichen. Dort schloss er Freundschaften - auch mit seinem lebenslangen Gefährten Joseph von Spaun. Der acht Jahre Ältere öffnete ihm später die Türen zur Wiener Gesellschaft. Er veranstaltete die Schubertiaden, zwanglose Zusammenkünfte, bei denen sein Freund Franz neue Kompositionen vortrug. Während Schubert seine Tage ganz der Arbeit widmete und mit größter Geschwindigkeit Noten zu Papier brachte, waren die Abende der Geselligkeit vorbehalten. Ständig zog er neue Stücke aus der Tasche, die er spielte. Und nicht selten hörte er sie dabei selbst zum ersten Mal. Schuberts finanzielle Situation war meist prekär. Oft hatte er kaum Tisch und Bett, lebte bei Freunden, nicht immer gab es ein Klavier.

Schubert konnte ein guter Gesellschafter sein. Man hörte ihm gerne zu, vor allem wenn er selbst oder befreundete Sänger seine Lieder zum Besten gaben. Aber Schubert wollte mit seiner Musik nicht unterhalten. Er war ein Suchender, der hinter die Oberfläche blickte, der sein Ziel jenseits des Horizonts erfassen wollte. So brüskierte er die Zuhörer immer wieder mit dunklen Visionen, ungewohnten Klängen. Schroffe Wechsel lagen auch in seinem Naturell. War er eben noch das liebenswerte „Schwammerl“, wie ihn manche nannten, konnte er gleich abweisend werden und brütend in sich selbst versinken. Aber die meisten seiner Gefährten wussten ihn zu nehmen, wie er war.

Seinem engen Kreis blieb Schubert sein kurzes Leben lang verhaftet. Kaum kam er über sein Stadtviertel hinaus - und doch ist es der Wanderer, der sich durch sein gesamtes musikalisches Schaffen zieht. Nicht nur in seinen Liederzyklen „Die schöne Müllerin“ und „Winterreise“ oder in seiner „Wandererfantasie“ für Klavier wird der Wanderer direkt benannt, selbst in seinen Sinfonien klingt er an. Dabei sind es ganz eigene, andersartige Rhythmen, die wenig mit dem tatsächlichen Gehen gemein haben. Es ist der Rhythmus unruhiger Herzen, der Sehnsucht, des Suchens.

Vielleicht ist es das Gefühl der Heimatlosigkeit, das in Schuberts Kompositionen eingeschrieben ist, was uns heute zutiefst berührt. Immer wieder transzendiert seine Musik den Zustand des Getriebenseins, der Trauer und Klage in eine unerklärliche Heiterkeit und Schönheit jenseits der Realität. Sein Werk ist erfüllt von Sehnsucht. Eine lebenslange Suche nach Licht hinter der Trostlosigkeit.Brigitte Knöß

SCHUBERT

Ballett von Jörg Mannes

Musik von Franz Schubert und Luciano Berio

Choreografie: Jörg Mannes

Musikalische Leitung: Daniel Klein

Bühne: Thomas Rupert

Kostüme: Rosa Ana Chanzá

Licht: Elana Siberski

Dramaturgie: Brigitte Knöß

Ballett der Staatsoper Hannover

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

Klavier: Daniel Klein, Maxime Perrin / Alexander Ruef

Bariton: Stefan Adam / Matthias Winckhler

Uraufführung am 1. Oktober

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