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Der Tiefkühlkomödie „Arschkalt“ fehlt die nötige Wärme

Die Gefrosteten Der Tiefkühlkomödie „Arschkalt“ fehlt die nötige Wärme

Ein Eisberg taut auf: In der Komödie „Arschkalt“ versucht sich ein emotional verschlossener Mann wieder zu öffnen – ausgerechnet ein Tiefkühllieferant. Die Geschichte des Films bleibt ein kühl durchdachtes Konstrukt.

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Die drei von der Kühlkost: Moerer, Lieke van der Stock und Berg.

Quelle: NFP

Nicht die Kälte des Eiswürfels geht in den Wodka über, sondern die Wärme des Wodkas in den ­Eiswürfel.“ Tiefkühlkostlieferant Berg (Herbert Knaup) weiß, wovon er spricht. Schließlich hat er sein halbes Leben mit Eis, Frost und Kälte verbracht; früher als selbstständiger Fabrikant, jetzt als Tiefkühlkostlieferant. Im Laufe der Jahre ist der zynische Melancholiker allerdings seinem eigenen Werkstoff zum Opfer gefallen. Berg, Hauptfigur in André Erkaus neuer Komödie „Arschkalt“, ist eingefroren. Zumindest emotional.

In seiner Geschichte will Regisseur und Drehbuchautor Erkau („Selbstgespräche“) einem erkalteten Mann die Möglichkeit geben, wieder aufzutauen. Ob sich das Wagnis lohne, sich wieder zu öffnen, sei die Kernfrage des Films, sagt der 42-jährige Filmemacher. Dass Erkau damit ausgerechnet einen Tiefkühlkostlieferanten konfrontiert, ist die erste schöne Idee der als Tragikomödie angelegten Erzählung. Die zweite ist die Besetzung der Hauptrolle mit Herbert Knaup (zuletzt im SAT.1-Film „Marco W. – 247 Tage im türkischen Gefängnis“ zu sehen), dem mit seiner von der Natur gegebenen knorrigen Art die Rolle des frustrierten Misanthropen quasi auf den Leib geschrieben ist. Die Geschichte ­dazwischen bleibt allerdings ein kühl durchdachtes Konstrukt.

Am 21. Juli startet die deutsche Komödie „Arschkalt“ mit Herbert Knaup, Johannes Allmayer und Elke Winkens in den Kinos.

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Lustlos liefert Berg seinen Kunden ­irgendwo im norddeutschen Niemandsland tagtäglich Pangasiusfilet, Krabben oder Fischstäbchen an die Haustür. Alles geht seinen gewohnten Gang – bis der naive Moerer (Johannes Allmayer) dem Griesgram schließlich als Lehrling zugewiesen wird. Berg, der eigentlich nur seine Ruhe haben will, soll aus dem geschwätzigen Tollpatsch einen erfolgreichen Fahrer machen, so die Forderung der neuen Kühlfirmachefin Lieke van der Stock (Elke Winkens). Bis der Eisklotz Berg schließlich von der Lebensfreude seines neuen Partners gepackt wird und auftaut, kostet ihn der hyperaktive Moerer einige Nerven.

Was folgt, ist eine Dreiecksgeschichte, die sich im Wesentlichen um altbekannte Themen wie Freundschaft und Liebe dreht. Alles schon mal da gewesen, genau wie die zahlreichen Gags dazwischen. Und doch: Das Grundthema Eis gibt „Arschkalt“ das gewisse Etwas. Die Zuschauer erfahren so ganz nebenbei, was sie etwa beim Einfrieren von Lebensmitteln dringend beachten sollten – und das Frost und Eis sich metaphorisch bestens dazu eignen, eigene Existenzwünsche zu äußern. Als Berg nicht mehr drumherum kommt, den nervigen Moerer auf seine Tour mitzunehmen, will er ein gefrorenes Fischstäbchen sein. „Früher oder später würde ich in der Pfanne landen, aber bis dahin hätte ich wenigstens meine Ruhe.“

Wie schon in seinem ersten Projekt, der Callcenter-Geschichte „Selbstgespräche“, stellt Regisseur André Erkau auch in „Arschkalt“ wieder Ort und Handlung in einen sinnbildlichen Zusammenhang. Das ist die größte Stärke, aber auch die größte Schwäche des Films. Zwar halten die Themen Frost und Eis „Arschkalt“ zusammen. Doch die angepasste Handlung wirkt dadurch an vielen Stellen zu sehr konstruiert. Zum sentimentalen Ende hin hat es Berg geschafft aufzutauen. Besonders warm ums Herz wird es dem Zuschauer dabei aber nicht.

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