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Kultur Deutschlands einziges Bollywood-Festival beginnt
Nachrichten Kultur Deutschlands einziges Bollywood-Festival beginnt
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17:47 13.07.2009
Szene aus dem indischen Film „Shortcut to Justice“. Quelle: Roadside Dokumentarfilm/ddp

Doch das Festival „Bollywood and beyond“, das am Dienstag in Stuttgart beginnt, will Indien genau so zeigen, wie es Burkholz begeistert: Als „faszinierendes Land mit der größten Vielfalt und den größten Gegensätzen“. Neben einer Handvoll Bollywood-Filmen stehen zig Arthouse-Produktionen auf dem Programm.

Eröffnet wird das Festival am Dienstag (14. Juli) von „Luck by Chance“. Die „humoristische Inszenierung der Bollywood-Industrie“ will die Schattenseiten des Ruhmes zeigen. Im Folgenden sind bis Sonntag vor allem Filme zu sehen, „die es nicht auf DVD gibt“, schildert Festival-Leiter Oliver Mahn. Ziel ist es, „Indien als Ganzes zu zeigen“, in der Spannung zwischen Tradition und Moderne. „Indien ist mehr als Bollywood“, sagt Mahn und verweist darauf, dass der Film dank einer langen Tradition in der indischen Gesellschaft den Stellenwert habe „wie hier Fußball“. Thematischer Schwerpunkt der Veranstaltung ist in diesem Jahr die Sicherheitslage Indiens und das Verhältnis des Landes zu seinen Nachbarn.

Burkholz etwa reiste mit seinem Team in eine Region an der Grenze zu Pakistan, in ein „sehr umstrittenes Gebiet“ mit zahlreichen Konflikten wie massiver Einwanderung aus Pakistan und Gewalt gegen Frauen, die dort an der Tagesordnung sei, wie er sagt. Die Opfer hätten keine Hilfe zu erwarten. Die Justiz, klagt Burkholz, kümmere sich “überhaupt nicht“. 25 Millionen Fälle seien in Indien bei der Justiz unbearbeitet, es könne locker zehn Jahre dauern, bis ein mutmaßlicher Straftäter vor Gericht komme.

„Einfache Leute“, schildert der Filmemacher, „haben überhaupt keine Chance“. Die Frauen, die er porträtiert, haben daher eigene Gerichte organisiert, in denen sie Konflikte in „fairen Verhandlungen“ lösen. Die Dokumentation soll trotz des ernsten Themas „mutmachend“ sein, sagt Burkholz. „Es ist ein bewegender Film.“

Besucher aus dem ganzen Bundesgebiet werden ihn sehen. Schon vor Beginn des Festivals sind Tausende Karten verkauft. Im vergangenen Jahr kamen rund 13.000 Gäste. Sie können im Stuttgarter SI-Centrum dank eines umfassenden Begleitprogramms auch indisch Essen, einen Tanzworkshop mitmachen oder Handwerk kaufen. Mahn und sein Team organisierten einen Basar „wie einen Weihnachtsmarkt auf indisch“.

Dabei hatten die Organisatoren in diesem Jahr wegen der Wirtschaftskrise mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Das Festival ist zu mehr als drei Vierteln privat finanziert. „Einer der Hauptsponsoren hat so richtig reduzieren müssen“, berichtet Mahn. Nun fehlten mehr als 100 000 Euro. „Im Grunde hat es uns ins Mark getroffen“, bedauert der Leiter und beeilt sich, Bedenken zu zerstreuen: „Sie werden es als Publikum aber nicht merken.“ Gespart wurde etwa bei der Vergabe technischer Aufgaben, die die Mitwirkenden nun selbst erledigen müssen. Außerdem gibt es keinen Katalog und keine Preisverleihung. Und man habe keine Gäste aus Indien einladen können. „Das ist natürlich für ein Festival sehr bitter“, räumt Mahn ein. Einige reisten nun auf eigene Kosten an.

Mahn fürchtet auch bei anhaltend schlechter Wirtschaftslage nicht grundsätzlich um das Festival. „Das erste Filmfest 2004 haben wir mit 35 000 Euro gemacht und 40 Filme gezeigt“, erinnert er sich. Damals sei eben „sehr viel Handarbeit“ nötig gewesen. Wie viel Geld heute zur Verfügung steht, will er nicht sagen. Auch Filmemacher Burkholz spürt die Krise. „Es wird merklich schwieriger, Finanzierungen zu bekommen“, berichtet er. Es habe ein „starkes Ringen um die Sponsoren eingesetzt“. Ein neues Filmprojekt in Indien plant er derzeit nicht.

ddp

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