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Wo ist eigentlich Rammstein?

Neue Konzert-DVD Wo ist eigentlich Rammstein?

Wo ist eigentlich Rammstein? Die Berliner Band hat schon lange kein neues Album mehr veröffentlicht. Gerüchte gibt es dazu aber immer wieder. Erst einmal hat die Band eine DVD heraus gebracht. „In Amerika“ ist ein Konzertfilm, der erst durch das Zusatzmaterial besonders wird. 

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Feuerfreudig: Die Band Rammstein.

Quelle: Paul Brown (Universal Music)

Berlin. Wo ist eigentlich Rammstein? Bei den Fans ist es zum Sport geworden, Gerüchte über ein eventuelles neues Album zu ventilieren, Hoffnung zu schüren und dann auch schon wieder zu verlieren. Tatsache ist, dass der letzte frische Wurf, „Liebe ist für alle da“, schon sechs Jahre zurückliegt. In der Zwischenzeit hat sich die Berliner Band Heino auf die Bühne geholt, was man getrost in die Reihe der rammsteinschen Bühnenabsonderlichkeiten einordnen kann. Sänger Till Lindemann und Gitarrist Richard Z. Kruspe kümmerten sich um ihre Solokarrieren, Keyboarder Flake Lorenz schrieb seine Karriere in einem Buch mit dem Titel „Der Tastenficker“ nieder.

Gerüchte über ein neues Album gibt es auch derzeit wieder. Aber da das Geheimnis auch ein Teil des rammsteinschen Selbstverständnisses ist, wird man erneut abwarten müssen. Es ist also nicht ganz ohne Risiko, jetzt wieder mit einem alten Hut zu kommen. Die DVD „In Amerika“ ist ein Konzertfilm, er zeigt die Band bei ihrem ausverkauften Auftritt 2010 im Madison Square Garden. Solide Show, sehr gute Aufnahme, technisch auf Topniveau – aber ansonsten ein Mitschnitt, der die Fans nicht aus den Puschen hauen wird.

Dokumentation ist das Highlight 

Was das Paket aber besonders macht, versteckt sich im Zusatzmaterial. Denn das eigentliche Highlight ist eine Dokumentation über den Versuch einer erstens deutschen und zweitens deutschsprachigen Rockband, in den USA Fuß zu fassen und Erfolg zu haben. Es ist ein Verdienst von Regisseur Hannes Rossacher, dass hier keine glatte, geschönte, verkürzte Erfolgsgeschichte erzählt wird, denn die war es beileibe nicht. Die Doku schlägt einen großen Bogen – angefangen in den Achtzigerjahren mit Amateuraufnahmen der DDR-Punkbands Feeling B und First Arsch, aus denen Rammstein entstand, über die ersten tastenden Versuche, als Band eine Identität zu finden, und die neue Freiheit, im vereinten Deutschland plötzlich alles sagen und singen zu dürfen.

Vor den Großarenen, die Rammstein in diesem Jahrtausend verlässlich füllt, standen kleine Clubs mit wenigen Besuchern. Und eine Mischung aus Faszination und Irritation bei Veranstaltern über die Showpyromanen, bei denen es ständig irgendwo brannte auf der Bühne. Denn auch wenn es sprachlich zwischen den Amerikanern und den feuerfreudigen Deutschen ziemlich hakte – wenn Sänger Till Lindemann wie selbstverständlich den Flammenwerfer über die Köpfe des Publikums schwenkte, waren sich alle einig über diese Irren aus Germany.

Eine Nacht im Gefängnis

Das geben nicht nur die Promoter zu, sondern auch reihenweise Kollegen, die Rossacher nach Rammstein befragt hat: Iggy Pop, Marilyn Manson, Steven Tyler, Kiss-Sänger Paul Stanley, Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers. Selbst Kiefer Sutherland schwärmt von der Band, der er anfangs den Durchbruch in Amerika im Leben nicht zugetraut hätte. Der schwärmende Promi-Reigen wirkt ein bisschen aufgetragen, andererseits ist es höchst amüsant, dem staunenden Iggy Pop zuzuhören. „Sie boten mir vor dem Konzert Ohrstöpsel an. Ich lachte. Ich hab sie dann benutzt. Aber es war immer noch zu laut.“

Ohnehin fragt man sich die ganze Zeit, wer hier eigentlich mit wem klarkommen musste, die Band mit dem Land oder ein Land mit dieser Band. Zu viel wird es den Behörden, als Till Lindemann und Flake Lorenz zum Song „Bück dich“ showkopulieren. Die beiden Musiker landen für eine Nacht im Gefängnis. „Dass es sowas wirklich gibt, eine solche Beschränktheit, damit musst du erst mal zurechtkommen“, sagt Lindemann im Rückblick. Die Geschichte stärkt den „Muss man gesehen haben“-Ruf der Band nur noch. Hinzu kommt, dass der Song „Du hast“ in den US-Radios gespielt wird – auch das ein kleines Wunder. Das Land erlaube offensichtlich nur einen deutschen Hit pro Jahrzehnt, sagt Metalmusiker Kaizer von Loopy. In den Achtzigern war es Nena, in den Neunzigern ist es plötzlich Rammstein.

Spannungen in der Band

Der Erfolg kommt langsam, aber er kommt. Und mit ihm kommt auch ein Zersetzungsprozess in der Band. Denn die Gepflogenheiten sind in den USA andere. „Viele Europäer vergessen, wie groß das hier ist“, sagt Musiker Moby. „Manche Bands kommen nach Amerika, spielen zehn Konzerte und denken, das ist eine Tournee. Aber hier spielen auch Stars wie Kid Rock oder Dave Matthews 200 Konzerte – pro Jahr.“ Rammstein ist lange unterwegs – und es kommt zu Spannungen in der Band, die aber wieder behoben werden.

Schlusspunkt der sehenswerten Doku und der Erfolgsgeschichte, die letztlich eben doch eine wird, ist das Konzert im New Yorker Madison Square Garden, das in wenigen Minuten ausverkauft ist. Tipp: Erst die Doku, dann das Konzert anschauen. Dann bekommt die Sache, ja, Feuer.

Ein neues Album könnte trotzdem nicht schaden.

Rammstein: „In Amerika“ (Universal)     

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