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00:15 30.08.2016
„Wer bringt mich jetzt zu den anderen?“, fragt Die Höchste Eisenbahn. Quelle: Sonja Stadelmaier
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Wer gießt die Formen, die dir sagen, wie du sein musst?
Wer bringt mich zu den anderen?
Wer legt die Leitungen durchs Meer?

Die Höchste Eisenbahn stellt viele Fragen. Sie folgen der Erkenntnis, dass es zwischen Aufstehen und Zu-Bett-Gehen irgendwie viel zu verarbeiten gibt. All die Kompromisse, Entscheidungen, das Durchlavieren zwischen heiter und wolkig. Das, so könnte man lapidar meinen, ist ohnehin der Kern der Pop-Musik: dem Leben eine Melodie verpassen.

Doch diese deutsche Liedermacher-Supergroup macht den Deutsch-Pop noch schöner als andere: Francesco Wilking, früher Stimme der Band Tele, und Moritz Krämer reichen eigentlich allein schon für das kleine Songwriter-Glück. Zusammen bringt das Über-, Neben- und Untereinander der schnoddrig rauchigen Stimmen einen Harmonieüberschuss. Bei den ersten Auftritten unterstützten noch Gisbert zu Knyphausen und Judith Holofernes das Duo, seit dem Debüt „Schau in den Lauf Hase“ gehören Felix Weigt (Spacemann Spiff) am Bass und Max Schröder (Tomte) am Schlagzeug zum Ensemble der Eisenbahn.

Das zweite Album „Wer bringt mich jetzt zu den anderen?“, am Freitag erschienen, überrascht wenig – und bleibt doch kleben: In 13 Kurzgeschichten schlendert dieses Quartett durch die Gassen, schaut hier und da in die Wohnzimmer rein, schnappt Wortfetzen auf, spinnt sie weiter. Und dann kommt die Eisenbahn mit einer wunderbaren Harmonie um die Ecke, mit einem unerwarteten 80er-Synthie-Groove oder mit der pointierten Beschreibung einer Hipster-Altbau-Party mit Reinhard Mey und egalem Small Talk („Gute Leute“). Moritz Krämer, dazu Synthesizer, Orgel, Flöte: „Lisbeth“ ist die Vertonung des „Mit Dir kann man Pferde stehlen“-Kompliments. Diese Lisbeth aus dem Eisenbahn-Song könnte auch in Bullerbü am Bettlaken aus dem Fenster rausklettern, bis die Sonne irgendwo im Småland untergeht.

Der Name scheint Magie zu besitzen: Lisbeth steht auch Pate bei der Berliner Band Von Wegen Lisbeth. So unterschiedlich die Eisenbahn mit ihrem Liedermacher- und die Lisbeths mit ihrem Indie-Pop auch sind, so stehen beide für moderne Popmusik aus Deutschland für Erwachsene abseits all der Silbermonde.

Denn den guten Deutsch-Pop gibt es wieder – auf den kleineren Bühnen, bei den kleineren Labels und den kleineren Radiosendern. Wecker, Wader, Mey heißen heute Liwa, Coen, Prosa, Frevert oder Bunger. Rotzig-poetisch mit mehr Wumms wird es mit Trümmer, Kraftklub oder auch AnnenMayKantereit. Die Gitarre haben sie alle gemein, und die Lieder sind auch immer noch Vertonung der Lebenskrisen und Grundsatzfragen der Zwanziger, Dreißiger und Vierziger. Sie sagen, wie das so ist im Leben, was das mit uns macht, wie das kribbelt, wie das schmerzt.

Von Wegen Lisbeth hauen dafür aber mehr drauf: Auf den Regenbogenachttästler, dieses niedliche musikalische Kinderspielzeug, die Steeldrum und ihre Generation, der #Foodporn bei Instagram wichtiger ist als das Erleben im Leben. „Lina, ich will dein Sushi gar nicht seh’n. / Warum ist Dein Leben so prima? / Und du immer so wunder-wunderschön?“ „Sushi“, diese Instagram-Newsstream-Vertonung, wurde denn auch in den sozialen Netzwerken zum Hit. Die fünfköpfige Jungsbande verbindet Dating-App-Kritik, Millennial-Poesie („Milchschaum“) mit geradezu altklugen Lebensmetaphern.

Sie kommen hörbar vom Ska und Punk und haben nun den Indie-Pop perfektioniert. Viele Konzerte der Herbsttour zum Debüt „Grande“ sind ausverkauft, die Gastspiele im Programm von Element of Crime und AnnenMayKantereit dürften geholfen haben.

Die Höchste Eisenbahn spielt am 4. November im Musikzentrum. Tickets gibt es unter tickets.haz.de. Das Konzert von Von Wegen Lisbeth am 30. September im Lux ist bereits ausverkauft.

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