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00:16 31.03.2016
Ganz schön schlau: Jan Philipp Zymny. Quelle: haz
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Hannover

Auch den größten Poetry-Slam der Welt konnte Jan Philipp Zymny im vergangenen August auf der Hamburger Trabrennbahn vor mehr als 5000 Besuchern für sich entscheiden. Sein drittes Buch hat gute Kritiken erhalten. Außerdem kann sein Publikum weite Passagen seiner Texte auswendig. Zymny mag das und spielt auch in der seit Langem ausverkauften Faust-Warenannahme lustvoll damit. Er unterbricht sich immer wieder, um auf die Metaebene zu klettern, sich das Geschehen von oben anzusehen. Und es dann in albern-schlaue Worte zu fassen.

Was er auch tut: Er bleibt der charmante, leicht verpeilte Kumpeltyp, den man sich an den WG-Küchentisch wünscht. Seine Routine geht restlos auf in einer fast kindlichen Freude an der schieren Sprachgewalt. Fast auf den Tag genau vor sechs Jahren habe er angefangen, regelmäßig mit seinen eigenen Texten aufzutreten, erzählt Zymny. Zwischenzeitlich habe er es dabei auf bis zu 25 Auftritte im Monat gebracht, bis zur körperlichen Erschöpfung. Das klingt fast wie bei einem Treffen der Anonymen Slampoeten. Zymny ist süchtig nach der Bühne. Danach, Worte so lange umzudrehen und zu schütteln, bis er ihnen alle ihre Möglichkeiten entlockt hat. Er nennt das ganz bescheiden „Unsinn zelebrieren“.

Und doch lässt Jan Philipp Zymny keinen Zweifel an seinem beeindruckenden Talent, Sprache intuitiv zu durchschauen. Ihre Konstruktionen, ihre Regeln, Schlupflöcher, Haltungen, Tonfälle, Klischees, Absurditäten oder Momente. Er experimentiert mit Erzählebenen, Strukturen von Komik, Argumentationsstrategien und Liturgien. Und er nennt all das beim Namen, erklärt lächelnd, was er tut. Wenn Zymny den „Weißer-Junge-aus-der-Mittelschicht-Blues“ singt oder wenn er sich beim Internet dafür bedankt, „dass es da war, als meine Eltern es nicht waren“: Fast immer haben die Wendungen seiner Geschichten mindestens einen doppelten Boden.

Zymny bietet weit mehr als den versprochenen „vergnüglichen Vorleseabend“. Und er hält kaum Wort, wenn er prophezeit: „Ihr werdet heute Abend nichts lernen.“ Längst ist er zum Stand-Up-Comedian geworden, weit über dem Niveau seiner meisten Kollegen. Er sagt von sich selbst, sein größter Erfolg sei es, die Einladung zum „RTL Comedy Grand Prix“ ausgeschlagen zu haben. In Hannover verabschiedet er sich mit den Worten: „Mein Name war Helge Schneider.“ Sich dessen Autonomie und Integrität zum Vorbild zu nehmen, passt zu Zymny. Es ist nämlich ganz schön schlau.

Der regelmäßige hannoversche Poetry-Slam „Macht Worte“ findet in der Faust-Warenannahme wieder am 7. April um 20 Uhr statt.

von Thomas Kaestle

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