Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Der Tiefkühlkomödie „Arschkalt“ fehlt die nötige Wärme
Nachrichten Kultur Der Tiefkühlkomödie „Arschkalt“ fehlt die nötige Wärme
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:09 21.07.2011
Die drei von der Kühlkost: Moerer, Lieke van der Stock und Berg. Quelle: NFP
Anzeige

Nicht die Kälte des Eiswürfels geht in den Wodka über, sondern die Wärme des Wodkas in den ­Eiswürfel.“ Tiefkühlkostlieferant Berg (Herbert Knaup) weiß, wovon er spricht. Schließlich hat er sein halbes Leben mit Eis, Frost und Kälte verbracht; früher als selbstständiger Fabrikant, jetzt als Tiefkühlkostlieferant. Im Laufe der Jahre ist der zynische Melancholiker allerdings seinem eigenen Werkstoff zum Opfer gefallen. Berg, Hauptfigur in André Erkaus neuer Komödie „Arschkalt“, ist eingefroren. Zumindest emotional.

In seiner Geschichte will Regisseur und Drehbuchautor Erkau („Selbstgespräche“) einem erkalteten Mann die Möglichkeit geben, wieder aufzutauen. Ob sich das Wagnis lohne, sich wieder zu öffnen, sei die Kernfrage des Films, sagt der 42-jährige Filmemacher. Dass Erkau damit ausgerechnet einen Tiefkühlkostlieferanten konfrontiert, ist die erste schöne Idee der als Tragikomödie angelegten Erzählung. Die zweite ist die Besetzung der Hauptrolle mit Herbert Knaup (zuletzt im SAT.1-Film „Marco W. – 247 Tage im türkischen Gefängnis“ zu sehen), dem mit seiner von der Natur gegebenen knorrigen Art die Rolle des frustrierten Misanthropen quasi auf den Leib geschrieben ist. Die Geschichte ­dazwischen bleibt allerdings ein kühl durchdachtes Konstrukt.

Lustlos liefert Berg seinen Kunden ­irgendwo im norddeutschen Niemandsland tagtäglich Pangasiusfilet, Krabben oder Fischstäbchen an die Haustür. Alles geht seinen gewohnten Gang – bis der naive Moerer (Johannes Allmayer) dem Griesgram schließlich als Lehrling zugewiesen wird. Berg, der eigentlich nur seine Ruhe haben will, soll aus dem geschwätzigen Tollpatsch einen erfolgreichen Fahrer machen, so die Forderung der neuen Kühlfirmachefin Lieke van der Stock (Elke Winkens). Bis der Eisklotz Berg schließlich von der Lebensfreude seines neuen Partners gepackt wird und auftaut, kostet ihn der hyperaktive Moerer einige Nerven.

Was folgt, ist eine Dreiecksgeschichte, die sich im Wesentlichen um altbekannte Themen wie Freundschaft und Liebe dreht. Alles schon mal da gewesen, genau wie die zahlreichen Gags dazwischen. Und doch: Das Grundthema Eis gibt „Arschkalt“ das gewisse Etwas. Die Zuschauer erfahren so ganz nebenbei, was sie etwa beim Einfrieren von Lebensmitteln dringend beachten sollten – und das Frost und Eis sich metaphorisch bestens dazu eignen, eigene Existenzwünsche zu äußern. Als Berg nicht mehr drumherum kommt, den nervigen Moerer auf seine Tour mitzunehmen, will er ein gefrorenes Fischstäbchen sein. „Früher oder später würde ich in der Pfanne landen, aber bis dahin hätte ich wenigstens meine Ruhe.“

Wie schon in seinem ersten Projekt, der Callcenter-Geschichte „Selbstgespräche“, stellt Regisseur André Erkau auch in „Arschkalt“ wieder Ort und Handlung in einen sinnbildlichen Zusammenhang. Das ist die größte Stärke, aber auch die größte Schwäche des Films. Zwar halten die Themen Frost und Eis „Arschkalt“ zusammen. Doch die angepasste Handlung wirkt dadurch an vielen Stellen zu sehr konstruiert. Zum sentimentalen Ende hin hat es Berg geschafft aufzutauen. Besonders warm ums Herz wird es dem Zuschauer dabei aber nicht.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts! Das Museum August Kestner in Hannover zeigt, welche Ägypten-Objekte im Krieg verloren gingen – und hofft, dass sich jetzt einige wieder anfinden.

17.02.2014

Regisseure im Filmstar-Fieber: Tarantino hat für "Django Unchained" Kevin Costner angeheuert - bereits der vierte berühmte Schauspieler für den Western. Robert Redford lässt sich dagegen auf einen Polit-Thriller ein und engagiert für "The Company you Keep" Schauspielerkollegen Shia LaBeouf.

20.07.2011

Häuser, Wälder, Fabriken - im „Leeraner Miniaturland“ kann man Ostfriesland im kleinen Maßstab begutachten. Die Ausstellung zeigt Städte wie Leer, Emden oder Aurich im Maßstab 1:87.

Heike Manssen 20.07.2011
Anzeige