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18:39 23.02.2018
Trotzt unerschütterlich allen Widrigkeiten: Candide (Sung-Keun Park) Quelle: thomas m. jauk
Hannover

Wer heute einen Lebenslauf aufsetzt, versäumt nicht, unter persönlichen Stärken Schlagworte anzubringen wie „strukturiertes Arbeiten“, „Kreativität“ oder „Multitasking“. Ohne Zweifel hätte auch Leonard Bernstein all dies für sich in Anspruch nehmen dürfen – dabei war das Wort „Multitasking“ damals noch nicht verbreitet: Er war Klaviervirtuose, engagierter Lehrer, moderierte im Fernsehen Konzerte, die einem Massenpublikum die Besonderheiten aller Arten von Musik näherbrachten. Dazu war er langjähriger Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra, gastierte rund um den Globus bei den bedeutendsten Orchestern und komponierte unvergessliche Musik sowohl für den Konzertsaal als auch für das Broadway-Publikum. Teil seiner „Mission“ war es, neu zu definieren, was „gute“ Musik sein sollte, indem er Brücken baute über die Gräben zwischen klassischer Musik, Musical-Sound, Jazz und Rockmusik. Sein Charisma und seine menschliche Wärme waren legendär; „Lenny“ – wie er liebevoll genannt wurde – war gleichzeitig einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts und ein Humanist, der sich mit seinen Werken und als Musiker für soziale Gerechtigkeit, Bürgerrechte und Frieden in der Welt einsetzte.

2018 ist für Bernstein-Fans ein besonderes Jahr: Seinen 100. Geburtstag begeht die gesamte Musikwelt. Die Staatsoper Hannover hat im Jubiläumsjahr gleich zwei Werke von Bernstein im Programm: Seinen Broadway-Hit „West Side Story“ und seine hochkomische musikalische Satire „Candide“. Beide Stücke sind Plädoyers für Toleranz und Aussöhnung. Während „West Side Story“ bereits seit Oktober 2017 zu sehen ist, ist „Candide“ ab 4. März in fünf Vorstellungen nochmals in Hannover zu erleben. „Volltreffer!“, meinte Stefan Arndt zu „Candide“ in seiner Rezension der Premiere im Oktober 2015: Die Inszenierung an der Staatsoper überzeuge mit einem Staatsorchester Hannover mitten im Bühnenbild und einer Inszenierung von Matthias Davids, der „seit Jahren dafür sorgt, dass sich das Publikum nie unter Niveau amüsieren muss“.

Auf der Grundlage von Voltaires Roman „Candide“ – der eine Replik war auf Gottfried Wilhelm Leibniz’ These, wir lebten in der besten aller möglichen Welten – schickt Bernstein seine Titelfigur auf eine Weltreise. Dabei erlebt er nicht Kunstschätze und Denkmäler, sondern trifft auf Inquisition und Naturkatastrophen, auf die sprichwörtlichen Nepper, Schlepper und Bauernfänger, die seine offene und naive Art ausnutzen. Das Resultat ist eine herrlich absurde „Comic Operetta“: Bernstein verpackt Voltaires Kritik an Willkürherrschaft und religiösem Eifer in einen Mix aus Musical, Operette und lateinamerikanischer Tanzmusik und macht damit aus „Candide“ die beste aller möglichen Operetten: quicklebendig, bissig und intelligent. „Happy Birthday, Lenny!“, wünscht damit die Staatsoper Hannover.

Christopher Baumann

Musikalische Leitung Cameron Burns Inszenierung Matthias Davids Bühne und VideoMathias Fischer-Dieskau Kostüme Susanne Hubrich Choreografie Simon Eichenberger Licht Susanne Reinhardt Choreinstudierung Lorenzo Da Rio Dramaturgie Christopher Baumann

Voltaire/Pangloss u.a. Frank Schneiders Candide Sung-Keun Park Cunegonde Ania Vegry Paquette Carmen Fuggiss Maximilian Wolfgang Schwaiger/Matthias Winckhler Alte Lady Diane Pilcher In weiteren Rollen Daniel Drewes, Jan Viethen u.a.

Chor der Staatsoper Hannover, Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

CANDIDE

Comic Operetta von Leonard Bernstein

Buch von Hugh Wheeler nach dem Roman „Candide oder der Optimismus“ von Voltaire. Gesangstexte von Richard Wilbur, Stephen Sondheim, John Latouche, Lillian Hellmann, Dorothy Parker und Leonard Bernstein. Orchestrierungen von Leonard Bernstein, Hershy Kay und John Mauceri. Deutsch von Stephan Kopf, Zelma und Michael Millard

Wiederaufnahme: 14. März, 19.30 Uhr

CANDIDE

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Buch von Hugh Wheeler nach dem Roman „Candide oder der Optimismus“ von Voltaire. Gesangstexte von Richard Wilbur, Stephen Sondheim, John Latouche, Lillian Hellmann, Dorothy Parker und Leonard Bernstein. Orchestrierungen von Leonard Bernstein, Hershy Kay und John Mauceri. Deutsch von Stephan Kopf, Zelma und Michael Millard

Wiederaufnahme: 14. März, 19.30 Uhr

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