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Kultur So war die Premiere des "Fliegenden Holländers"
Nachrichten Kultur So war die Premiere des "Fliegenden Holländers"
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20:55 12.02.2017
Von Stefan Arndt
Gute Stimmung in Ruinen: Der Seemannschor im Tanz.  Quelle: Jauk
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Hannover

Wagner ist nicht normal. Seine Stoffe sind von mythischer Größe und seine Musik ist berauschend. Vielleicht sind das einige der Gründe, die eine Wagner-Premiere noch immer zu einem Ereignis machen. Auch die erste Aufführung des neuen „Fliegenden Holländers“ an der Staatsoper war nun nicht einfach ausverkauft. Vor der Tür standen auch sehnsüchtig blickende Menschen, die den hereinströmenden Besuchern „Suche Karte“-Schilder entgegenhielten. In Hannover ist das nicht viel anders als in Bayreuth: Bei Wagner gibt es großes Theater schon vor dem ersten Ton.

Da ist es nicht ganz leicht, den gewaltigen Erwartungen gerecht zu werden. An der Staatsoper aber dürften jetzt zumindest auf der musikalischen Seite kaum Wünsche offengeblieben sein: Was aus dem Orchestergraben und von der Bühne tönt, hat durchweg großes Format. Dirigent Ivan Repusic lässt das Staatsorchester schon in der rasant angegangenen Ouvertüre lustvoll aus dem Vollen schöpfen. Markige Blechbläser erheben sich über sehnigem Streicherklang: Trotz des geschlossenen Vorhangs meint man das Geisterschiff des Holländers aus rauer See auftauchen zu sehen. Und dann die Holzbläser, die in wunderbarer Ruhe ihre Melodien aussingen. Es ist nicht zu überhören, dass selbst in dieser düsteren Ballade Liebe und Sehnsucht eine Hauptrolle spielen.

Was macht die Kuh in der Mall?

Schade also, dass man von all dem wenig erkennt, wenn sich schließlich der Vorhang hebt. Regisseur Bernd Mottl und Bühnenbildner Friedrich Eggert lassen das Stück durchgehend (man spielt ohne Pause) in der Ruine einer Shopping-Mall ablaufen. Ob hier ein Krieg oder Naturgewalten gewütet haben, kann man nur ahnen. Vom zerstörten Geländer des ersten Stocks hängt eine tote Kuh, die wohl eher von Gewitter und Sturm als von feindlichen Soldaten dort (de)plaziert wurde. Daneben hat eine blonde Schaufensterpuppe das Zerstörungswerk unbeschadet überstanden und dient dem Steuermann alsbald als Projektionsfigur für die ferne Geliebte.

Pawel Brozek gibt dabei eine lyrische Vorahnung davon, zu welch glühender Intensität sich die Sehnsucht hier steigern kann. Kelly God verleiht ihrer Senta mit klarem und entschiedenem Sopran eine Unbedingtheit, die alle Zweifel des schwarz geschminkten Emo-Teenagers, als den Doey Lüthi sie kostümiert hat, weit hinter sich lässt. Kein Wunder, dass sie ihrem jovialen Vater (Shavleg Armasi ist ein sonorer Darland mit angemessener Schmierigkeit) und dem ungelenken Erik (der robuste Robert Künzli ist hier vom Jäger zum Kammerjäger degradiert) längst entwachsen ist. Der Holländer dagegen ist bei Stefan Adam voller Geheimnis: Dass seine an sich profunde Stimme manchmal gefährdet scheint, passt nur gut zu dieser Figur jenseits aller Normen. Und in schönen Kantilenen kann Adam zeigen, wie groß des Holländers Hoffnung auf Erlösung hier noch einmal ist.

Doch die Szene löst viele dieser vokalen Versprechen oft nur vage ein: Das Streben nach dem großen Konzept scheint manchen kleinen Details im Weg zu stehen. Um aber zu verstehen, dass die Shopping-Mall ein Sinnbild für eine degenerierte moderne Gesellschaft ist, gegen die die unterdrückte Natur nun zurückschlägt, ist es nötig, die Erklärung des Regisseurs im Programmheft lesen - allein durch das szenische Geschehen erschließt sich das nur schwer.

Immerhin sind der Holländer und seine Mannschaft klar als Fremdkörper zu erkennen. Als geschwärzte Märchenfiguren ziehen die düsteren Matrosen ins Erdgeschoss des Shopping-Centers, wo sie fortan als Leichen im Keller unsichtbares Unbehagen verbreiten.

Untergang als Erlösung

So ist es auch gar nicht nötig, dass sie in der Feierszene des dritten Aktes, bei dem der anfangs unsichere Chor doch noch zu guter Form findet, mit spukhaftem Auftreten für Angst und Schrecken sorgen: Beides ist bei den kauflustigen Mall-Besuchern offenbar ohnehin so verbreitet, dass einer selbst die Fackel ins Untergeschoss wirft, die sich dann zum Weltenbrand ausweitet. Auch Senta und der Holländer gehen darin irgendwie verloren. Der Untergang ist hier wohl Erlösung genug.

Für die kühle Inszenierung spendet das Premierenpublikum dem Regieteam eher dünnen Applaus, großen Jubel gibt es für Kelly God und die übrigen Sänger sowie für Dirigenten und Orchester.

„Der fliegende Holländer“: Wieder am 15. und 18. Februar sowie am 1., 4., 19., 24. und 26. März. Es gibt verschiedene Sängerbesetzungen.

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