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18:44 23.02.2018
Wie gemacht für Finzi: Szene aus „Tagebuch eines Wahnsinnigen“. Quelle: Iko Freese / DRAMA.
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Hannover

Er rast und flüstert, wütet und schreit, jammert und verzweifelt, ein zusammenstürzender Stapel Parketthölzer symbolisiert das zunehmend geistige Chaos des kleinen Beamten Poprischtschin. Bereits 2008 hatte Samuel Finzi mit seinem Soloabend „Tagebuch eines Wahnsinnigen“ von Nikolai Gogol Premiere in der Box des Deutschen Theaters Berlin. Seitdem tourt er auch mit dieser One-Man-Show gelegentlich durch die Welt, neben seinen aktuellen Theater-Engagements und den allein acht Filmen, die er im vergangenen Jahr gedreht hat. Tallin, Moskau, Pristina, Linz oder die Ruhrfestspiele Recklinghausen standen schon auf der Liste der Spielorte. Nun gastiert Finzi im Schauspielhaus und frei nach einer Rezension in der Frankfurter Rundschau lässt sich sagen: „Wer jetzt ohne Karte ist, wird es lange bleiben.“

Gogols Erzählung „Tagebuch eines Wahnsinnigen“ ist wie gemacht für Finzi, der in dieser Inszenierung von Hannah Rudolph seine gesamte Bühnenpräsenz ausspielen kann. Frustriert vom wirklichen Leben, ohne Perspektive und verstrickt in eine unerwiderte Liebe zur Tochter seines höchsten Chefs, vollzieht er den Übergang des kleinen Beamten und Spießers mit all seinen Minderwertigkeitskomplexen zum Irren bis hin zum König von Spanien. Seinen Anfang findet der Wahnsinn in einem Gespräch zwischen zwei Hündchen, die nicht nur sprechen, sondern auch schreiben können. Popritschtschin belauscht sie, fängt ihre Korrespondenz ab und ahnt den Beginn einer Intrige gegen ihn.

Samuel Finzi durchlebt diese Entwicklung mit allen Finessen und abgründigen Facetten, die der Wahnsinn mit sich bringt - inmitten dieser Veränderung ist Popritschtschin der Überzeugung, die Welt mit ihren Machenschaften jetzt wirklich zu durchschauen. Finzi ist ein Könner, was die Verbindung von Stimme, Mimik und Gestik angeht. In Kombination mit seinem komödiantischen Talent macht er aus diesem Abend ein intensives und tragikomisches Ereignis.

Tanja Schulz

Tagebuch eines Wahnsinnigen: 16. März, 20 Uhr, Schauspielhaus

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