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Deutsche Regisseurin Favoritin in Cannes

Maren Ade überzeugt mit "Toni Erdmann" Deutsche Regisseurin Favoritin in Cannes

Am Sonntagabend geht mit der feierlichen Verleihung der Goldenen Palme das 69. Filmfestival von Cannes zu Ende. Die Top-Favoriten sind zwei Frauen, eine davon ist die deutsche Regisseurin Maren Ade.

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Die deutsche Regisseurin ist in diesem Jahr eine der Favoritinnen auf die Goldenen Palme in Cannes.

Quelle: Clemens Bilan

Cannes. Bei den Buchmachern steht sie auf Platz eins: Die deutsche Regisseurin Maren Ade mit ihrem Film "Toni Erdmann" gilt als Top-Favoritin, wenn am Sonntagabend in Cannes die Goldene Palme verliehen wird. Die Begeisterung über die ungewöhnliche Vater-Tochter-Komödie hat sich bis zum Schluss gehalten, obwohl der Film bereits in den ersten Tagen des 69. Festivals von Cannes gezeigt wurde. Und obwohl auf ihn die mit Spannung erwarteten neuen Werke folgten von so angesehenen und mehrfach ausgezeichneten Regisseuren wie Pedro Almodóvar, Ken Loach, Jim Jarmusch oder den belgischen Regiebrüdern Luc und Jean-Pierre Dardenne.

Hält "American Honey" Ade noch auf?

Geht man den Stimmen der an der Croisette versammelten internationalen Filmkritik nach, gibt es nur eine vorstellbare Konkurrentin, die Maren Ade noch die begehrte Goldene Palme wegschnappen könnte: die Britin Andrea Arnold und ihr Roadmovie "American Honey" über eine Drückerkolonne in den Südstaaten der USA.

Auch 2016, bei den 69. Filmfestspielen in Cannes, tragen die Frauen wieder die schönsten Kleider auf den roten Teppichen. Auffällig: Auch in diesem Jahr liegt Frau wieder im Trend, wenn sie Bein zeigt.

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Die Tatsache, dass der Wettbewerb von Cannes 2016 ausgerechnet von zwei Frauen dominiert wird, ist nicht ohne Ironie. Schließlich geriet Cannes in den vergangenen Jahren wieder und wieder in die Kritik, weil es unter den ausgewählten Werken so wenig weibliche Filmemacher berücksichtige. In diesem Jahr war der Schnitt mit drei von 21 nicht gar so ungünstig wie etwa noch 2015 und 2014, als nur zwei Regisseurinnen im Wettbewerb mitmischten, oder 2012 und 2010, als es gar keine weiblichen Filmemacher im Rennen um die Goldene Palme gab. Am Sonntag könnte also tatsächlich wahr werden, worauf nicht nur Feministinnen hoffen: dass nach Jane Campion, die 1993 als erste Frau in der traditionsreichen Festivalgeschichte den Hauptpreis für "Das Piano" erhielt, endlich eine zweite Frau mit der höchsten Auszeichnung beehrt wird.

2016 starker Wettbewerbsjahrgang in Cannes

Weil das Ereignis so rar ist, muss man gleich einem Gerücht vorbeugen: Die Stärke der Frauen ist nicht etwa das Resultat einer Schwäche der Männer. Tatsächlich geht Cannes 2016 als ein außergewöhnlich starker Wettbewerbsjahrgang in die Geschichte ein. Auf den Buchmacherlisten stehen denn auch noch zwei männliche Regisseure zwischen Maren Ade und Andrea Arnold.

Die Filmfestspiele von Cannes bieten auch 2016 ein riesiges Staraufgebot: Allein am ersten Tag schritten Stars wie Susan Sarandon, Julianne Moore, Eva Longoria oder Justin Timberlake über den Roten Teppich.

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Da ist zum einen Ken Loach, der 79-jährige britische Altmeister des Sozialdramas. Er hat hier mit seinem "I, Daniel Blake" gezeigt, dass er es immer noch kann: sein Publikum mit unprätentiösen Geschichten fesseln, die von den Armen und Unterdrückten unserer Welt handeln. Ähnliches gelang dem 67-jährigen Spanier Pedro Almodóvar, der mit seinem "Julieta" zurückkehrte in sein "Heimatuniversum", den Frauenfilm der etwas anderen, spanischen Art.

Wettquoten in Cannes selten ein Indiz

Freundlich und mit Wärme an der Croisette aufgenommen, fehlt es beiden Filmen aber an der für einen "Hype" nötigen Intensität der Begeisterung. Während Loach erst 2006 mit "The Wind That Shakes The Barley" die Goldene Palme gewann, musste Almodóvar bislang mit dem Preis für die beste Regie ("Alles über meine Mutter") oder dem besten Drehbuch ("Volver") vorlieb nehmen. Der Kultregisseur wäre also "dran", wie es unter Festivalbeobachtern heißt. Im übrigen zeigt der Blick in die Vergangenheit auch, dass die Wettquoten nicht unbedingt ein zuverlässiges Indiz für den Gewinn der Palme abgeben: Der letztjährige Gewinner, das Migrantendrama "Dheepan" des Franzosen Jacques Audiard, stand bei den Wettchancen abgeschlagen im Mittelfeld.

Am Ende entscheidet die Jury

Schließlich entscheidet auf dem wohl prestigeträchtigsten Festival der Welt weder Publikum noch Kritik über die Palmen, sondern eine neunköpfige Jury, die in diesem Jahr aus den Schauspielern Kirsten Dunst, Valeria Golino, Mads Mikkelsen, Vanessa Paradis, Donald Sutherland, den Regisseuren Arnaud Desplechin und László Nemes sowie der iranischen Filmproduzentin Katayoon Shahabi besteht. Als Jurypräsident fungiert der australische Regisseur George Miller.

Unter einer solch illustren und eigenwilligen Gruppe kann man sich manche Debatte vorstellen, die ganz anderen Filmen den Vorzug gibt. Etwa Jeff Nichols Rassismus-Drama "Loving", das bereits als heißer Oscar-Kandidat gehandelt wird. Vielleicht teilt die Jury aber auch eher den Geschmack der Kritik, die Jim Jarmuschs poetischen "Paterson" mit Adam Driver als dichtender Busfahrer in der Hauptrolle auf den zweiten Platz hinter Ades "Toni Erdmann" setzt.

Cannes kann auch Charity

Seit 1993 wird in Cannes neben den Filmfestspielen eine Aids-Gala abgehalten – so auch in diesem Jahr. Seit ihrer Gründung wurden bereits über 150 Millionen Euro gespendet. Stars wie Oscar-Preisträger Leonardo Di Cabrio oder das deutsche Model Heidi Klum geben sich jährlich die Ehre.

Neben den Filmfestspielen: Seit 1993 findet in Cannes eine große Aids-Gala statt, bei der sich viele Stars blicken lassen. Viele von ihnen versteigern und steigern mit.

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von Barbara Schweizerhof, epa/RND/fw

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